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Da fließt der Strom : Der erste Fonds nur mit Wasserkraftwerken kommt

Fließend Strom gewinnen: In Europa macht Wasserkraft mehr als 60 Prozent der regenerativen Energien aus Bild: dpa

Großanleger in erneuerbaren Energien bekommen eine Alternative zu Solar- und Windinvestments. Wasserkraft punktet dabei mit ausgereifter Technik und steter Verfügbarkeit.

          Versicherern, Pensionskassen und Stiftungen machen die tiefen Zinsen zu schaffen. Wenn wie jetzt die Zinsen steigen, setzt es Kursverluste auf Anleihen. Und die Neuanlage ist noch immer nur zu derart niedrigen Zinsen möglich, dass Lebensversicherer nur mit Bundesanleihen die zugesagte Verzinsung von gut 3 Prozent nicht erwirtschaften können. Deshalb sind Sachwerte mit stabilen Mittelzuflüssen bei den Großanlegern gefragt, die früher Anleihen bevorzugten. So beklagte vor kurzem Allianz Global Investors, die Fondsgesellschaft des Versicherers Allianz, es fehle nur an passenden Projekten. „Es fließt eine Menge Geld in Infrastruktur, vor allem in Erneuerbare-Energie-Projekte“, berichtet Oldrik Verloop von Aquila Capital. „Das treibt die Preise für Wasser-, Wind- und Solaranlagen in die Höhe.“

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Investmentgesellschaft Aquila ist seit 2006 auf Sachwerte spezialisiert. „Viele institutionelle Großanleger wie Versicherer, Pensionskassen und Stiftungen haben inzwischen damit begonnen, ihr früher stark anleihenlastiges Portfolio durch Anlagen in erneuerbare Energien zu diversifizieren. Das heißt für die meisten: Sie sind in Solar- und Windkraftanlagen investiert, aber noch nicht in Wasserkraft“, stellt Verloop fest.

          Der Niederländer, der bei Aquila die Anlageklasse Wasserkraft leitet, hält das für seine Chance. „Wir legen jetzt den ersten reinen Wasserkraftinfrastrukturfonds für institutionelle europäische Anleger auf, die 10 bis 200 Millionen Euro in diese Energiequelle investieren wollen und kein eigenes, für das Tagesgeschäft der Anlagen notwendiges Managementteam aufbauen wollen“, sagte Verloop der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Argumente für Wasserkraft als Energieträger sind: Die Turbinen sind ausgereift, 16 Prozent des Stroms auf der Welt werden aus reißenden Flüssen gewonnen. In Europa macht Wasserkraft nach jüngsten Daten der Statistikbehörde Eurostat mehr als 60 Prozent der regenerativen Energien aus. Dabei punktet Wasserkraft mit seinem hohen Wirkungsgrad von 90 Prozent und seiner stabilen Verfügbarkeit - unabhängig davon, ob Winde wehen oder die Sonne scheint. Aquila hat daher seit 2009 von insgesamt 1,7 Milliarden Euro an Investitionen in erneuerbare Energien 600 Millionen Euro in 57 Laufwasserkraftwerke gesteckt. Die meisten stehen in Norwegen und der Türkei.

          Anleger von Wasserkraft haben andere Risiken

          Jetzt kommt hierzulande nach Ansicht von Verloop das Geschäft für Anleger so richtig in Gang. Einerseits trennen sich große Energieversorger wie Eon und RWE von Unternehmensteilen und fokussieren sich neu, andererseits fragten sich lokale Initiativen wie Stadtwerke und Energiegenossenschaften: „Wollen wir wirklich eine Wasserkraftanlage selbst bauen oder besser nur die Energie von dort beziehen und die Finanzierung und den Betrieb nicht besser anderen überlassen?“ Vielfach seien preistreibende Bieterwettbewerbe um Wasserkraftanlagen in Gang geraten, berichtet Verloop. Die große holländische Beamtenpensionskasse APG, die 400 Milliarden Euro anzulegen hat, stellte Aquila 250 Millionen Euro für Wasserkraftinvestments bereit - so etwas wie der Ritterschlag im Wettbewerb mit großen Vermögensverwaltern wie Macquarie und Blackrock.

          Nun legt Aquila den ersten offenen Fonds für europäische Großinvestoren auf. „Wir haben schon zwei Projekte für den Fonds gekauft. Darüber hinaus haben wir mehr als fünf Investitionsobjekte im Volumen von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro identifiziert und für den Kauf mit den Entwicklern schon Rahmenverträge geschlossen. So können wir den Fondsinvestoren signalisieren, dass wir investitionsfähig sind, und gleichzeitig verhindern, in preistreibende Bieterschlachten um Wasserkraftanlagen verwickelt zu werden“, sagt Verloop.

          Der Fondskäufer sollte einen Anlagehorizont von 20 Jahren haben. Dann darf er eine Jahresrendite zwischen 7 und 9 Prozent erwarten. Das ist nicht nur mehr als mit Bundesanleihen. Auch hängt das Risiko, ob es schiefgeht, von ungewöhnlichen Faktoren ab. Den Erfolg einer Anlage in Wasserkraft bestimmen die Preisentwicklung auf dem Elektrizitätsmarkt, der Wechselkurs von Norwegens Krone als wichtigstem Markt für Wasserkraft und der Ausbau von Unterwasserstromkabeln, wie sie zwischen Norwegen und dem europäischen Kontinent geplant sind. Somit hält der Anleger von Wasserkraft Risiken, die in anderen Momenten schlagend werden als üblich. So sinkt das Risiko im Gesamtdepot.

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