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Migranten in Deutschland : Bargeldströme nach Südeuropa

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Über Western Union senden die meisten Menschen Geld zu ihren Familien in die Heimatländer. Bild: Jockisch, Anna

Immer mehr Südeuropäer wandern nach Deutschland aus. Sie arbeiten hier und schicken Geld in ihre Heimatländer. Einige südeuropäische Staaten sind wieder Netto-Empfänger.

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          Die europäische Staatsschuldenkrise wirkt sich auch auf den europäischen Bargeldverkehr aus. Da immer mehr Bürger aus Südeuropa nach Deutschland ziehen, fließt auch mehr Geld zurück in ihre Heimat, und Senderländer wie Portugal werden somit wieder zu Empfängern. Diesen Trend konnte die Western Union Bank in den vergangenen zwei Jahren beobachten. Sie verzeichnete seit 2011 ein durchschnittliches Wachstum von 14,5 Prozent an Transaktionen in Länder wie Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien.

          Mehr als 215 Millionen Menschen weltweit leben außerhalb ihres Geburtslandes und senden regelmäßig Geld zu ihren Familien nach Hause. Western Union, eines der ersten börsennotierten Unternehmen im amerikanischen Dow Jones Index, macht den größten Teil seiner Geschäfte mit solchen Kunden. Bei den europäischen Senderstaaten liegt Deutschland nach der Schweiz an der Spitze. In der Welt ist Deutschland Nummer fünf der wichtigsten Versandländer. Hier führt Amerika, gefolgt von der Schweiz, Saudi-Arabien und Russland.

          Rund 17,6 Milliarden Dollar von Deutschland in die Welt geschickt

          Die steigende Zuwanderung nach Deutschland erfolge laut Western Union in erster Linie wegen der guten wirtschaftlichen Lage und der niedrigen Arbeitslosenrate hierzulande. Allein nach Deutschland kamen im ersten Halbjahr 2012 etwa 27.000 Spanier, 32.000 Italiener, 26.000 Griechen und 10.000 Portugiesen. Dieser Zuzug hat neue Kundengruppen und eine neue Generation von Migranten, teilweise hochqualifizierte Arbeitskräfte, für die Bank geschaffen. „Wir profitieren stark von der Zuwanderung nach Deutschland. Immer mehr unserer Kunden hierzulande kommen aus Spanien, Italien und Griechenland“, sagt Claudia Westermayr, die seit 2012 das Geschäft im deutschsprachigen Raum und auch in Osteuropa leitet.

          Momentan leben 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, die nach Angaben der Bundesbank im vergangenen Jahr etwa 17,6 Milliarden Dollar in die Welt geschickt haben. Migranten überweisen trotz der Wirtschaftskrise mehr Geld als je zuvor. 2012 wurden laut Weltbank weltweit Rücküberweisungen in Höhe von 534 Milliarden Dollar versendet. Dies ist ein Plus von 3,9 Prozent. Für 2013 ist nach dem aktuellen Migrations- und Entwicklungsbericht der Weltbank mit einem weiteren Anstieg von 6,9 Prozent zu rechnen. Der durchschnittliche Senderbetrag liegt bei etwa 350 Dollar. In Europa sind die Rückflüsse trotz der schlechten Wirtschaftslage ebenfalls steigend. Die Weltbank prognostiziert hier einen Anstieg um etwa 8 Prozent in diesem Jahr. Auch 2014 und 2015 würden Migranten rund 10 Prozent mehr in ihre Heimat überweisen.

          Spanien, Griechenland, Italien, Irland und Portugal wieder Nettoempfänger

          Krisenländer wie Spanien, Griechenland, Italien, Irland und Portugal waren in den vergangenen zehn Jahren im Zuge ihres wirtschaftlichen Aufstiegs zu Senderländern, also zu Bargeld-Exporteuren, aufgestiegen. „Nun hat sich das Bild jedoch wieder gedreht“, sagt Westermayr. Nach Angaben von Western Union erhalten die von der Krise betroffenen Länder seit zwei Jahren wieder deutlich mehr Bargeld, als sie in andere Länder verschicken. Exakte Zahlen liefern dürfe die Bank aufgrund ihrer Börsennotierung leider nicht, nur einen Trend beschreiben, doch der sei eindeutig, so Frau Westermayr. Bei den neuesten Zahlen von der europäischen Statistikbehörde Eurostat und der Weltbank aus dem Jahre 2010, also im Jahr des Ausbruchs der Staatsschuldenkrise, waren die Peripherie-Länder noch Netto-Bargeld-Sender.

          Portugal etwa habe seitdem einen deutlichen Anstieg von kleineren Transaktionen zu verzeichnen, was konsistent sei mit der Auswanderung von Bürgern mit niedrigen Einkommen, schreibt Western Union in einem Bericht. Die zum Beispiel nach Deutschland ausgewanderten Bürger arbeiteten zum größten Teil im Baugewerbe oder der Industrie und würden eher kleinere Beträge, die knapp oberhalb des weltweiten Durchschnitts von 350 Dollar liegen, verschicken.

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