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Nachhaltige Geldanlage : Frisches Wasser fürs Depot

  • -Aktualisiert am

Wertvolle Ressource: Trinkwasserversorgung in Kongo Bild: dpa

Die Vereinten Nationen erheben sauberes Wasser zum Menschenrecht. Während Investitionen in den Ausbau der internationalen Wasser-Infrastruktur spärlich fließen, investieren die Anleger Milliardenbeträge. Doch die Euphorie hat nachgelassen.

          Die Finanzbranche ist der Politik um Jahre voraus gewesen: Die Vereinten Nationen haben nun den Anspruch auf reines Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Zwar ist dieses Dokument völkerrechtlich nicht verbindlich, doch es hat politisch durchaus Bedeutung – zumal der Zugang zu sauberem Wasser in vielen Regionen schwieriger wird.

          Allein in China müssen 700 Millionen Menschen mit verschmutztem Wasser leben, berichtet das Institut Responsible Research in Singapur, das auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisiert ist. 190 Millionen Chinesen erkranken demnach jedes Jahr an verunreinigtem Wasser. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die 4,5 Millionen Einwohner der chinesischen Stadt Jilin nach der Verseuchung eines nahen Flusses durch giftige Chemikalien von der Trinkwasserversorgung vorübergehend abgeschnitten wurden.

          Doch Wassermangel wird auch in Industriestaaten ein Thema. So gehen in Europa die Reserven an unbenutztem Wasser rapide zurück. In Spanien droht die Verwüstung ganzer Landstriche, oder selbst im regenreichen London ist Wasser knapp, weil das Leitungsnetz marode ist.

          Eine ungewöhnlich hohe Dichte an Aktienfonds

          400 bis 500 Milliarden Euro müssten jedes Jahr weltweit in die Wasserwirtschaft investiert werden, schätzen die Volkswirte der Deutschen Bank Research in einer Studie. Doch die erforderlichen Investitionen blieben aus. „Daran gemessen bietet die Branche ein Bild der Unterinvestition, besonders weil die Wasserpreise vielerorts subventioniert und deshalb zu niedrig sind“, kritisieren die Autoren der Untersuchung.

          „In vielen Ländern wird Wasserverbrauch als ein Grundrecht gesehen, das am besten kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollte“, beklagt auch Raphael Lüscher, Portfolio-Manager der Fondsgesellschaft UBS Global Asset Management. „Um aber die massiven Infrastrukturprojekte im Wassersektor überhaupt finanzieren zu können, müssen in vielen Regionen auch die Wasserpreise entsprechend steigen.“

          Während Investitionen in den Ausbau der internationalen Wasser-Infrastruktur spärlich fließen, investieren die Anleger schon Milliardenbeträge. Die Schweizer Privatbank Pictet war eine der ersten, die das Thema besetzte. Schon im Jahr 2000 legte sie den Fonds Pictet Water P (Isin: LU0104884860) auf, der weltweit in Aktien von Unternehmen investiert, die im weiteren und engeren Sinne mit dem Thema zu tun haben. Der Fonds war so erfolgreich, das ihm zeitweise mehr als 4 Milliarden Euro zuflossen und Pictet vorübergehend keine neuen Einzahlungen mehr entgegennahm. Es folgten zahlreiche Nachahmerprodukte: Im selben Jahr noch brachte die belgische Fondsgesellschaft KBC den KBC Eco Fund Water (Isin: BE0175479063) auf den Markt und kurz darauf der Schweizer Nachhaltigkeitsexperte Sustainability Asset Management (SAM) den Fonds SAM Sustainable Water (Isin: LU0133061175), der heute auf ein Volumen von mehr als 1 Milliarde Euro kommt. Insgesamt neun Aktienfonds sind in Deutschland zum Vertrieb zugelassen, die das Thema abdecken – eine ungewöhnlich hohe Dichte.

          Dabei müssen die Fondsmanager wirklich auf der ganzen Welt nach attraktiven Unternehmen Ausschau halten. So ist der KBC-Fonds schwerpunktmäßig in amerikanischen und japanischen Unternehmen investiert. In Europa gibt es den französischen Versorger Veolia Environnement, der im Aktienindex CAC 40 notiert ist, oder den österreichischen Stromerzeuger Verbund AG, der stark in Wasserkraftwerken engagiert ist. Auch die Aktie des Veolia-Konkurrenten Suez Environnement findet sich oft in den Depots.

          Umstrittene Investments

          Doch häufig sind Investitionen in Wasser-Unternehmen nicht so umweltfreundlich und ökologisch korrekt, wie sie auf den ersten Blick scheinen. So ist es beispielsweise umstritten, ob ein verantwortungsbewusster Umgang mit Wasser gefördert wird, wenn Fonds – wie etwa Pictet – auch Aktien des Schweizer Badausrüsters Geberit ins Portfolio nimmt.

          Besonders umstritten sind Investments in die Hersteller von Mineralwasser wie den Konzernen Danone und Nestlé. Davon abgesehen, dass diese Unternehmen nur einen geringen Teil ihres Umsatzes mit Wasser erzielen, deckt sich der Verkauf von Mineralwasser kaum mit den Prinzipien nachhaltigen Wirtschaftens. Allein der Transport über zum Teil viele tausend Kilometer steht dem entgegen. Pictet hat aus diesen Bedenken die Konsequenz gezogen und betont ausdrücklich, dass ihr Wasser-Fonds nicht nachhaltig sei. KBC dagegen hat entschieden, Investments in Aktien der Mineralwasserhersteller generell auszuschließen. Andere wie Olaf Koester von der VCH Vermögensverwaltung in Frankfurt bevorzugen deshalb Aktien wie Pure Technologies. Das kanadische Unternehmen entwickelte eine neue Technik, um Lecks in Wasserleitungen aufzuspüren und zu reparieren.

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