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Nachhaltigkeitsfonds : „Ethische“ Fonds sind immer auch ein Kompromiß

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Schön grün soll auch die Geldanlage sein Bild: picture-alliance/ dpa

Mehr und mehr Anleger legen bei der Geldanlage Wert auf ethische und ökologische Kriterien. Sie müssen bedenken, daß sie wegen des kleineren Anlagespektrums eventuell Abstriche bei der Rendite hinnehmen müssen.

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          Nur Geld zu verdienen ist für eine wachsende Zahl von Anlegern längst nicht alles. Sie wollen mit ihren Investments auch einen Beitrag leisten zur Einhaltung der Menschenrechte oder zum Schutz der Umwelt.

          Kein Wunder also, daß Experten das Segment für nachhaltig und ethisch orientierte Fonds als Wachstumsmarkt ansehen. Hinter dem Schlagwort Nachhaltigkeit stecken freilich ganz unterschiedliche Ansätze.

          „Ethisch-ökologische Kriterien spielen in einer wachsenden Zahl von Branchen eine wichtige Rolle“, sagt Gabriele Glahn-Nüßel, Sprecherin der Nürnberger Umweltbank. Angestoßen worden war die Diskussion über alternative Geldanlagen in Deutschland Mitte der 1980er Jahre von Gegnern der Rassentrennung in Südafrika. Mit dem Slogan „Kein Geld für die Apartheid“ riefen sie zum Boykott von Banken auf.

          Ökovision

          Einer der Pioniere verwaltet inzwischen 362 Millionen

          Als die ersten „ethischen“ Geldanlageprodukte aufgelegt wurden, standen Themen wie Atomkraft und Rüstung im Fokus, in die die Investoren keinen Pfennig stecken wollten.

          Inzwischen hat sich das Spektrum erweitert, wie einer der Pioniere auf dem Markt, der internationale Aktienfonds Ökovision zeigt, der 1996 an den Markt ging. Seine Ausschlußkriterien: „Atomindustrie, Chlor-Chemie, Gentechnik, Raubbau, Tierversuche, Militär, Diskriminierung und Kinderarbeit“. Ökovision hat inzwischen ein Volumen von 362 Millionen Euro.

          „Wertorientiertes Investment legt zu“

          Die Nachfrage ethischen Fonds steigt. „Das ist ein dynamischer Markt“, sagt Antje Schneeweiß vom Institut Südwind aus Siegburg und Autorin des „Kursbuches ethische Geldanlage“.

          Andreas Knörzer von der Schweizer Bank Sarasin, die sich als Vorreiter auf dem Ethik-Markt sieht, bestätigt das: „Wertorientiertes Investment legt zu.“ Getrieben wird das Wachstum von Privatanlegern, aber auch von Stiftungen, Pensionskassen und den Kirchen, wie die Umweltbank weiß.

          Abgrenzungsprobleme

          Das Marktvolumen ist allerdings schwierig zu bestimmen. Die Abgrenzung ist das Problem. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zählt für Deutschland 80 nachhaltig investierende Publikumsfonds, in denen 3,8 Milliarden Euro Kapital stecken. Südwind und die Umweltbank errechnen dagegen ein Anlagevolumen von 13 Milliarden Euro für 116 ethische und nachhaltige Investmentprodukte. Den ganzen deutschen Fondsmarkt beziffert der BVI auf 1,2 Billionen Euro.

          So dehnbar der Begriff Nachhaltigkeit ist auch das Spektrum der Auswahlkriterien von Fondsmanagern. So könnte ökologisch orientierten Anlegern beim „DWS Zukunftsressourcen“ - mit einem Volumen von gut einer halben Milliarde Euro einer der größten Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland - aufstoßen, daß er in das kanadische Gen-Saatgut-Produzenten Monsanto investiert.

          „Best in Class“-Ansatz

          Der „Sustainable Vision Equity Fund“ von Metzler schließt nur Unternehmen aus, die mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes etwa mit Nuklearanlagen, pornografischen Produkten oder Tabak erzielen.

          Sind bei diesen Fonds wenigstens bestimmte Branchen ganz ausgeschlossen, verfolgen andere einen „Best in Class“-Ansatz. Investiert wird dabei in das jeweils ökologischste Unternehmen eines Industriezweigs - auch wenn die Branche insgesamt zu den Umweltsündern gehöre, kritisiert Umweltbank-Sprecherin Glahn-Nüßel.

          „Ethische Überlegungen schränken Anlagepolitik ein“

          Auch bei ethischen Anlagen müssen die Fondsgesellschaften - neben den Wertvorstellungen der Kunden - die ganz traditionellen Kriterien Rentabilität und Sicherheit im Blick haben. „Ethische und nachhaltige Produkte haben nicht automatisch einen Renditenachteil“, sagt Helge Wulsdorf von der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn, die zahlreiche solcher Finanzprodukte anbietet.

          Thomas Richter vom deutschen Marktführer DWS sieht in den alternativen Produkten einen Kompromiß: „Man kann bei der Geldanlage nicht nach allen Seiten Spitzenergebnisse erzielen. Die Berücksichtigung ethischer Überlegungen schränkt die Anlagepolitik ein, was zu Abstrichen bei der Rendite führen kann gegenüber Produkten, die einer solchen Einschränkung nicht unterliegen.“

          Fondsmanagern sind die Hände gebunden

          Diesen Punkt müssen sich Anleger vor deutlich vor Augen führen. Das kleinere Anlagespektrum führt dazu, daß den Fondsmanagern die Hände gebunden sind, was in der Tat eine niedrigere Rendite zur Folge haben kann. Das gilt zumindest für solche Fonds, die den Zusatz „Öko“ oder „Ethik“ zurecht im Namen tragen.

          Der Ökovision hat mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs von 7,8 Prozent im Jahr seit 1996 zwar jede Festgeldanlage abgehängt, blieb aber dem Vergleichsindex MSCI-World zurück, der im gleichen Zeitraum ein Plus von durchschnittlich 9,75 Prozent schaffte. Verschwiegen werden darf indes nicht, daß es viele andere Fonds gibt, die nicht auf Nachhaltigkeit achten und weitaus schlechter abschneiden.

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