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Nur kein Aktionismus! : Fonds hält 80 Jahre gleiche Aktien - und läuft prächtig

Was haben der Fonds Voya Corporate Leaders Trust und eine Schildkröte gemeinsam? Es gibt sie schon lange, sie neigen nicht zu überstürzten Aktionen und kommen doch gut ans Ziel. Bild: ZB

Was die Manager des Fonds Voya Corporate Leaders Trust wohl den ganzen Tag machen? Zumindest keine neuen Aktien kaufen. Denn der Fonds hat seit 1935 die gleichen Titel im Portfolio - und entwickelt sich erstaunlich gut.

          3 Min.

          Wer Anlagestrategien mit ganz langem Atem favorisiert, der könnte sich für den folgenden Fonds interessieren. Denn er hat seit 80 Jahren nicht eine neue Aktie aufgenommen. Die Fondsgesellschaft Corporate Leaders of America kaufte 1935 genau 30 gleich große Aktienpakete von amerikanischen Großunternehmen. Die Gründer verfügten, dass weder neue Aktien ins Portfolio aufgenommen werden dürfen noch einer der ursprünglichen Werte jemals verkauft werden darf - vorausgesetzt das Unternehmen schüttet Dividenden aus und bleibt an der Börse. Dabei ist es geblieben. Neues Geld, das in den Fonds fließt, wird gleichmäßig auf alle vorhandenen Positionen verteilt. Mittlerweile wird der Fonds von der Gesellschaft Voya Financial unter dem Namen Voya Corporate Leaders Trust Fund vertrieben.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Manche der seinerzeit 30 Beteiligungen sind heute noch die gleichen: Das Chemieunternehmen Du Pont, der Mischkonzern General Electric, der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble oder die Eisenbahngesellschaft Union Pacific zählen dazu. Andere Positionen veränderten sich mit den Konzernen. So wurde nach einer Fusion aus der Atchison, Topeka und Santa Fe Railway 1996 die Burlington Northern and Santa Fe Railway. 2009 kaufte Berkshire Hathaway, die Holding des Starinvestors Warren Buffett, das Unternehmen. Berkshire Hathaway ist daher nun die zweitgrößte Beteiligung des Fonds. Der Fernsehsender CBS kam 1995 auf dem Weg der Übernahme durch den Elektrokonzern Westinghouse hinzu.

          Andere Aktien fielen aus dem Depot - so etwa die New York Central Railroad und die Pennsylvania Railroad, die 1968 zu Penn Central fusionierten. Penn Central ging allerdings zwei Jahre später in Konkurs, ebenso wie 2001 Pacific Gas and Electric. Häufig war der Abgang einer Position aber auch Ergebnis einer Übernahme wie etwa des Dosenherstellers American Can durch den französischen Aluminiumkonzern Pechiney 1987.

          Momentan hält der Fonds noch 21 Aktienpositionen. Seine Strategie ist simpel und das Ergebnis überzeugend: Der Fonds setzt durch seine etwas aus der Zeit gefallene Aktienauswahl vor allem auf amerikanische Industrie- und Energietitel und nie auf Bank- oder High-Tech-Aktien. Das zahlt sich anscheinend langfristig aus: Seit Februar 2001 entwickelt sich der Fonds besser als der amerikanische Standardwerteindex S&P-500 - und zwar auch dann, wenn man die Performance-Variante zugrunde legt, also unterstellt, dass Ausschüttungen wieder in den Index investiert werden. Während der Fonds auf ein Plus von 239 Prozent kommt, muss sich der Index mit 125 Prozent bescheiden. Seit 1970 hat der Fonds im Durchschnitt jährlich 11 Prozent gewonnen.

          1988 erlebe der Fonds sein Comeback

          Dabei konnte der Voya Corporate Leaders laut dem Fondsinformationsdienst Morningstar 98 Prozent der Konkurrenten in seiner Fondskategorie der großkapitalisierten Substanzaktien schlagen - und das sowohl auf Sicht von fünf als auch von zehn Jahren. Er belegt mit einem Plus von 17 Prozent im Jahr in der Fünf-Jahres-Perspektive und 9 Prozent im Jahr in der Zehn-Jahres-Perspektive in der Rangliste vordere Plätze. Auf Sicht von drei Jahren ist der Fonds zwar nur Mittelmaß. Dafür schwankt seine Wertentwicklung vergleichsweise wenig.

          Auch auf die ganz lange Sicht kann der Fonds im Vergleich überzeugen: Unter den 17 Fonds, die vor 1935 aufgelegt wurden, war er in den vergangenen 44 Jahren derjenige mit der besten Wertentwicklung und hat seinen Vorsprung seit 2011 sogar noch ausgebaut. Die Werthaltigkeit des Fonds liege vor allem im langen Bestehen der Unternehmen im Portfolio begründet, meint Craig Watkins, Analyst bei Conover Capital Management in Washington. Die Strategie des Voya Fonds könne sogar besser sein als die eines Indexfonds, da er im Gegensatz zum ETF nicht immer die Gewichtung ändern müsse, wenn sich die Zusammensetzung des Index verändere.

          Lange Zeit hatte der Fonds allerdings ein Schattendasein gefristet. Eine veraltete Trust-Struktur und damit verbundene hohe Gebühren hatten ihn für Anleger unattraktiv gemacht. Erst 1988 erlebte er ein Comeback, nachdem er von der Fondsgesellschaft Lexington Management neu aufgestellt wurde. Die veränderte Struktur verhalf dem Fonds zu regen Zuflüssen: 1988 betrug das investierte Volumen gerade einmal 60 Millionen Dollar. Mittlerweile ist das Fondsvermögen auf 1,7 Milliarden Dollar angewachsen. In Deutschland wird der Fonds allerdings nicht vertrieben.

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