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Nachhaltige Anlage : Ölkatastrophe rüttelt Fondsmanager auf

  • -Aktualisiert am

Proteste gegen Minenkonzern Vedanta Bild: AFP

Das BP-Desaster im Golf von Mexiko deckt auf, wie wichtig die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit für die Anlagepolitik geworden sind. Zur Hauptversammlung des indischen Bergbaukonzerns Vedanta haben Demonstranten gegen eine neue Mine protestiert.

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          Zur Hauptversammlung des indischen Bergbaukonzerns Vedanta in London haben Demonstranten gegen eine neue Mine des Unternehmens protestiert. Sie waren blau bemalt wie die Mitglieder des Volksstamms der Na'avi aus dem Kinohit "Avatar". Tatsächlich demonstrierten sie, weil sie den indischen Bergstamm der Dongria Kondh durch die Bergbautätigkeit von Vedanta bedroht sehen.

          Ihrer Ansicht nach gleicht dieses Schicksal dem Filmthema von "Avatar". Institutionelle Investoren konnte dagegen ihre Kritik auf der Hauptversammlung äußern. So stimmte Steve Waygood von der Versicherung Aviva gegen den Geschäftsbericht und die Wiederwahl des Vorstandes von Vedanta, der für Umweltpolitik zuständig ist.

          Nachhaltigkeits-Fondsmanager haben diese Jahr alle Hände voll zu tun

          Fondsmanager haben bei dem Thema Nachhaltigkeit und Umwelt dieses Jahr alle Hände voll zu tun. Am meisten Arbeit hat ihnen die Ölkatastrophe von BP im Golf von Mexiko bereitet. Der Vermögensverwalter Foreign & Colonial (F&C) traf sich gleich mehrmals mit dem Vorstand und Aufsichtsrat von BP. Zunächst ging es um die Auswirkungen der Katastrophe. Mittlerweile wird der Blick jedoch auf die langfristig strategischen Konsequenzen des Desasters für die Öl- und Bergbauindustrie geworfen. Mitglieder der Fondsgesellschaft Threadneedle ziehen am gleichen Strang. "Wir waren erstaunt darüber, wie stark der Aufsichtsrat von BP die Umweltauswirkungen herunterspielte", heißt es bei Threadneedle.

          "Der Fall BP muss für die ganze Branche der institutionellen Investoren eine Warnung sein", betont George Dalles von F&C. "Nicht nur Aktionäre von BP wurden von dem Kurssturz von 50 Prozent getroffen. Angesichts der Kosten von Kreditausfallversicherungen für BP von 450 Basispunkten sind auch Gläubiger aufgerufen, künftig das Verhalten von Unternehmen mit Blick auf Umwelt und Nachhaltigkeit zu beeinflussen." In Großbritannien, Holland und Skandinavien muss das Thema der Nachhaltigkeit wegen des starken Einflusses von Pensionskassen ernster genommen werden, als dies bisher in Deutschland der Fall ist. So müssen britische Großanleger regelmäßig in öffentlichen Berichten darlegen, wie sie sich als aktiver Investor gegenüber Unternehmen verhalten, welche Themen sie mit der Geschäftsführung besprechen, wie sie auf Hauptversammlungen abstimmen.

          In der Londoner City wurde Anfang des Jahres vom Financial Reporting Council ein Verhaltenskodex (Stewardship Code) für institutionelle Investoren entworfen, der festlegt, in welcher Form sich aktive Investoren engagieren sollen. Die Versäumnisse vieler Banken vor und während der Finanzkrise und der Unglücksfall im Golf von Mexiko haben die Branche der professionellen Investoren aufgerüttelt. "Wir fragen uns natürlich, ob wir bei BP hätten früher reagieren müssen", heißt es bei einem institutionellen Investor, der nicht genannt werden möchte. "BP zeigt, dass selbst ein Unternehmen, das über Jahre mit Blick auf Umwelt immer das Richtige sagt, Informationen auf den Tisch legt und sich engagiert, dennoch gefährliche Mängel mit Blick auf Umwelt und soziale Verantwortung aufweisen kann." Der Fondsmanager räumt ein, seit Jahren schon Zweifel an der Struktur der Geschäftsführung gehegt, aber nicht reagiert zu haben.

          Zweifel am Erfolg des Engagements

          In Deutschland hat die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, sämtliche Aktien der BP aus ihren Depots verkauft. Im Gegensatz zu angelsächsischen Großinvestoren muss die DWS jedoch keinen Bericht über ihr Engagement als aktiver Investor bei ihren Portfoliounternehmen veröffentlichen.

          Anders britische Großinvestoren wie F&C: Nach seinem jüngsten Bericht hat der Vermögensverwalter allein im letzten Quartal 217 Unternehmen in 35 Ländern auf ihre Nachhaltigkeitspolitik angesprochen, auf 3414 Hauptversammlungen abgestimmt und 2587 Briefe an Unternehmen wegen ihrer Unternehmensführung verschickt. Bei 12 Prozent der Hauptversammlungen hat F&C gegen Anträge gestimmt. F&C hat zum Beispiel Abercrombie & Fitch immer wieder unter Druck gesetzt, endlich Mindeststandards der Arbeitsbedingungen in den asiatischen Zulieferunternehmen einzuhalten und Transparenz zu zeigen wie Gap, Nike, Levi Strauss, Marks & Spencer und Hennes & Mauritz (H&M) - allerdings mit mäßigem Erfolg. F&C hat auch mit Next, H&M, Adidas und Carrefour zusammengearbeitet, um Transparenz in das Thema Kinderarbeit in Usbekistan bei der Baumwollernte zu bringen. Der Investor hat auch Nestle, Unilever, Kraft, Sime Darby und die IOI Group gewarnt, in Asien Palmölproduzenten zu nutzen, die Regenwälder abholzen. Unilever und Nestle beziehen nun kein Palmöl mehr von PT Smart, Sinar Mas und Golden Agri, da diese Unternehmen tropische Regenwälder zerstören.

          Hinter den Kulissen gibt es dennoch bei Großinvestoren Zweifel am Erfolg des Engagements: "Aufsichtsräte und Aufsichtsbehörden hatten trotz besserer Informationen, als sie Investoren erhalten, keinen blassen Schimmer von der sich abzeichnenden Finanzkrise. Was sollen wir Anleger da ausrichten?", werden Großinvestoren von der Investment Management Association (IMA) zitiert. "Es gibt keinerlei europäische Absprachen mit Blick auf die Politik von Großinvestoren und jeder Anleger hat eine andere Meinung. Wie soll sich ein Unternehmen da verhalten?" Manch Großanleger räumt ein, dass der Aktienverkauf schlecht geführter Unternehmen auch Wirkung zeige. "Unternehmensführung ist schließlich keine Demokratie."

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