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Null Risiko & Top-Rendite : Träum weiter, Anleger!

Und alles ohne Risiko! Bild: dpa

Die risikofreie Anlage mit Spitzenrendite ist nur ein Wunschtraum. Doch in den Ansprüchen der Anleger an die Vermögensverwalter schwingt dieser stets mit.

          2 Min.

          Geldanlage ist ein sehr kompliziertes Thema. Also wie damit umgehen? Entweder stellt man sich der Problematik, dann ist Geldanlage harte Arbeit und mitnichten ein Vergnügen. Wie es so schön heißt: Ohne Geld hat man Probleme, mit ihm erst recht.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alternativ lässt sich die Komplexität reduzieren, am einfachsten dadurch, dass man sie ignoriert. Allerdings geht das in den seltensten Fällen gut.

          Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau

          Wie sehr Anleger in diesem Dilemma gefangen sind, zeigt eine Umfrage des Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investments unter dem Titel „Das fordern die Deutschen von ihrer Geldanlage“.

          Die Ergebnisse muten ein wenig wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau an. Denn einerseits geben etwa zwei Drittel der Befragten an, dass ihnen eine breite Verteilung ihres Kapitals über verschiedene Anlageklassen und Regionen zwecks Risikominimierung wichtig oder sehr wichtig sei.

          Andererseits wünschen sich 70 Prozent, dass objektive und
          nachvollziehbare Kriterien bei der Auswahl herangezogen werden. Dabei kommt es vor allem auf die Nachvollziehbarkeit an. Nachvollziehbar ist etwas, das ich verstehe. Eine breite Streuung bedingt aber einen komplexeren Anlageprozess ist, der dann zwangsläufig weniger gut nachvollziehbar ist.

          Zu viel Wünsche an den Verwalter

          Der Anlageprozess wird noch komplizierter, wenn wie in der Umfrage  vier von fünf Befragten es als wichtig bis sehr wichtig erachten, dass Ihre persönliche Risikoneigung und Ihre finanzielle Situation systematisch berücksichtigt wird. Darüber hinaus wollen gut zwei Drittel auch noch eine unabhängige Auswahl aus Geldanlagen vieler verschiedener Anbieter.

          Wenn dann noch ein Drittel hundertprozentige Sicherheit und ein weiteres Drittel einen realen Gewinn trotz kurzfristiger Schwankungen wünscht, ist die Quadratur des Kreises erreicht. Unter diesen Umständen kann ein Vermögensverwalter, der das Geld vieler kleiner Kunden anlegen soll, nur verlieren. Denn die unterschiedlichen Interessen sind kaum miteinander zu vereinbaren.

          Einerseits möchten Anleger gerne Expertenhilfe, andererseits die Kontrolle behalten. Das kann vor allem zum Konflikt führen, wenn die Einschätzung der Risikoneigung und die Meinungen über eine daraus abzuleitende Anlagestrategie auseinandergehen. Ein Teil will einen realen Gewinn, ein andere hundertprozentige Sicherheit. Diversifiziert soll das Vermögen angelegt werden, aber der Prozess soll einfach nachvollziehbar sein.

          Notwendige Entscheidungen

          Diese Anliegen sind verständlich, schließlich geht es um das persönliche Vermögen. Doch je personalisierter die Geldanlage wird, desto teurer wird sie auch - für den Verwalter und den Kunden. Je kleiner das Vermögen ist, um so weniger leicht sind dann noch Gewinnziele bei begrenztem Risiko zu erreichen.

          Kurz und gut, Anleger müssen sich entscheiden: Vertraue ich meinem Vermögensverwalter? Dann rede ich ihm auch nicht hinein. Übernehme ich selbst die Verantwortung, dann aber auch für meine Fehler. Soll mein Geld einfach oder risiko-optimal angelegt werden? Im ersten Fall muss ich wohl damit leben, dass das Geld weniger abwirft.

          Was kann ich überhaupt von meinem Vermögensverwalter verlangen? 20.000 Euro mögen für mich sehr viel Geld sein. In der Geldanlage kommt man damit nicht sonderlich weit. Überlasse ich dann mein Geld einem Vermögensverwalter, muss ich damit leben, nur ein Geldbetrag in einer bestimmten Risikoklasse zu sein.

          Mehr Realismus, bitte!

          Das Dumme ist, dass die Komplexität der Geldanlage damit nicht aufhört. Geldanlage ist ein Feld, auf dem die Irrtümer zahllos sind. Hinterher sind ja alle klüger, aber wer hatte 2007 schon ernsthaft mit einer Staatspleite in Griechenland gerechnet? Wer mit der Insolvenz von Arcandor und Escada? Sobald jeder davon redet, ist es keine Kunst mehr, es zu ahnen. Der Vermögensverwalter sollte es natürlich besser wissen. Aber nicht jeder hat immer recht.

          Und nicht zuletzt gibt es immer wieder Zeitgenossen, die den kurzen Weg zum Reichtum anstreben - indem sie sich den der anderen aneignen. Insofern bleibt die einfach nachvollziehbare, dem persönlichen Risiko angepassten, real ertragbringende und hundertprozentig sichere Geldanlage durch den Vermögensverwalter, den man nach Belieben kontrollieren kann, nur ein Traum. Die Realität ist anders.

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