https://www.faz.net/-gv6-6z5tf

Offene Immobilienfonds : Zweite Chance

Schwer verkäuflich: Immobilien von Daimler am Potsdamer Platz - finanziert von Fondsanlegern. Bild: ddp

Anleger haben Milliarden in Immobilienfonds investiert und wollen jetzt ihr Geld zurück. Doch die Fonds rücken es nicht raus. Zu schnell abschreiben sollte man die Anlage in Immobilien aber nicht.

          Immobilien-Kenner teilen die Welt der Gebäude gerne in zwei Kategorien ein: Perlen und Zitronen. Eine Perle, das war für die Fondsgesellschaft SEB Asset Management lange Zeit das Daimler-Center am Potsdamer Platz: 500.000 Quadratmeter Büro- und Wohnfläche mitten in Berlin - eine Toplage im Herzen der Hauptstadt. So schien es.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In den vergangenen Monaten dürfte den SEB-Fondsmanagern aber aufgegangen sein, dass es sich bei dem Komplex doch eher um den Gebäudetyp „Zitrone“ handeln könnte. Seit Weihnachten steht die Immobilie zum Verkauf, sie soll 1,4 Milliarden Euro kosten. Doch diesen Preis wollte bislang kein Investor zahlen: Die schiere Quadratmeterzahl schreckt ab, zudem sind längst nicht alle Büros und Wohnungen vermietet.

          Offenen Immobilienfonds stehen unruhige Wochen bevor

          Eine Fondsgesellschaft schafft es nicht, eine Immobilie zu verkaufen - das klingt zunächst einmal wenig dramatisch. Aber ein Drama ist es trotzdem: Denn ein Scheitern des Verkaufs könnte eine ganze Anlageform in weitere Turbulenzen stürzen - offenen Immobilienfonds stehen unruhige Wochen bevor.

          Nur 61,5 Prozent der Fonds sind derzeit geöffnet

          Dabei waren Turbulenzen für diese Fonds eigentlich nie vorgesehen, jahrzehntelang sorgten sie für Berechenbarkeit und Stabilität im Depot. Der Clou für Privatanleger: Offene Immobilienfonds kaufen Bürohäuser oder Einkaufszentren - möglichst viele Perlen und möglichst wenige Zitronen - und schütten die Erträge aus Mieteinnahmen und Hausverkäufen an die Anleger aus. Die können Fondsanteile zu geringen Summen erwerben und ihre Anteile auch jederzeit wieder zurückgeben. Ein flexibles Immobilieninvestment für alle, lautete die verführerische Botschaft.

          Eine Anlageform im Untergang?

          Ein großes Versprechen - und eines, das die Branche zuletzt nicht mehr halten konnte: Sechs Fonds mit Anlegergeldern in Höhe von fast zehn Milliarden Euro befinden sich bereits in Abwicklung. Sieben weitere sind eingefroren, die Anleger bekommen derzeit ihr Geld nicht zurück. Und wenn SEB nicht bald das Daimler-Center oder ein anderes Objekte verkauft, könnte demnächst gar einer der größten Immobilienfonds der Republik dran glauben: Der SEB Immoinvest, mehr als sechs Milliarden Euro schwer und seit 2010 eingefroren, muss Anfang Mai wieder öffnen - oder für immer schließen. Das Gleiche gilt für den Immobilienfonds CS Euroreal des Schweizer Geldhauses Credit Suisse - auch er mit einem Volumen von sechs Milliarden Euro einer der Größten, auch er seit 2010 eingefroren. Stichtag hier: der 18. Mai.

          Offene Immobilienfonds mit guter Performance

          Einige sagen für den Fall der Abwicklung gar der ganzen Anlageform den Untergang voraus. Steffen Sebastian sieht das nicht so. „Wir erleben bei offenen Immobilienfonds zurzeit eine radikale Marktbereinigung“, sagt der Professor für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg. „Aber das ist eine nötige Konsolidierung.“ Nur starke und gut verwaltete Fonds würden am Ende übrig bleiben - die seien wieder interessant für Anleger.

          Ein Gebäude verkauft sich nicht auf die Schnelle

          Wie aber konnte es dazu kommen, dass die Gesellschaften die Gelder vieler offener Immobilienfonds einfrieren mussten - und die Fonds ihrem eigenen Namen nicht mehr gerecht werden? Das Ganze hat vor allem mit einem Konstruktionsproblem der Fonds zu tun: Wenn viele Anleger zur gleichen Zeit ihre Anteile zurückgeben möchten, drohen Schwierigkeiten bei der Auszahlung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Anlegerschutz : Ach, ihr kleinen Dummerchen

          Vater Staat maßt sich an, besser zu wissen, was gut ist für das Depot der Kinder. Wie weit treibt es der Anlegerschutz noch mit der Entmündigung?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.