https://www.faz.net/-gv6-ryuj

Ökofonds : Geld anlegen für saubere Flüsse

  • Aktualisiert am

Grün statt Beton - so soll die Donau fließen Bild: picture-alliance/ dpa

Der „ESPA WWF Stock Umwelt“ ist kein Ökofonds wie jeder andere. Ein Teil der Verwaltungsgebühr fließt in ein Projekt des WWF. Der Anleger muß sich entscheiden, ob die Kopplung von Geldanlage und Umweltengagement für ihn Sinn ergibt.

          „In die Natur ertragreich investieren“ - so wirbt die österreichische Erste Sparinvest für den neuen Umweltfonds „ESPA WWF Stock Umwelt“ (Isin AT0000705660). Das klingt nach einem weiteren Nachhaltigkeitsfonds. So ist es, und doch unterscheidet sich das Produkt von „herkömmlichen“ Öko-Fonds.

          Anders als viele andere Nachhaltigkeitsfonds investiert das auch in Deutschland zum Vertrieb zugelassene ESPA-Produkt nicht lediglich in die umweltfreundlichsten Unternehmen ihrer Branche. Fondsmanager Hans Leitner darf etwa kein Geld in Ölkonzerne stecken, nur weil diese auch mit erneuerbaren Energien experimentieren.

          0,3 Prozent für Österreichs Flüsse

          Der wichtigste Unterschied zur Vielzahl der rund 300 anderen Öko- oder Ethik-Fonds ist aber, daß direkt Geld in Umweltprojekte fließt. Und zwar ganz konkret - jetzt kommt die Umweltschutzorganisation WWF ins Spiel - in ein Wasserschutzprogramm für Österreich. 0,3 Prozent des Fondsvolumens darf der WWF jährlich für sein Projekt verwenden. Beim aktuellen Fondsvolumen von rund 37 Millionen Euro sind das immerhin 110.000 Euro im Jahr. Zum Start spendierte die Erste Sparinvest außerdem 40.000 Euro, wie die Pressestelle auf FAZ.NET-Anfrage mitteilte.

          ESPA Stock Umwelt - fünf Jahre

          „Das Ziel der WWF-Initiative ist es, die beengten österreichischen Flüsse auf weiten Strecken von ihren Betonkorsetts zu befreien“, heißt es in einer Fondswerbung. „Um die verheerende Wirkung von Hochwässern künftig zu bremsen, sollen natürliche Auslaufflächen geschaffen und Siedlungsräume mit modernen Dämmen geschützt werden. Diese umfassende Lösung bringt mehr Sicherheit vor Hochwasser und schafft gleichzeitig neue Erholungsräume für Menschen, wo Flüsse nicht nur sauber, sondern auch lebendig sind.“

          Der „ESPA WWF Stock Umwelt“ ist nicht der einzige in Deutschland handelbare Fonds, den der WWF begleitet. Der „Panda Renditefonds“ (Isin DE0009769844) der DWS investiert in festverzinsliche Papiere; ausgewählte Aktien können in begrenztem Umfang beigemischt werden. Ein Teil des Ausgabeaufschlages geht an den WWF. Auch der Aktienfonds „Living Planet Fund“ (Isin LU0169371266) von UBS und Sarasin legt nach Kriterien des WWF an. Weitere „Living Planet“-Prodkute, etwa ein Rentenfonds, sind in Planung.

          Kernenergie und Kinderarbeit sind tabu

          Der „ESPA WWF Stock Umwelt“ investiert nur in Unternehmen, die ausschließlich oder überwiegend in der Umwelttechnologie tätig sind. Branchen wie Kernenergie, Gentechnologie und Rüstung sind tabu, genauso Unternehmen, die Kinderarbeit dulden. Ein Umweltbeirat berät das Fondsmanagement und kontrolliert die Investitionsentscheidungen.

          Die wichtigsten Branchen sind Energie (vor allem Wind, Solar und Wasserkraft) mit 25 Prozent und Abfallentsorgung mit 20 Prozent. Aber auch Wasseraufbereitung (fünf Prozent), Umwelt-Consulting (drei Prozent) oder Fahrradproduktion (drei Prozent) spielen eine Rolle.

          Neben Aktien großer, international bedeutender Gesellschaften hat das Fondsmanagement Unternehmen mit kleiner oder mittlerer Börsenkapitalisierung ausgesucht, die es als aussichtsreich einstuft. Etwa die Hälfte des Portfolios kann den Vereinigten Staaten zugeschrieben werden, rund 40 Prozent entfallen auf europäische Titel und circa zehn Prozent auf asiatische Aktien.

          WWF-Kooperation soll Kunden bringen

          Wer ethisch korrekt in Umwelttechnik investieren und zudem ein Wasserprojekt unterstützen will, sollte mit diesem Fonds also gut bedient sein. Doch es gibt ein paar Dinge, die Anleger bedenken sollten: Der Fonds ist nicht neu, er bekommt nur einen neuen Namen: Aus dem „ESPA Stock Umwelt“ wird der „ESPA WWF Stock Umwelt“.

          Die Erste Sparinvest will mit der WWF-Kooperation unter anderem den Vertrieb ankurbeln. Im Fonds liegen jetzt 37 Millionen Euro, der wesentlich jüngere Bric-Fonds aus gleichem Haus, der in die Modeschwellenländer Brasilien, Rußland, Indien und China investiert, kommt trotz der starken Korrektur im Mai und Juni auf 81 Millionen Euro.

          Die Fondsgesellschaft strebt für den Umweltfonds ein Volumen von 100 Millionen Euro an. Dafür verzichtet sie sogar auf 0,3 Prozentpunkte der Verwaltungsgebühr von maximal 1,8 Prozent im Jahr. Denn die WWF-Kooperation macht den Fonds nicht teurer: Die Fondsgesellschaft verzichtet tatsächlich auf einen Teil der jährlichen Gebühren.

          Umweltengagement und Geldanlage in einem Topf?

          In der Vergangenheit hat der Fonds nicht schlecht abgeschnitten: In den vergangenen zwölf Monaten legte der Fonds 13,5 Prozent zu, auf Sicht von drei Jahren sind es 50,8 Prozent. Allerdings darf der Anleger die Volatilität nicht vergessen: Im Mai kostete ein Fondsanteil zeitweise 112 Euro, Ende Juli waren zum Teil weniger als 90 Euro zu zahlen - das ist ein Minus von 20 Prozent in wenigen Wochen. Am Freitag war ein Anteil 94,14 Euro wert.

          Trotzdem sollten sich Anleger fragen, ob es sinnvoll ist, Umweltengagement und Geldanlage in einen Topf zu werfen. Warum nicht eine möglichst hohe Rendite anstreben, um davon eine bestimmte Quote für Umweltprojekte zu spenden?

          Auf jeden Fall zeigt das Beispiel, daß die Fondsgesellschaften ohne Probleme auf einen Teil der jährlichen Verwaltungsvergütung verzichten können. Offensichtlich reichen 1,5 statt 1,8 Prozent im Jahr, um das Fondsmanagement zu finanzieren. Denn man darf vermuten, daß die Erste Sparinvest für den „ESPA WWF Stock Umwelt“ nicht drauflegt, nur um das WWF-Projekt zu finanzieren. Bei Anlegern, die konsequent nicht nur auf gute, sondern auch auf günstige Fonds setzen, bleibt am Ende noch mehr Geld übrig, das sie für die Umwelt spenden können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
          Die Runde bei Maischberger

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Merkel for Future?

          Ist Friedrich Merz der lachende Dritte in der Frage um die Kanzlerkandidatur? In der Runde um Sandra Maischberger konnte er seine Ansichten zum Umgang mit der AfD jedenfalls schon einmal kundtun. Daneben wurden unter anderem der Klimawandel und der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke diskutiert.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.