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Pimco-Gründer Bill Gross : Ein Starinvestor gerät außer Kontrolle

Pimco-Gründer Bill Gross Bild: STEPHANIE DIANI/The New York Tim

Bill Gross hat einst den Fondsgiganten Pimco gegründet. Jetzt liefert er sich eine Schlammschlacht mit seinen Mitarbeitern. Darunter leiden auch Allianz-Kunden.

          4 Min.

          Es waren hässliche Worte, die an jenem Junimorgen 2013 durch den Raum flogen - zumindest sagen dies diejenigen, die dabei gewesen sind. Und das waren nicht wenige. Denn der Handelssaal der Fondsgesellschaft Pimco ist selbst in den Morgenstunden niemals leer: Wer für den größten und mächtigsten Anleiheinvestor der Welt arbeitet, muss ganz früh raus. Um 4.30 Uhr ist Dienstbeginn in Newport Beach, Kalifornien, einem malerischen Örtchen mit Strand und Palmen - dann nämlich öffnet Tausende Meilen entfernt an Amerikas Ostküste bald die Börse. Es sind die Märkte, die hier den Takt vorgeben: kaum verwunderlich bei einer Fondsgesellschaft, die die ungeheure Summe von 1910 Milliarden Dollar an Anlagegeldern verwaltet.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Pimco ist eine Macht - und jedes Wort, das aus dem Handelssaal nach außen dringt, wird begierig aufgesogen in der Welt der Anleger da draußen: Wenn die Firma entscheidet, ihre Milliarden in eine bestimmte Richtung zu lenken, kann dies ganze Märkte in Aufruhr versetzen. Doch an jenem Junitag 2013 ist etwas schiefgelaufen, denn es gab mitnichten eines dieser Statements, mit denen sich die Pimco-Leute sonst aus dem firmeneigenen Fernsehstudio in die Nachrichtensendungen schalten lassen: kein Satz zur Zinspolitik, keine Aussage zur Investmentstrategie. Stattdessen eine rüde Bemerkung, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt: „Ich bin es leid, deine Scheiße aufzuwischen.“ Gesagt haben soll dies - so berichtete das „Wall Street Journal“ in der vergangenen Woche - Mohamed El-Erian, der Vorstandschef. Adressat: Bill Gross, Pimco-Gründer und in Amerika „König der Anleihen“ genannt. Er hatte El-Erian zuvor mangelnde Anlagekompetenz vorgeworfen. Es waren also ausgerechnet die beiden Top-Leute der Fondsgesellschaft, die hier vor versammelter Mannschaft aneinandergerieten. Beide haben ihre Arbeitsplätze nämlich inmitten des Handelssaals.

          Ein Streit, wie er selbst in den besten Unternehmen mal vorkommen kann? Nein, die Auseinandersetzung wirkt bis heute nach, auch viele deutsche Anleger sind davon indirekt betroffen. Man muss dazu wissen: Zum einen drückt sich Vorstandschef El-Erian normalerweise nicht so derb aus. Er ist besonnen und freundlich, nicht aufbrausend. Und zum anderen wird er wohl als Folge des Streites die Firma nun verlassen. Bill Gross aber, 69 Jahre alt und seit 1971 an der Spitze, macht weiter.

          Starrsinn als Investmentprinzip

          Genau das könnte zum Problem für Pimco werden. Und auch für viele deutsche Allianz-Kunden. Denn seit dem Jahr 2000 gehört Pimco zu dem Versicherungskonzern, und vor allem in dessen Lebensversicherungssparte spielt die amerikanische Fondsgesellschaft eine wichtige Rolle: Bei der Auswahl geeigneter Anleihen richten sich die Allianz-Leute in vielen Fällen nach den Vorgaben aus Newport Beach. Liegt Gross also daneben, bekommen dies auch in Deutschland die Allianz-Kunden zu spüren.

          Nun muss man einräumen: Unbestritten hat der Starinvestor Verdienste. Seit dem Jahr 1987 lenkt er den Pimco Total Return, viele Jahre der beste Anleihefonds der Welt. Gross gilt zwar als exzentrisch (so hat er es nicht gerne, wenn seine Mitarbeiter Augenkontakt zu ihm aufnehmen), war aber lange Zeit ein genialer Anleger. Alle wichtigen Branchenpreise hat er in seiner Karriere mindestens einmal gewonnen.

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