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Nachhaltiges Investieren : Soziale Anlagen können schwere Nebenwirkungen haben

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Gläubigerversammlung der insolventen Prokon: Oft halten auch andere nachhaltige Anlagen nicht, was sie versprechen. Bild: dpa

Eine an ethischen Maßstäben orientierte Anlagestrategie bringt fast zwingend niedrigere Erträge. Nachhaltige Anleger sollten lieber auf Rendite als auf Sicherheit verzichten.

          Neben Privatanlegern müssen auch zahlreiche Stiftungen und kirchliche Einrichtungen mit ihren sozial verantwortlichen Geldanlagen hohe Verluste verkraften. Ein prominentes Beispiel stellt der evangelische Dekanatsbezirk München dar, dem laut Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler mit Anlagegeschäften in ökologisch nachhaltigen Unternehmen ein Verlust von bis zu 12,9 Millionen Euro droht. Dieses Beispiel ist sicherlich ein Extremfall, genauso wie die drohenden Verluste, die Privatanlegern mit Prokon-Genussrechten oder Windreich-Anleihen ins Haus stehen. Dennoch haben die Probleme eine grundsätzliche Ursache. Zugespitzt formuliert: Die Zielstellung sozial verantwortlicher Geldanlagen besteht darin, geeigneten Unternehmen den Zugang zu Kapital zu erleichtern. Damit ist das Rendite-Risiko-Profil solcher Geldanlagen aber unattraktiv.

          Renditen fallen nicht vom Himmel. Sie kommen zustande, weil ein Unternehmen Kapital benötigt und den Kapitalgebern dafür Sicherheiten und Zinsen bietet. Jedes Unternehmen wird versuchen, die Kapitalkosten so niedrig wie möglich zu halten, also den Kapitalgebern so wenig Zinsen und Sicherheiten wie möglich zu gewähren. Gehen wir einmal von der These aus, sozial verantwortlich zu investieren hätte einen positiven Einfluss auf den Markt und entsprechende Unternehmen kämen leichter an Kapital. Die Kapitalkosten sozial verantwortlicher Unternehmen sinken dann unter den Marktdurchschnitt. Aus Sicht des Anlegers heißt dies, dass Wertpapiere sozial verantwortlich handelnder Unternehmen, was Sicherheiten und Zinsen betrifft, weniger bieten als der Gesamtmarkt. Eine sozial verantwortliche Anlagestrategie wird damit zwangsläufig schlechter abschneiden als Anlagestrategien, denen keine ethischen Auswahlkriterien zugrunde liegen.

          Klassische Risiko-Analysen sind nicht blind

          An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass in den Marketingunterlagen Gegenteiliges steht. Dort wird argumentiert, dass dank ethischer Auswahlkriterien unter anderen die politischen Risiken und die Umweltrisiken solcher Geldanlagen geringer und die Anlagen mithin attraktiver sind. Dieses Argument steht auf dünnem Eis, da es unterstellt, die klassischen Risikoanalysen wären auf diesen Augen blind. Schon ein Blick auf den Aktienmarkt zeigt, wie schwierig es ist, die Wirtschaft in Gut und Böse einteilen zu wollen. So führte der Dow Jones Sustainability Europe Index den britischen Ölkonzern BP als Schwergewicht, bis es zum Unglück auf der Ölplattform Deep Water Horizon kam. Objektiv betrachtet ist schwer nachvollziehbar, warum die Aktie nach dem Unglück aus dem Index verbannt wurde. BP mag bis zum Unglück relativ bedenkenlos unterwegs gewesen sein, aber seit dem Unglück gibt es wohl keinen Ölförderer mit strengeren Richtlinien und größeren Vorsichtsmaßnahmen. Vielleicht ist das Image von BP seit dem Unfall einfach zu schlecht, aber ein Nachhaltigkeits-Index sollte doch kein Marketing-Index sein. BP wurde im Nachhaltigkeits-Index seinerzeit übrigens durch den Konzern Halliburton ersetzt. Andere Indizes sind keineswegs überzeugender. So sind im Ethical MSCI World Index Apple und Google aktuell die prominentesten Schwergewichte. Wenn deren Geschäftspraktiken in Sachen Steuervermeidung oder Datenschutz die Ethik der Zukunft repräsentieren, dann gute Nacht.

          Ethische, nachhaltige und grüne Finanzprodukte haben eines gemeinsam: Die Gebühren sind meist deutlich höher. So kostet etwa der iShares Dow Jones Europe Sustainability ETF (DE000A1JB4N7) mit 0,45 Prozent im Jahr mehr als doppelt so viel wie der iShares Stoxx Europe 600 ETF (DE0002635307), dessen Gebühr bei 0,20 Prozent im Jahr liegt.

          Am Ende zahlen die EU-Mitgliedstaaten

          Will man als Anleger trotz allem eine sozial verträgliche Geldanlage tätigen, so sollte man zweierlei beachten. Erstens: Eher auf Rendite verzichten als auf Sicherheit. Etwas geringere Renditen sind in der Regel kein Problem, weniger Sicherheit kann aber schnell ins Desaster führen. Zweitens: Es ist besser, durch Direktanlagen selbst zu bestimmen, welche Unternehmen oder Projekte man unterstützen möchte. Empfehlenswert sind hier zum Beispiel Klimaschutzanleihen/Green Bonds. Diese orientieren sich an Leitlinien, die 13 internationale Banken im Januar 2014 veröffentlicht haben. Seit 2007 emittiert die Europäische Investitionsbank solche Anleihen, im Herbst steigt auch die KfW in den Markt ein. Für eine solche ausfallsichere Anleihe mit Laufzeit bis November 2019 (ISIN LU0953782009) bekommt man eine Umlaufrendite von 0,6 Prozent. Das ist nicht wesentlich weniger als das, was vergleichbare ausfallsichere Anleihen ohne Nachhaltigkeitsanspruch bieten.

          Mit der Anleihe werden weltweit Kredite für Projekte im Sinne des Klimaschutzes finanziert. Scheitern solche Projekte, trifft dies nicht den Anleihen-Investor, sondern die Europäische Investitionsbank, deren Eigentümer die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind. Wie die Grafiken illustrieren, sind solche Anleihen kurzfristig risikolos, langfristig reichen die Zinsen aber nicht, die Inflationsrisiken zu decken.

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