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Nach der Leitzinssenkung : Katzenjammer statt Feuerwerk

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Höhenflug des Euro und der Aktienkurse nach der Zinssenkung in Amerika entpuppen sich als Strohfeuer. Zunehmend setzt sich die Ansicht durch, dass keine weiteren Zinsschritte folgen werden. Das drückt vor allem die Aktienkurse, die den wichtigsten Impuls der vergangenen Wochen verloren haben.

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          Es kam wie erwartet und das war wohl - wie an den Börsen in den vergangenen Wochen meistens der Fall - offenbar nicht genug. Die amerikanische Notenbank Fed senkte am Vorabend den Zielsatz für Tagesgeld um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent. Der Tagesgeldsatz steuert die Höhe der Zinsen für Kredite zwischen den Banken und ist damit der zentrale Leitzins der Vereinigten Staaten. Ein niedrigerer Satz kommt letztlich den Unternehmen zugute und stärkt tendenziell das Wirtschaftswachstum.

          Diese Maßnahme sorgte daher an den Aktienbörsen zunächst für Kursaufschwünge. An der Wall Street schloss der Dow-Jones-Index am Abend ein Prozent fester und auch der japanische Aktienmarkt ging mit Kursgewinnen aus dem Handel.

          „Positives Momentum der Zinssenkung läuft aus“

          Indes entpuppte sich dies im europäischen Aktienhandel als Strohfeuer. Nach überwiegend freundlichem Start rutschten die Börsenindizes ins Minus. Und nachdem die Wall Street den Handel mit deutlichen Abschlägen eröffnete, gibt es fast schon kein Halten mehr. Der Dax verlor 1,7 Prozent, der Eurostoxx 50 1,8 Prozent, der britische FTSE-100-Index und der französische CAC-40 2 Prozent.

          Das kann auch kaum verwundern, war doch eine Zinssenkung von 25 Basispunkten bereits eingepreist und tendierte der Marktglaube eher zu 50 Basispunkten als zu einem unveränderten Niveau. „Das positive Momentum der Zinssenkung in den Vereinigten Staaten läuft aus“, stellte darum auch ein Händler an der Frankfurter Börse fest. Auch der Dollar, der mit einem Niveau von 1,4503 Dollar einen neuen Tiefstand zum Euro markierte, erholte sich wieder deutlich und notiert aktuell mit 1,4448 Dollar zum Euro.

          Hintergrund des Trendwechsels ist vor allem die sich mehr und mehr durchsetzende Annahme, diese Zinssenkung sei gleichzeitig die vorläufig letzte, was sich nun deutlich von früheren Prognosen unterscheidet. Noch am Dienstag hatte etwa Ian Shepherdson, Ökonom der unabhängigen Analysegesellschaft High Frequency Economics in New York einen Leitzins von 3,25 Prozent im September 2008 vorausgesagt.

          Robustes Wachstum spricht für keine weiteren Zinssenkungen

          Nun aber signalisierte die Fed nach ihrem Beschluss, dass der jetzige Zinsschritt ausreiche, um Konjunkturrisiken abzuwenden. In einer Stellungnahme hieß es, dass die „Risiken der steigenden Inflation etwa dem Risiko eines Abwärtstrends der Konjunktur entsprechen“. Damit erklärten die Notenbanker vergleichsweise deutlich, dass sie derzeit nicht von weiteren Zinsschritten ausgehen.

          Hinzu kommt, dass das Handelsministerium eine Wachstumsrate für das dritte Quartal von 3,9 Prozent vermeldete, die damit höher als angenommen ausfiel. Die Entscheidung der Fed, die Zinsen zu senken, wurde auch nicht einstimmig getroffen. Thomas Hoenig, Präsident der Fed in Kansas City, plädierte im Unterschied zu seinen neun Kollegen dafür, den Leitzins nicht zu senken.

          Denn die Inflationsgefahren sind nicht zu unterschätzen und werden durch eine Politik des billigen Geldes weiter angeheizt. Die Preise für Lebensmittel und Energie sind in den Vereinigten Staaten schon kräftig gestiegen, der historisch niedrige und weiter schwach tendierende Dollarkurs verteuert Importe.

          Euro-Anstieg auch von technischen Faktoren gebremst

          Wenn die Fed keine weiteren Zinssenkungen vornimmt, verschlechtert sich die Zinsdifferenz zum Euro und anderen Hochzinswährungen nicht weiter, so dass auf der Geldmarktseite der Anreiz nachlässt, Dollar-Anlagen weiter zu reduzieren.

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