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Pimco steigt ins Aktiengeschäft ein : Allianz bekommt Konkurrenz im eigenen Haus

  • -Aktualisiert am

Das bekannteste Gesicht von Pimco: Der Rentenfondsmanager Bill Gross Bild: ASSOCIATED PRESS

Die Fondsgesellschaften des Versicherungskonzerns treten nun gegeneinander an: Der hauseigene Rentenspezialist Pimco lanciert jetzt auch Aktienfonds. Welche Strategie die Allianz damit verfolgt, ist auch Analysten nicht ganz klar.

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          Die Fondsgesellschaft Pimco wurde mit Rentenfonds groß. Noch bekannter als Pimco ist der Name eines ihrer Gründer: Fondsmanager Bill Gross verwaltet den 220 Milliarden Dollar schweren Total-Return-Fonds. Es ist der größte Rentenfonds der Welt. Die Stimme von Bill Gross hat an den internationalen Anleihemärkten ein Gewicht wie die keines anderen.

          Doch das Geschäft mit Anleihen reicht Pimco offenbar nicht mehr. Die amerikanische Fondsgesellschaft mit Sitz in Newport Beach in Kalifornien bietet nun auch in Deutschland Aktienfonds an. Die Pimco EqS Pathfinder Funds gibt es künftig hierzulande in zwei Varianten, einmal als international anlegenden Aktienfonds und einmal als Aktienfonds, der auf Europa spezialisiert ist.

          Allianz hatte Pimco in Europa groß gemacht

          Das Pikante daran ist, dass Pimco mit dem Vorstoß ins Aktiengeschäft die Konkurrenz innerhalb des Allianz-Konzerns anheizt. Bill Gross und die anderen Pimco-Gründer verkauften die Fondsgesellschaft im Jahr 2000 - also kurz bevor die Internet-Spekulationsblase platzte - zu einem hohen Preis an die Allianz in München. Diese machte daraufhin Pimco in Europa im Management von Rentenfonds groß, wie ein Sprecher der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors betont. Davon profitierte auch die Allianz, die in der Vermögensverwaltung wachsen will. Nach dem Kauf der Dresdner Bank verleibte sich die Allianz erst den Dit ein, die Fondsgesellschaft der Dresdner Bank, und firmierte diesen in Allianz Global Investors um. Anfang 2009 kaufte die Allianz von der Commerzbank die Fondsgesellschaft Cominvest und verschmolz diese mit Allianz Global Investors.

          Bild: F.A.Z.

          Bisher war die Strategie der Allianz im Fondsgeschäft komplementär: Pimco wuchs in Europa mit Rentenfonds, das Aktiengeschäft besorgten Allianz Global Investors und deren Aktienspezialist RCM. Doch nun stellt Pimco diese Arbeitsteilung in Frage. „Aus Sicht eines Rentenfondsmanagers ist es sicher richtig, auch Aktienfonds anzubieten“, sagt Uwe Rieken, Geschäftsführer der Faros Consulting in Frankfurt, die Großanleger bei der Verwaltung ihrer Geldanlagen berät. „Doch welche Strategie die Allianz damit verfolgt, ist nur schwer verständlich.“

          Viele institutionelle Anleger wie Lebensversicherer, Pensionskassen oder andere Altersvorsorgeeinrichtungen müssen sich laut Rieken darauf einstellen, dass die Renditen auf den Anleihemärkten längerfristig niedrig bleiben werden. Deshalb müssen institutionelle Anleger auf andere Anlageklassen ausweichen. Deshalb mache es Sinn, neben Rentenfonds auch Aktienfonds anzubieten. „New Normal“ heißt das Schlagwort, unter dem Pimco die Strategie verfolgt, das Aktiengeschäft auszubauen.

          Will Pimco sich von der Allianz trennen?

          Nur: Weshalb übernimmt Pimco nicht einfach die Produkte, die der Aktienfondsspezialist der Allianz, RCM, ohnehin im Angebot hat? „Pimco hat viel Geld in das Research von Unternehmensanleihen investiert“, sagt ein Sprecher von Allianz Global Investors, zu der im Prinzip auch Pimco gehört. „Da war man offenbar der Meinung, dass sich diese Kompetenzen auch für das Aktiengeschäft nutzen lassen.“ Die Erklärung ist insofern überraschend, als dass Anleiheinvestoren Unternehmen unter einem anderen Blickwinkel betrachten als Aktienfondsmanager. Die einen schauen stark auf Ausfallrisiken, die anderen auf Ertragschancen.

          Im Fondsgeschäft verfolge die Allianz eben einen Boutique-Ansatz, heißt es dazu bei der Pimco-Niederlassung in München. Als Fondsboutiquen werden kleine Gesellschaften bezeichnet, bei denen ein Fondsmanager einen ganz persönlichen Stil anbietet und keinen Investmentprozess, wie ihn die großen Fondsgesellschaften verfolgen. Typische deutsche Investmentboutiquen sind die DJE des Fondsmanagers Jens Ehrhardt in München und Flossbach & von Storch in Köln. Allerdings sind Fondsboutiquen, wie der Name nahelegt, in der Regel recht klein. Das lässt sich weder von Pimco sagen, die zuletzt 1,1 Billionen Dollar (rund 880 Milliarden Euro) verwaltete, noch von Allianz Global Investors, die - ohne Pimco - rund 520 Milliarden Euro betreut.

          Die strategische Wende von Pimco sorgt jedenfalls für Rätselraten in der Fondsbranche. In der amerikanischen Presse gab es immer wieder Gerüchte, Pimco wolle sich von der Allianz trennen oder Bill Gross könnte eigene Wege gehen. Dass Pimco nun ins Aktienfondsgeschäft vorstößt, ist allein noch kein Beleg für die Richtigkeit dieser Spekulationen.

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