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Osteuropa : Aufholjagd mit Zertifikaten

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Bild: F.A.Z.

Die Länder Osteuropas glänzen mit hohen Wachstumsraten. Die Angleichung an den Westen kommt voran. Davon profitieren die Aktienmärkte. Anleger können mit Zertifikaten daran teilhaben.

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          Etwas mehr als 200 Euro im Monat verdient ein Arbeiter im neuen Nokia-Werk in der rumänischen Stadt Cluj - für qualifizierte Arbeit in der Herstellung von Handys. Kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen Teile ihrer Produktion in die Länder im Osten und Südosten Europas verlagern. Dort entstehen durch Investitionen viele neue Arbeitsplätze. Die Einkommen sorgen für mehr Konsum und ein hohes Wirtschaftswachstum.

          Reale Wachstumsraten von mehr als 5 Prozent sind in Osteuropa eher die Regel als die Ausnahme. Der Aufholprozess zum „alten Europa“ ist in vollem Gange. Von dem dynamischen Aufschwung profitieren auch die Unternehmen durch steigende Gewinne. Das wiederum macht sie an der Börse wertvoller. Die Aktienkurse steigen - stärker, als dies an etablierten Märkten der Fall ist.

          Andere verdienen mit

          So hat sich der Aktienindex MSCI Osteuropa in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt, während der MSCI World nur um 23 Prozent gestiegen ist. Wer ganz allgemein an eine weitere Aufholjagd Osteuropas glaubt, kann mit Zertifikaten auf solch breit gefasste Indizes wie den MSCI Osteuropa an der Entwicklung partizipieren.

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          Das Zertifikat entwickelt sich genau wie der Index. Dieser wird jedoch in Dollar berechnet - der Anleger trägt also ein Währungsrisiko. Unter anderem bietet Morgan Stanley ein solches Zertifikat (Isin GB00B23P2T87).

          Ebenfalls sehr breit aufgestellt sind Anleger mit dem Best of Funds Basket Osteuropa von ABN Amro (Isin NL0000100204). Das Zertifikat investiert in fünf Aktienfonds mit einem Schwerpunkt in der Region. Die Zusammensetzung wird alle drei Monate überprüft; gegebenenfalls werden Fonds ausgetauscht.

          Die Ratingagentur Scope Analysis hat in einer Untersuchung diesem Zertifikat besonders gute Noten gegeben. Gelobt wird die breite Diversifikation und die hohe Managementkompetenz durch die Auswahl der Einzeltitel durch erfahrene Fondsmanager. Allerdings müsse sich der Anleger bewusst sein, dass sowohl der Anbieter des Zertifikats als auch die Fondsgesellschaften an ihm Geld verdienen und er so eine vergleichsweise hohe Belastung durch Gebühren habe.

          Spezialisten bevorzugt

          Den Anlegern bietet sich aber auch die Möglichkeit, speziell in eine bestimmte Region zu investieren, die er für besonders aussichtsreich hält. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass sich die Aktienmärkte sehr unterschiedlich entwickelt haben. So bevorzugten Anleger im vergangenen Jahr die Länder auf dem Balkan und die Ukraine, während die baltischen Staaten eher gemieden wurden.

          Ein beliebter Index für Zertifikate ist der CECE. Er deckt die „etablierten“ osteuropäischen Märkte Polen, Tschechien und Ungarn ab. Der SETX umfasst die Aktienmärkte von Bulgarien, Rumänien, Slowenien und Kroatien; der CECEX alle sieben Märkte. Und natürlich hat der Anleger die Möglichkeit, ein Indexzertifikat auch auf den jeweiligen Aktienindex eines Landes zu kaufen.

          Je enger die Eingrenzung aber ausfällt, desto höher wird das Risiko. Und die Risiken in Osteuropa haben in den vergangenen Monaten erheblich zugenommen. Zwar haben sich die Kapitalmärkte gut entwickelt, und die Liquidität an den Börsen und damit auch die Qualität der Aktienkurse haben sich deutlich verbessert. Gleichwohl gibt es aber einige Aspekte, die den Analysten Sorgen bereiten.

          Volkswirtschaftliche Ungleichgewichte stellen Risikofaktoren dar

          So haben manche Länder - vor allem die drei baltischen Staaten, sowie Bulgarien, Rumänien und Serbien - recht hohe Außenhandelsdefizite. Was für sich entwickelnde Märkte durchaus nichts Ungewöhnliches ist, kann im Zeichen der Kreditkrise zu einem Problem werden. Die Staaten hängen von Kapitalzuflüssen aus dem Ausland ab. Zuletzt war eine zurückgehende Risikoneigung der Investoren erkennbar. Dies bekommen zuerst die vergleichsweise riskanten Märkte zu spüren.

          Das starke Wirtschaftswachstum mit einer hohen Nachfrage nach Arbeitskräften hat zudem die Löhne enorm steigen lassen und die Inflation angeheizt. Lettland weist für 2007 eine Inflation von 8,6 Prozent aus, Serbien von 8,4 Prozent und Ungarn von 5,9 Prozent. Die Notenbanken halten die Leitzinsen daher weiter hoch oder erhöhen sie sogar noch.

          Gesicherte Varianten in allen Formen

          Anleger, die deshalb ihr Risiko etwas begrenzen möchten, können dies mit Zertifikaten mit verschiedenen Sicherheitspuffern tun. So bietet die Hypo-Vereinsbank ein Bonuszertifikat auf den CECEX-Index (Isin DE000HV2CF0). Aktuell steht der Index auf rund 1620 Punkten. Fällt er in der Laufzeit bis April 2010 nie unter 1144 Punkte, erhält der Anleger mindestens den Bonus. Der Sicherheitspuffer beträgt also trotz des jüngsten Kursrückgangs an den Börsen noch rund 30 Prozent.

          Bliebe der Index bis zum Ende der Laufzeit dort, wo er heute auch steht, beträgt die Bonusrendite 32 Prozent. Die Gewinne sind nach oben nicht begrenzt. Fällt der Index unter seine Sicherheitsschwelle, läuft das Zertifikat wie der Index. Der Anleger kann somit auch Verluste machen.

          Solche Produktstrukturen gibt es in zahlreichen unterschiedlichen Ausgestaltungen auf die verschiedensten Indizes. Je höher die Sicherheitspuffer gewählt werden, desto geringer ist die Bonusrendite. Die jüngsten Kursturbulenzen haben jedoch gezeigt, dass der Anleger die Bonusschwelle nicht allzu knapp wählen sollte. Viele Zertifikate haben in den vergangenen Wochen ihre Sicherheitsschwellen unterschritten und so den Anspruch auf eine Bonuszahlung verloren.

          Für den osteuropäischen Markt gibt es zudem viele Zertifikate, die auf spezielle Themen setzen. So gibt es für den CECE-Index einige Branchenunterindizes. Manche Anbieter basteln auch eigene Körbe. ABN Amro bietet ein Zertifikat auf den Dow Jones Select Dividend Osteuropa. Hier wählt Dow Jones halbjährlich 15 Werte aus, die durch eine besonders hohe Dividendenzahlung auffallen, was auf eine hohe Ertragsstärke schließen lässt. Dieses Zertifikat bekam von Scope die Höchstnote der untersuchten Zertifikate mit Schwerpunkt Osteuropa.

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