https://www.faz.net/-gv6-81iim

Keine gezielte Desinformation : Porsche-Holding erzielt Sieg im Milliardenstreit mit Hedgefonds

  • Aktualisiert am

„Die Berufungsklage wird zurückgewiesen“, gab Richter Gerhard Ruf (Mitte) am Donnerstag im Stuttgarter Oberlandesgericht bekannt. Bild: dpa

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat am Donnerstag in einem Milliardenstreit mit Hedgefonds zugunsten der Porsche-Holding entschieden. Porsche habe die Anleger nicht vorsätzlich sittenwidrig geschädigt, urteilten die Richter.

          2 Min.

          Der VW-Großaktionär Porsche hat in der Klagewelle von Anlegern nach der gescheiterten Übernahme des Volkswagen -Konzerns wieder einen Etappensieg errungen. Das Oberlandesgericht Stuttgart wies am Donnerstag in zweiter Instanz eine Klage von Hedgefonds auf knapp 1,2 Milliarden Euro Schadensersatz zurück. „Die Berufungsklage wird zurückgewiesen“, teilte Richter Gerhard Ruf mit. Porsche habe die Anleger nicht vorsätzlich sittenwidrig geschädigt. Die von den Familien Porsche und Piech beherrschte Holding nannte das Urteil einen wichtigen Sieg. Dutzende Investoren, vor allem aus den Vereinigten Staaten, streiten vor mehreren deutschen Gerichten mit Porsche um Entschädigungen von insgesamt mehr als 5 Milliarden Euro. Auch das Landgericht Braunschweig hatte bereits drei Klagen abgewiesen.

          Die Hedgefonds - darunter die Branchengrößen Glenhill Capital und Viking - sehen sich von Porsche getäuscht, weil der Sportwagenbauer im März 2008 die Übernahme des viel größeren Wolfsburger Konzerns heimlich geplant, dies aber bis Ende Oktober öffentlich abgestritten habe. Dies habe sie zu Aktiengeschäften veranlasst, die ihnen nach Bekanntwerden des Übernahmeplans hohe Verluste einbrockten. Sie hatten sich VW-Aktien geliehen und diese verkauft, um sie später billiger zu beschaffen und die Differenz als Gewinn einzustreichen. Mit der Ankündigung Porsches in einer Pressemitteilung am 26. Oktober 2008, eine Mehrheit von 75 Prozent an VW anzustreben, schnellte der VW-Kurs aber zeitweise auf mehr als 1000 Euro. Die Fonds mussten die Papiere viel teurer kaufen, um ihre Leerverkäufe zu decken.

          Gericht: Keine gezielte Desinformation

          Das Gericht sagte, es habe keine grob unrichtigen Auskünfte feststellen können. Das gelte auch für telefonische Informationen von Porsche an die Kläger. Dass die Anleger damals selbst Kontakt mit Sprechern von Porsche aufgenommen hatten, spreche gegen eine gezielte Desinformation durch das Unternehmen. (AZ: 2 U 102/14) Die Hedgefonds hätten auch nicht nachweisen können, dass sie die Leerverkäufe wegen der angeblichen Falschinformationen getätigt hätten. Zudem sei die genannte Schadenshöhe nicht nachvollziehbar.

          Die Porsche-Holding hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sieht sich in seiner Position gestärkt. Es sei bereits die fünfte Entscheidung gegen die Ansprüche der Kläger. „Bisher hat keines der angerufenen Gerichte die Rechtsauffassung der Kläger geteilt“, teilte das Unternehmen mit. Porsche rechnet allerdings noch mit einem langen Rechtsstreit in den noch anhängigen Verfahren. Das Oberlandesgericht ließ keine Revision gegen das Urteil zu. Die Kläger können dagegen beim Bundesgerichtshof Beschwerde einlegen.

          Der letztlich gescheiterte Übernahmepoker von damals hat auch noch strafrechtliche Folgen: So müssen sich der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger Härter noch in diesem Jahr vor dem Landgericht Stuttgart wegen Marktmanipulation verantworten. Härter wurde wegen Kreditbetrugs bereits zu einer Geldstrafe verurteilt.

          Weitere Themen

          Bitcoin lässt sich nicht beeindrucken

          Verbot in China : Bitcoin lässt sich nicht beeindrucken

          Nachdem China am Freitag sein Verbot von Krypto-Anlagen abermals bekräftigte, sind starke Marktreaktionen ausgeblieben. Man müsse die Wirksamkeit erst mal abwarten, heißt es.

          „Für den Anleger egal“

          Nach der Bundestagswahl : „Für den Anleger egal“

          Die Wahlergebnisse sind da. Was bedeuten sie für die Anleger? Der Chef der HQ Holding Stefan Keitel spricht im Interview über neue Renditechancen dank des Klimawandels.

          Topmeldungen

          F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Die Demographie-Falle beim Klimawandel

          11 Milliarden Menschen könnten bis zum Ende des Jahrhunderts auf dem Planeten leben. Fürs Klima ist das fatal – doch gerade für Industrieländer zeigt die Demographie einen ungeahnten Hoffnungsschimmer.
          Verabschiedung der Fregatte „Bayern“ am 2. August in Wilhelmshaven

          Indopazifik-Reise : Fregatte Bayern ankert in Perth

          Kurz nach der Verkündung eines neuen Sicherheitspakts im Indopazifik zeigt auch Deutschland in der Region Flagge gegenüber China.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.