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Naher Osten : Ölquellen fürs Depot

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Arabische Börsengeschäfte, wie man sie sich vorstellt: Börse Kuwait Bild: AFP

Unter den Finanzplätzen der Welt ragen die arabischen Börsen noch mit ansehnlichen Kursgewinnen heraus. Fondsanleger haben zwar nur eine geringe Auswahl, aber immerhin gibt es einige Aktienfonds, die in der Region anlegen.

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          Ja, es gibt sie noch, die Börsen, die ganz ansehnliche Kursgewinne aufweisen können. Um 7,8 Prozent ist der Leitindex für den ägyptischen Aktienmarkt, Case 30, in diesem Jahr schon wieder gestiegen. Dabei sah es zu Beginn des Jahres schon eine Zeitlang danach aus, als sei die Hausse am Nil beendet. Doch nun hat der Index der Cairo & Alexandria Stock Exchanges neuen Schwung bekommen.

          Auch wenn das Land außenpolitisch derzeit nicht im Fokus der Weltöffentlichkeit steht, hat der ägyptische Aktienmarkt durchaus Gewicht. So sind die Handelsplätze in Kairo und Alexandria die nach der Marktkapitalisierung zweitwichtigste Börse des Nahen Ostens. Dieser Erfolg ist hausgemacht. Denn die Politiker des Landes sind besonders aktiv, wenn es darum ausländische Investoren zu umwerben, die Handelsgepflogenheiten an den beiden Börsen des Landes internationalen Standards anzupassen und mit neuen Produkten im Wettbewerb mit den anderen Finanzplätzen der Region zu punkten.

          Ägypten modernisiert die Börsen Kairo und Alexandria

          So schreibt die „Financial Times“ den Erfolg der ägyptischen Börse zum Großteil ihrem Vorstandsvorsitzenden Maged Shawky zu, der zuvor lange als Wirtschafts- und Außenhandelsminister im Amt war. Er war es auch, der den Aktienmarkt für börsennotierte Investmentfonds (ETFs) öffnete. Schon 150 Milliarden Euro seien auf diese Weise über institutionelle Investoren wie Barclays Bank, Deutsche Bank, ABN Amro oder JP Morgan auf den Finanzmarkt des Landes geflossen.

          Aktiengeschäfte auf arabisch: Händlerin an der Börse in Kairo
          Aktiengeschäfte auf arabisch: Händlerin an der Börse in Kairo : Bild: AFP

          Die Einführung von ETFs ebnet in der Tat gerade auch institutionellen Investoren den Weg an den ägyptischen Finanzmarkt, die generell vor Einzelengagements in Aktien des Landes zurückschrecken, aber auch vor den Kosten und Mühen. Diese Modernisierungspolitik der Börsen in dem Land dürfte auch privaten Fondsanlegern zugute kommen.

          Kuwait und Oman sind noch dynamischer

          Dabei ist Ägypten derzeit gar nicht der dynamischste Aktienmarkt zwischen Mittelmeer und Persischem Golf. In Kuwait sind die Aktienkurse in diesem Jahr schon, gemessen am Sectmind-Index, um 9,9 Prozent gestiegen und mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis ist er immer noch nicht höher bewertet als die Standardwerte des Dax.

          In Oman ist der Leitindex, Muscat Securities Market (MSM) 30, im laufenden Jahr schon um 15,6 Prozent in die Höhe gegangen. Allerdings sind die Aktien dort schon höher als in Kuwait bewertet. Abgeschlagen dagegen ist zur Zeit der saudische Aktienmarkt, der seit Jahresanfang um 16,2 Prozent gefallen ist - auch in der Boomregion Arabien gibt es eben keine Garantie auf hohe Kursgewinne.

          Insgesamt jedoch profitiert praktisch der gesamte arabische Raum vom hohen Ölpreis, der jede Menge Devisen in die Region fließen lässt. Unter Hochdruck arbeiten Länder wie Dubai oder Abu Dhabi an der Modernisierung ihrer Länder, aber auch am Aufbau ihrer Finanzmärkte.

          Die Auswahl an Arabien-Fonds ist klein

          Der FT Emerging Arabia (Isin LU0317905148) von Frankfurt Trust, der Fondsgesellschaft der BHF-Bank, streut seine Anlagegelder seit Auflegung im September vergangenen Jahres recht breit in der Region. Rund ein Viertel fließt in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Saudi-Arabien etwa 18 Prozent, nach Qatar und Kuwait jeweils rund 16 Prozent und nach Ägypten 11 Prozent. Dabei ist der Anlageschwerpunkt von Fondsmanager Omar Abu Rashed noch nicht einmal die Ölbranche. Genauso legt er in Immobilien- und Touristikunternehmen, Telekommunikationsgesellschaften und Banken an.

          Im vergangenen Jahr ging auch der Meridio Arab World (Isin LU0269579586) an den Start, den der Kuwaiter Vermögensverwalter Rashad Khourshid managt. Allerdings hat der Fonds nach einem fulminanten Start im vergangenen Jahr zuletzt Verluste in seiner Wertentwicklung hinnehmen müssen.

          Damit liegt der Meridio-Fonds im Trend der beiden anderen, die in der Region aktiv sind, dem Schroder ISF Mid East USD A ACC (Isin LU0314587907) und JPM Middle East EQ A (D)-USD (Isin LU0083573666). Diese beiden Fonds legen allerdings auch in türkische und israelische Aktien an, was zumindest politisch zu Verstimmungen bei bestimmten Anlegergruppen führen könnte.

          Privatanleger müssen hohe Risiken einkalkulieren

          Insgesamt hat die Dynamik in der Golfregion etwas nachgelassen, was dazu geführt hat, dass die Fonds, die in der Region engagiert sind, zwar auf ein Jahr gesehen noch einen Kursgewinn von 4,8 Prozent aufweisen. Anleger, die aber erst vor drei Monaten eingestiegen sind, mussten einen Verlust von mehr als 10 Prozent hinnehmen.

          Dies zeigt: Eine Geldanlage auf die Region als Ganzes birgt noch einmal andere Risiken als ein Investment an einzelnen Finanzplätzen wie Ägypten. Trotz des hohen Wirtschaftswachstums in den arabischen Ländern bleiben die Risiken für private Anleger hoch. Die Rechnung, die steigenden Benzinpreise durch Kursgewinne an den arabischen Börsen auszugleichen, wird unter Umständen nicht aufgehen.

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