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Mogelpackung : Das fiese Fonds-Spiel

Wo ETF draufsteht, ist nicht unbedingt ETF drin. Bild: Getty

Indexfonds (ETF) sind so populär wie nie. Jetzt kommen immer mehr ETF auf den Markt, die so heißen, aber die Idee pervertieren.

          Menschen, die dabei waren, bestätigen, dass man sich die Sache in etwa so vorstellen kann: In den Konferenzräumen der Fondsgesellschaften dieser Welt kommt immer häufiger eine spannende Übersicht auf den Tisch. Sie zeigt die enorme Popularität von sogenannten Exchange Traded Funds (zu Deutsch: börsengehandelte Indexfonds), mittlerweile besser bekannt unter dem Kürzel ETF. Waren vor zehn Jahren gerade einmal Gelder in Höhe von rund 600 Milliarden Dollar in diesen Fonds angelegt, sind es heute mehr als 3000 Milliarden - eine fast schon unheimliche Steigerung um mehr als 400 Prozent. In keinem anderen Bereich erzielt die Investmentbranche derart gigantische Zuwachsraten. Spätestens nach dieser Erkenntnis kommt darum in den Konferenzzimmern der Fondsgesellschaften stets die Frage auf: Warum machen wir das nicht auch?

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hinter dem seltsam klingenden Kürzel ETF verbirgt sich ein einleuchtendes Prinzip. Die Fonds zeichnen die Wertentwicklung von Aktienbarometern wie beispielsweise des Dax exakt nach. Steigt der Dax also um drei Prozent, gewinnt auch der ETF drei Prozent hinzu; verliert der Dax zwei Prozent, verliert auch der ETF zwei Prozent. Einfacher geht es nicht, wissenschaftlich fundierter auch nicht. Setzen ETF doch eine grandiose Erkenntnis des Ökonomie-Nobelpreisträgers Eugene Fama in die Praxis um: Auf Dauer kann niemand, auch nicht der klügste Fondsmanager, bessere Ergebnisse erreichen als der Aktienmarkt als Ganzes. Darum kommen ETF ohne Fondsmanager aus.

          All dies hat dazu geführt, dass auch viele Privatanleger ihr Geld nicht mehr klassischen Fondsmanagern anvertrauen (für die sie überdies hohe Gebühren zahlen müssen), sondern Gesellschaften wie Blackrock - mit der Marke iShares der größte ETF-Anbieter der Welt. Viele traditionelle Fondsgesellschaften ärgert dies natürlich maßlos. Darum drängen sie nun mit Macht auf den Markt für Indexfonds.

          Angefangen hat die Sache, wie so häufig in der Finanzbranche, natürlich in Amerika. Dort haben in den vergangenen Monaten nacheinander Goldman Sachs, Franklin Templeton und Morgan Stanley erklärt, dass sie nun ins ETF-Geschäft einsteigen wollen. Noch sind viele ihrer neuen Fonds zwar nicht in Europa erhältlich, aber auch hierzulande tut sich viel: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass nicht ein neuer ETF aufgelegt wird. Von der Deutsche Bank-Marke db x-trackers über die französischen Anbieter Amundi und Lyxor bis hin zu iShares kämpfen in Deutschland mehr als zehn Anbieter um die Aufmerksamkeit der Kunden.

          Was hinter den Pseudo-ETF steckt

          Das Unangenehme ist nur: Die Anleger haben von diesem neuen Wettbewerb erst einmal gar nichts, so paradox es sich zunächst auch anhören mag. Denn die ETF, die sowohl die etablierten als auch die neuen Anbieter derzeit überwiegend auf den Markt bringen, haben außer dem Etikett nicht mehr viel mit jenen einfachen Indexfonds zu tun, die ETF zu einer so sinnvollen Anlageart gemacht haben. Sie sind vielmehr, man muss dies so hart sagen, in den meisten Fällen eine weitgehende Pervertierung des ursprünglichen ETF-Prinzips: Sie sind kompliziert gestrickt, nicht einfach. Sie sind teurer, nicht billig. Und was das Frappierendste ist: Sie stellen auf einmal wieder in Aussicht, dass es eben doch möglich sei, besser abzuschneiden als der Markt - so als wären Nobelpreisträger Fama und seine Forschungen gar nicht existent. ETF, die besser sind als der Markt, kann es nämlich eigentlich per Definition nicht geben, wenn man Fama folgt.

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