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Fondsmanager im Gespräch : Mit Aktien aus der Krise

Die EZB kann Fondsmanager Huber wahrlich nicht begeistern. Bild: Maximilian von Lachner

Star-Capital-Fondsmanager Peter Huber lässt kein gutes Haar an der Geldpolitik. Aber mit Aktien steht er auf gutem Fuße.

          Peter Huber ist mit der Niedrigzinspolitik der Notenbanken nicht einverstanden. „Die Zentralbanken haben versucht, der Politik mit ihren Zinssenkungen Zeit für Reformen zu kaufen. Diese hat die Chance nicht wahrgenommen, und jetzt sitzen sie in der Falle.“ Der Konsum steige nicht, die Investitionen ebenso wenig.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Gegenteil führten die niedrigen Zinsen zu einer höheren Ersparnisbildung, weil dieselben ja keine Rendite mehr brächten und die Menschen ihre Altersvorsorgeziele erreichen wollten. „Sie haben kein Ziel erreicht“, lautet das harte Urteil des Vermögensverwalters der Firma Star Capital über die Zentralbanken.

          Rendite, nicht Risikovermeidung!

          Besonders das Finanzsystem sei in einer schwierigen Lage. Die Banken seien zwischen Regulierungswut und erodierenden Geschäftsmodellen gefangen, was die Niedrigstzinsen nicht einfacher machten. „Die Ärzte verabreichen dem Patienten weitere dieselbe Medizin, obwohl diese Schaden anrichtet“, meint Huber.

          Aber auch mit den Anlegern geht Huber ins Gericht. „Allein 150 Milliarden Euro sind aus Aktienfonds in Rentenfonds geflossen. Und das nur, weil die EZB Anleihen kauft und so das Risiko als gering gilt. Aber das Ziel einer Investition ist doch Rendite und nicht Risikovermeidung!“ Die EZB und der Markt steckten gerade jetzt in einer Sackgasse, wo sich die Zinswende abzeichne. „Man muss sich vor Augen führen, dass ein Anstieg der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf zwei Prozent mit einem Kursverlust von 17 Prozent einhergeht.“

          Rentensystem auf Aktien

          Huber wäre nicht Huber, wenn er die Lösung nicht in Aktieninvestments sähe. Denn auch damit ließe sich Wirtschaftspolitik machen. So hätten die japanischen Pensionsfonds vorwiegend einheimische Aktien gekauft und so den Kurs des Yens hochgetrieben. Die Schweizer Nationalbank habe dagegen in Auslandsaktien investiert und damit den Franken tendenziell geschwächt.

          Der Mischfonds-Manager findet einen Vorschlag des Berliner Wirtschaftswissenschaftlers Giacomo Corneo interessant. Angesichts der niedrigen Zinsen und der guten Bonität solle die Bundesrepublik eine Billion Euro in einen Staatsfonds stecken und damit Aktien kaufen. Bei einer Dividendenrendite von 3 Prozent könne man damit auch das Rentensystem auf eine nachhaltige Basis stellen.

          Verwalten könne den Fonds die Bundesbank, die ja ohnehin nach neuen Aufgaben suche. Und außerdem hätten Aktien in der neuen Zinswelt noch mehr Potential. „Deutsche Aktien notieren zehn Prozent unter ihrem fairen Wert. Und wenn sich das langfristige durchschnittliche Zinsniveau halbiert, sind Aktien sehr billig, weil der Barwert der künftigen Erträge höher ist.“ Bis 2028 rechnet Huber mit einem Dax-Stand von rund 27 000 Punkten. Das ist im Jahresdurchschnitt immerhin ein Plus von 8 Prozent.

          Der Weg aus der Wachstumsschwäche sei dagegen nicht so einfach, sagt Huber und sinniert über verschiedene Möglichkeiten. Neue Konjunkturprogramme würden nur verzögert wirken und die Schuldenlast weiter erhöhen. Also vielleicht ein Schuldenerlass durch die Notenbanken? Das könnte am Ende sogar neue Wachstumsimpulse bringen. Oder wird man doch zum Helikoptergeld greifen? Für ganz so weit hergeholt hält das der Vermögensverwalter nicht, auch wenn man es sich momentan nicht so recht vorzustellen vermag.

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