https://www.faz.net/-gv6-qbnu

Nebenwerte/Derivate : Der Gex - ein kleiner Star im Schatten des Dax

  • Aktualisiert am

Nach dem SDax hat sich das zweitjüngste Mitglied der Dax-Familie, der German Entrepreneurial Index (Gex) seit Jahresbeginn am besten entwickelt. Er strahlt auf Rekordniveau. Von seinem Lauf können Anleger mit Zertifikaten profitieren.

          3 Min.

          Allen Unkenrufen von Aktienstrategen zum Trotz: Nebenwerte laufen deutlich besser als die Schwergewichte. Das läßt sich am Kursverlauf der entsprechenden Indizes ablesen. Während sich der Dax um 6,2 Prozent und der TecDax um 2,8 Prozent verbessert hat, ist der MDax um 11,4 Prozent hochgelaufen. Den Vogel schießt indes der SDax mit einem Plus von gut 16,1 Prozent ab. Hinter dem Kleinwertesegment liegt auf dem zweiten Platz der German Entrepreneurial Index (Total Return) mit einem Kursgewinn von 15,4 Prozent. Zu Wochenbeginn hat er sein bisheriges Rekordhoch von 1.219 Punkten überflügelt und verteidigt am Dienstag mit 1.223,65 Zählern die neue Bestmarke.

          Dieser kurz Gex genannte Teilmarkt wird seit Anfang Januar offiziell geführt. Er beinhaltet derzeit 116 Werte. In diesen Index aufgenommen werden Aktiengesellschaften, deren Eigentümer das Unternehmen selbst führen, sofern die Titel nicht länger als zehn Jahre gelistet sind. Die Eigentümer müssen zwischen 25 und 75 Prozent der Aktien besitzen. Zudem müssen die Aktien dem Prime Standard angehören, also die verschärften Berichtsregeln erfüllen.

          In der Liste finden sich Schwergewichte wie Henkel und Fresenius Medical Care, aber auch MDax-Titel wie AWD und Fielmann, TecDax-Werte wie Bechtle, Solarworld und United Internet, aber vor allem Nebenwerte, die in keinem großen Index gelistet sind: A.S. Creation, Jack White, Jetter oder Rücker. Und viele dieser kleinen Titel laufen gut, wenn auch - natürlich - nicht alle.

          Schon in den Tagen nach der Erstnotiz des Gex haben einige Anbieter mit Anlageprodukten zum Index aufgewartet. Die Hypo-Vereinsbank und die Société Générale haben jeweils ein Index-Zertifikat auf die Total Return-Version aufgelegt, HSBC Trinkaus & Burkhardt bietet ein Zertifikat auf den Preis-Index an, bei dem im Gegensatz zu den anderen beiden Produkten die Dividenden nicht eingerechnet werden.

          Gex-Papiere trotz des guten Laufs „nicht der Renner“, aber...

          Aus Anlegersicht hat der Gex einige Vorteile auf seiner Seite. So haben sich von Eigentümern gesteuerte Unternehmen in Krisenzeiten besser gehalten als von angestellten Managern geleitete Konzerne. Dies hat eine im Herbst vorgestellte Studie der Unternehmensberatung Intes ergeben (Familienunternehmen hängen die Konkurrenz ab). Zudem hat sich der Gex seit Mitte 2002 im stärkerem Maße verteuert als der Dax, wie die Deutsche Börse berechnet hat. Und diese Tendenz hat sich in diesem Jahr eindrucksvoll bestätigt, ja: verstärkt.

          Gleichwohl sind Gex-Zertifikate „nicht der Renner“, wie Heiko Weyand von HSBC Trinkaus und Burkhardt freimütig zugibt. Denn vor allem institutionelle Anleger wie Banken, Fonds und Versicherungen bevorzugen große Märkte wie den Dax oder den TecDax, weil diese ungleich liquider sind als der MDax oder andere Nebenwerte-Indizes. Das zeigt sich regelmäßig an den Umsätzen von börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds). Da sind Dax-Fonds in weit höherem Maße gefragt als Nebenwerte-Produkte: „Der Dax verträgt viel mehr Geld als der MDax, ohne daß ein paar größere Transaktionen auf die Kurse durchschlägt“, so Fondsanbieter Indexchange (Beim Index-Kauf fließt das meiste Geld bisher in enttäuschende Märkte ).

          Dazu paßt, daß am Dienstag bis zur Mittagszeit im Dax rund 1,35 Milliarden Euro bewegt worden sind, im Gex dagegen nur knapp 20 Millionen. Privatanleger verfügen aber in aller Regel nicht um die Mittel, die Märkte deutlich beeinflussen können. Sie müssen also Überlegungen von Institutionellen nicht teilen - und können auf die Wertentwicklung schauen. Nun ist eine gute Performance in der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft.

          ...die Aussichten für Nebenwerte gelten weiter als gut

          Aber Fondsmanager wie Heiko Bienek von Lupus Alpha, Stefan Feulner von Dac/Hauck & Aufhäuser und Gianluca Giardina von Baring Asset Management sehen weiter gute Chancen für Nebenwerte. Denn: Mittlere und kleinere Unternehmen werden dieses Jahr ihre Gewinne nach Analystenschätzungen im Durchschnitt um gut 20 Prozent steigern, große Konzerne lediglich um etwas mehr als zehn Prozent. Da Gewinnsteigerungen die wesentliche Grundlage für kletternde Aktienkurse seien und kleinere Werte weniger von der Großwetterlage an den Börsen abhingen als Dax-Werte, sollten sie sich im Schnitt auch besser entwickeln, folgert etwa Giardina.

          Die Aussichten scheinen mithin weiter günstig zu sein. Zumal der Gex sein Rekordhoch verteidigt und ausbaut und somit technische Kaufsignale sendet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „March for Life“ : Gegen Abtreibungen, für Trump

          Donald Trump spricht als erster amerikanischer Präsident beim „Marsch für das Leben“, der jährlichen Demonstration der Gegner des geltenden Abtreibungsrechts. Die Aktivisten, von denen viele sonst Kliniken belagern, bereiten ihm einen warmen Empfang.
          Amazon in  Staten Island

          Onlinehandel : Wer hat Angst vor Amazon?

          Der Internethändler gewinnt Marktanteile – während die deutschen Einzelhändler ums Überleben kämpfen. Aufgeben wollen sie aber nicht, im Gegenteil.
          Hochzeitswagen auf den Straßen Istanbuls

          Brief aus Istanbul : Beim Kindermachen denken Sie woran?

          „Denken Sie während des Aktes an Ihren geistigen Führer, um ein sittsames Kind zu bekommen“: Wie sich die Regierenden in der Türkei ins Privatleben ihrer Bevölkerung einmischen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.