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Offene Immobilienfonds : Krisenfonds überraschen ihre Anleger

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Zuletzt waren viele Immobilienfonds in der Krise. Zum Jahreswechsel aber gab es einige positive Überraschungen. Doch nun entwickelt sich der leidgeplagte Deka-Immobilienfonds trotz Rekordausschüttung zur Steuerfalle.

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          Die Krisenfälle unter den offenen Immobilienfonds aus den vergangenen anderthalb Jahren warten rund um den Jahreswechsel mit Überraschungen auf. Vor allem die ohnehin leidgeplagten Anleger im krisengeschüttelten Deka-Immobilienfonds aus der Sparkassen-Finanzgruppe sehen sich mit einer seltsamen Situation konfrontiert. Zwar hat der Fonds am Freitag den Rekordbetrag von 8,30 Euro pro Anteil ausgeschüttet.

          Für die Investoren im Fonds, die den Betrag versteuern müssen, kann dieses Vorgehen aber insgesamt betrachtet einen Verlust bedeuten. Von den 8,30 Euro unterliegen je nach individuellem Steuersatz bis zu 6,47 Euro der Besteuerung. Gleichzeitig geht der Anteilspreis mit der Ausschüttung von rund 49 Euro auf rund 41 Euro zurück. Der Wertzuwachs von etwa einem Euro vor Steuern seit der Ausschüttung vor zwölf Monaten ist somit für Anleger mit hohen Zinseinkünften rasch weggeschmolzen.

          Unangenehme Botschaft zum Jahreswechsel

          Die Deka-Immobiliengesellschaft hatte jedoch keinen Spielraum bei der Höhe der nun erfolgten Ausschüttung. Um die Wertentwicklung stabil bei jährlich 2 Prozent zu halten und nicht deutlich ins Minus abzudriften, erhielt der Krisenfonds von der Muttergesellschaft Deka-Bank in den vergangenen anderthalb Jahren Zuschüsse in dreistelliger Millionenhöhe. Gleichzeitig ging die Sanierung aber wesentlich schneller vonstatten als geplant, so dass nach den Paketverkäufen vieler Objekte im vergangenen Geschäftsjahr nun sämtliche Erträge, zu denen auch die Zuschüsse zählen, entsprechend der Gesetzeslage auf einmal ausgekehrt werden mussten. Erschwerend hinzu kommt für viele Anleger der Zeitpunkt der Ausschüttung: Zu Beginn dieser Woche halbierte sich der Sparerfreibetrag auf Zinserträge.

          Auch der Euro Immoprofil der Hypo-Vereinsbank-Immobiliengesellschaft Internationales Immobilien-Institut (iii) hat seinen Anlegern mit dem Jahreswechsel eine unangenehme Botschaft zu übermitteln: Erstmals erwirtschaftete der Dauersanierungsfall, der 2005 aus der Verschmelzung der iii-Fonds Nr. 1 und Nr. 2 hervorging, im Laufe eines Kalenderjahres keinen Ertrag. Nimmt man es ganz genau, fiel sogar ein Verlust an - von einem Cent je Anteil.

          Keine Steuerfalle wie beim Deka-Fonds

          Das sind 0,04 Prozent. Damit ist der Nimbus der offenen Immobilienfonds zerstört. Noch nie in der Geschichte dieser Anlageform ist über ein Kalenderjahr ein Verlust aufgetreten. Immerhin fiel er beim Euro Immoprofil, der trotz seines Namens stark in Deutschland engagiert ist und unter den hiesigen Wertberichtigungen leidet, denkbar knapp aus. Ende Oktober war noch ein Wertverlust seit Jahresbeginn von 0,3 Prozent zu verzeichnen.

          Erfreulich dagegen ist die Überraschung beim Deutsche-Bank-Fonds Grundbesitz-Invest, der vor einem Jahr noch seine Anleger auf ihren Anteilen sitzen ließ. Mit einer Strategieänderung und Verkäufen in Milliardenhöhe liefen seit der Wiederöffnung im Frühjahr Sondererträge auf, die den Anlegern schließlich für das Gesamtjahr 2006 einen Wertzuwachs von 5,8 Prozent bescherten. Ein Wertzuwachs von demnächst weiteren 7 Prozent wurde Mitte Dezember angekündigt. Eine Steuerfalle wie beim Deka-Fonds müssen die Anleger in diesem Fall nicht befürchten, weil die Deutsche Bank als Muttergesellschaft keine Zuschüsse zur Stützung des Anteilspreises geleistet hatte. Anleger, die sich vom ungeschickten Vorgehen der Bank auf dem Höhepunkt der Krise nicht irritieren ließen, können sich somit über einen Treuebonus freuen.

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