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Gebühren : Fonds kassieren gerne dreifach ab

Bei manchem Fonds entsprechen die Gebühren für den Fondsmanager glatt einer Jahresrendite Bild: dpa

Ob Gewinn oder Verlust – die Erfolgsprämie fließt immer. Das ist schlecht für die Anleger.

          Wer einem Fondsmanager sein Geld anvertraut, der muss zahlen. Und das ganz schön happig: einmalig bis zu fünf Prozent Ausgabeaufschlag – bei manchem Fonds ist das schon die Rendite eines Jahres. Hinzu kommen jedes Jahr noch durchschnittlich 1,5 Prozent Verwaltungsgebühr. Die müssen auch erst einmal mit Kursgewinnen wieder reingeholt werden. Doch mancher Fondsgesellschaft ist nicht einmal das genug.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie langen noch an einer dritten Stelle zu – und verstecken das gerne ein bisschen. Rund ein Viertel der Fonds – darunter auch einige große und bekannte – werden mit einer Performance Fee belegt. Betroffen sind vor allem Aktien- und einige Mischfonds. Die Fee fällt an, wenn der Fonds eine bestimmte Wertentwicklung übertrifft. Bis zu 25 Prozent des Gewinns über einem bestimmten Vergleichsindex oder über einer bestimmten absoluten Höhe werden dann kassiert. Was nach leistungsabhängiger Bezahlung klingt und daher die Anleger freuen sollte, hat ein paar gravierende Schwachstellen. Sie zeigen: Den Fondsanbietern geht es nicht darum, tolle Leistungen ihrer Manager zu honorieren, sondern weitere Einnahmen zu erzielen.

          Die Verwaltungsgebühr kommt gar obendrauf

          Denn die Kriterien, bei deren Erfüllung die Gebühr anfällt, sind oft leicht zu erfüllen. Manchmal reicht ein Gewinn, selbst wenn der Markt viel besser war. Die Gebühr kann manchmal sogar anfallen, wenn der Fonds Verluste macht, solange sie nur niedriger als am Gesamtmarkt sind. Auf keinen Fall gibt es bei unterdurchschnittlichen Leistungen Rückzahlungen an die Kunden. Für den Fondsmanager ist das eine tolle Welt: Er geht keine finanziellen Risiken für sich oder seine Firma ein. Das wiederum kann ihn veranlassen, mit seiner Anlagepolitik besonders hohe Risiken zum Nachteil des Kunden einzugehen, um die Kriterien für die Gebühr zu erfüllen. Und damit seinem Arbeitgeber höhere Einnahmen zu bescheren, auch wenn er davon selbst in der Regel keinen Anteil bekommt.

          Und schließlich: Fonds, die eine Performance Fee haben, verlangen auf der anderen Seite nicht etwa eine niedrige Verwaltungsgebühr, auch Management Fee genannt. Nein, auf diese oft schon hohe fixe Gebühr kommt die Performance Fee noch obendrauf. Das führt in guten Jahren zu Gesamtkosten von teilweise bis zu neun Prozent im Jahr (siehe Tabelle unten). Zum Vergleich: Die kostengünstigen Indexfonds (ETF), die einen Index einfach nur nachbauen und daher auf einen Fondsmanager verzichten können, verlangen für einen Dax-ETF nur etwa 0,15 Prozent. Das ist ein Unterschied, der sich gerade bei langer Anlagedauer deutlich bemerkbar macht. Hinzu kommt: Die Fondsmanager schlagen den Index oft auch gar nicht. Und Fonds mit Performance Fee sind oft nicht besser als solche ohne.

          Besonders häufig kommen Performance Fees bei neueren Fonds vor, bei alten Fonds wurden sie oft nachträglich eingeführt. Die Gebühren gibt es erst seit ein paar Jahren. Sie sind Folge des hohen Vertriebsdrucks auf die Fondsgesellschaften. Um Vermittler zu motivieren, mehr Fonds zu verkaufen, bekamen sie mehr von der Verwaltungsgebühr, die eigentlich für die Fondsgesellschaft gedacht ist. Um trotzdem ihre Kosten decken zu können, ersann sie neue Erlösquellen in Form der Performance Fee.

          Tricksen ist trotzdem möglich

          Seit vergangenem Jahr gibt es etwas Hoffnung. Die Finanzaufsicht hat Regeln erlassen, wie Performance Fees gestaltet sein müssen. Die schlimmsten Konstruktionen sind nun verschwunden. So hängt die Wertentwicklung am Ertrag nach Abzug der anderen Kosten, was es schwerer macht, die Kriterien zu erfüllen. Sind Verluste angefallen, müssen die erst aufgeholt werden, bevor Gebühren erhoben werden dürfen. Und die Wertentwicklung darf nur einmal im Jahr gemessen werden, nicht öfter.

          Tricksen können die Fonds trotzdem. Weder überteuerte Gebühren sind verboten noch zu leicht zu erfüllende Kriterien. Und die Regeln gelten nur für in Deutschland zugelassene Fonds. Und alle Fonds der Deka, der DWS, von AGI und Union Investment. Manch ausländischer Anbieter kann also weitermachen wie bisher. Anlegern bleibt daher nur: Fondsprospekt genau lesen und sich fragen, ob der gewählte Fonds wirklich eine hohe Fee wert ist.

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