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Öl/Energie : „Beyond Petroleum“ stützt gut laufenden Indexfonds

  • Aktualisiert am

„Beyond Petroleum” und seine deutsche Tankstellen-Marke Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

BP steht für British Petroleum, doch bedeutet es nach neuer Lesart des Konzerns etwas anderes: Beyond Petroleum, jenseits des Erdöls, sieht sich der Konzern. Er will verstärkt in Solar- und Windenergie investieren. Die Aktie macht ein Drittel eines Öl-Indexfonds aus.

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          Mehrfarbige Zeitungsanzeigen künden davon: Der britische Mineralölkonzern BP arbeitet mit Hochdruck und Milliardeninvestitionen an einem neuen, sauberen Image. Die British Petroleum, die erst vor knapp vier Jahren den deutschen Tankstellenmarktführer Aral übernommen hat, will in den kommenden zehn Jahren die Investitionen in alternative und erneuerbare Energien auf bis zu acht Milliarden Dollar (6,77 Milliarden Euro) verdoppeln.

          Dafür soll die neugegründete Sparte BP Alternative Energy die Aktivität in den Bereichen Wind- und Solarenergie, Wasserstoff sowie bei Projekten zur Verringerung von Kohlendioxid-Emissionen durch moderne Gaskraftwerke bündeln. Von diesem Geschäftsfeld verspricht sich der Ölkonzern innerhalb der nächsten zehn Jahren rund sechs Milliarden Dollar Umsatz bringen.

          Mithin strebt BP danach, in einer Branche zu wachsen, die gemeinhin als Konkurrenz zur Ölindustrie begriffen wird. Und der große Zukunftschancen zugeschrieben werden, wie zuletzt in einer Studie des Schweizer Bankhauses Sarasin, das ein besonderes Augenmerk auf ethische Investments geworfen hat (Alternative Energie als Anlagechance). Starkes Wachstum wird zum Beispiel Solarunternehmen - und aktien auch und gerade wegen der stark gestiegenen Öl- und Gaspreise und der dadurch verstärkten Suche nach anderen Energielieferanten prognostiziert. Dies läßt sich Kursverlauf vieler „sonniger“ Werte ebenso ablesen wie eine Wechselbeziehung mit dem Verlauf der Ölpreise: Wir das zähflüssige schwarze Gold teurer, geht es auch mit Solaraktien aufwärts.

          34,4 Prozent des DJ Stoxx 600 Oil & Gas

          Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, daß die BP-Aktie in den vergangenen Monaten zwar nicht der beste europäische Ölwert gewesen, aber gut gelaufen ist und dabei die Titel des großen Konkurrenten Royal Dutch/Shell abgehängt hat (siehe Grafik 1). 22,3 Prozent hat die Aktie binnen Jahresfrist an der Heimatbörse in London gutgemacht, zu denen sich eine Dividendenrendite von gut drei Prozent gesellt.

          Da BP der europäischen Branchenriese nach Marktkapitalisierung ist, verwundert es nicht, daß der im Branchenindex Dow Jones Stoxx 600 Oil & Gas ein echtes Pfund darstellt: Satte 34,4 Prozent macht BP in dem Index aus, gefolgt von der französischen Total mit 20,6 Prozent und Royal Dutch/Shell mit 17,46 Prozent; die norwegische Statoil als Top-Performer unter den Ölaktien kommt dagegen nur auf einen Anteil von knapp zwei Prozent.

          Das britische Schwergewicht kann durchaus als Stütze des Dow Jones Stoxx 600 Oil & Gas gelten. Zwar hinkt es dem Index, der binnen Jahresfrist um 27,2 Prozent zugelegt, mit Blick auf diesen Zeitraum etwas hinterher. Der Halbjahresvergleich sieht indes BP die meiste Zeit vorne; ein Befund, der gerade für die jüngsten Wochen gilt (siehe Grafik 2).

          Fünfjahreshoch wieder im Blick

          Nach einer recht scharfen Korrektur im Zuge fallender Ölpreise, die die BP-Notiz von in der Spitze 686,3 Pence auf bis zu 599 Pence sinken ließ, befindet diese sich wieder im Aufwind - parallel zu wieder steigenden Ölpreisen. Zum Wochenschluß ist sie in London um gut 0,6 Prozent auf 653,50 Pence vorgerückt. Vor dem Periodenhoch bei gut 686 Pence baut sich noch die Hürde bei 665 Pence auf - eine Marke, an der die Aktie im August und November scheiterte. Ein Sprung darüber wäre ein ermutigendes Zeichen.

          Trotz der schönen Kursgewinne ist BP mit von Analysten geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 10,8 für dieses Jahr und 10,2 für 2006 auch im Branchenvergleich moderat bewertet. Zum Vergleich: Royal Dutch/Shell ist mit 9,7 und 9,5 bewertet, Total mit 10,5 und 10,0 sowie Statoil mit 9,6 und 8,8. Und mit der erwarteten Dividendenrendite von gut drei Prozent liegt der Titel im Mittelfeld.

          Unter Analysten gilt BP als kaufenswert. Entsprechend haben sich in den jüngsten beiden Monaten unter anderem Prudential Financial, Independent Research, J.P. Morgan und Helaba Trust geäußert - wobei es in den vergangenen vier Wochen sechs Hochstufungen und nur eine Herabstufung gegeben hat. Die Analysten halten BP die Prognose weiter robuster Ölpreise durch starke Nachfrage aus Amerika, China und dem weiteren asiatischen Raum zugute.

          Dies gilt natürlich im Grundsatz für die Riege der Ölaktien. Anleger, die kein Einzelrisiko gehen wollen, gleichwohl auch und gerade auf BP wetten wollen und mit Blick auf Öl die Sicht der Analysten teilen, können zu dem auf den Dow Jones Stoxx 600 Oil & Gas laufenden Indexfonds (Isin: DE 00 06 34 47 65) greifen. Dieses Produkt hat wie alle Exchange Traded Funds den Vorteil, ohne Ausgabeaufschlag erhältlich zu sein, zu üblichen Börsenzeiten ge- und verkauft werden zu können, fortlaufend gepreist zu werden und eine günstigere Verwaltungsgebühr zu bieten als herkömmliche Aktienfonds.

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