https://www.faz.net/-gv6-7vadw

Offene Immobilienfonds : Ein bisschen Haus für wenig Geld

Offene Immobilienfonds investieren vor allem in Bürogebäude Bild: AFP

Offene Immobilienfonds stehen vor einer Renaissance. Nach den Schließungen in der Finanzkrise werden jetzt die ersten neuen Fonds aufgelegt. Es winken gute Renditen.

          Die Idee ist bestechend: Nicht einmal 50 Euro kostet es, schon ist man Hausbesitzer und kann am Immobilienboom teilhaben. Ja, man muss nicht sein ganzes Vermögen und noch den Baukredit der Bank aufwenden, um sich das leisten zu können. Offene Immobilienfonds ermöglichen dies. Natürlich nicht das private Eigenheim. Sondern einen kleinen Anteil an einem Paket verschiedener Bürogebäude, Einzelhandelsflächen, Logistikzentren, Hotels und Wohnimmobilien. Risikosenkend auf viele Objekte verteilt. Mit durchschnittlich zwei bis vier Prozent Gewinn im Jahr, und das sogar teilweise steuerfrei. Und anders als bei geschlossenen Fonds können die Anleger jederzeit verkaufen - allerdings mit einer „Kündigungsfrist“ von einem Jahr.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese Idee hat nur dummerweise einen Haken. Sie ist in der Finanzkrise 2008 und 2009 ziemlich in Verruf geraten. Die offenen Immobilienfonds mussten plötzlich schließen, weil zu viele Anleger zu schnell ihr Geld zurückhaben wollten. So schnell konnten die Fonds gar nicht ihre Immobilien verkaufen. Also machten sie erst für mehr als ein Jahr zu und hofften auf Milde der Anleger. Doch als diese weiter ihr Kapital haben wollten, musste ein Großteil der Fonds ganz eingestellt und abgewickelt werden. Aus der sicheren Immobilienanlage wurde ein Verlustgeschäft (siehe Artikel unten rechts).

          Neue Produkte am Markt

          Nun, ein paar Gesetzesänderungen später, haben sich die ersten beiden neuen offenen Immobilienfonds an den Markt getraut. Im vergangenen Jahr startete Kanam Grund mit dem Fonds „Leading Cities Invest“, der vor allem auf Büroimmobilien in europäischen Metropolen setzt. Vor wenigen Tagen folgte dann die Deutsche Bank mit dem „Grundbesitz Fokus Deutschland“, der breit gestreut, aber nur hierzulande anlegt. Was bei Aktienfonds keine Erwähnung wert wäre, ist bei offenen Immobilienfonds ein Ereignis:

          Denn es sind die ersten neuen Fonds seit der großen Existenzkrise. Und es gibt insgesamt nur elf Immobilienfonds, die für Privatanleger zu kaufen sind. Wobei auch noch die Hälfte - alle Fonds der Deka und Union Investment - fast nur den Kunden von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken zugänglich ist. Mehr Auswahl tut also dringend not. Aber Axa, Credit Suisse und SEB, die bis zur Finanzkrise am Markt waren, zögern noch, wieder einzusteigen.

          Die beiden neuen Fonds von Kanam und der Deutschen Bank bieten einige Vorteile gegenüber den übriggebliebenen alten. Sie können die neuen gesetzlichen Regeln voll nutzen. Das heißt, Anleger müssen jetzt ihre Anteile mindestens zwei Jahre halten, bevor sie sie mit einem Jahr Vorankündigung verkaufen können. Damit wird verhindert, dass die Anteilseigner in einer Krise wieder zu schnell zu viel Geld abziehen und die Fonds so in Schieflage bringen.

          Für die neuen Fonds heißt das: Sie brauchen nicht mehr so viel an derzeit nahezu unverzinstem Bargeld vorzuhalten, um Anleger auszahlen zu können, und können es stattdessen in höher rentierende Immobilienkäufe stecken. „Ich erwarte daher, dass die neuen Fonds mehr Rendite erzielen werden als die bisherigen Fonds“, sagt Sonja Knorr von der Ratingagentur Scope. Kanam schließt sogar immer wieder einmal seinen Fonds für neue Kunden, wenn gerade kein Kauf ansteht, nur um nicht zu viel Bares im Fonds halten zu müssen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brasilien-Star für Bundesliga : Das ist der Bayern-Plan mit Coutinho

          Der Transfer-Coup ist gelungen, Philippe Coutinho ist ein Münchner. Doch wie soll der Brasilianer den Bayern nun am besten auf dem Rasen helfen? Die Vorstellungen der Münchner bei diesem Ein-Mann-Projekt sind klar.
          Unser Sprinter-Autor: Timo Steppat

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Ursula-Koalition für Italien?

          In Italiens Regierungskrise entscheidet sich, ob es Neuwahlen gibt, „Fridays for Future“ feiert Geburtstag – und in Brandenburg denkt man über eine Kenia-Koalition nach. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.