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Metzler und Carmignac : Anlagenotstand

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Deutsch-französisches Gipfeltreffen: Der französische Fondsmanager Édouard Carmignac (rechts) und Privatbankier Friedrich von Metzler diskutieren über die beste Anlagestrategie Bild: Frank Röth

Friedrich von Metzlers Privatbank ist seit gut 300 Jahren im Geschäft, Édouard Carmignacs Vermögensverwaltung gibt es seit 25 Jahren: Der Deutsche und der Franzose verraten, wie man sein Geld vermehrt, einen geeigneten Nachfolger findet und schöne Frauen beeindruckt.

          Herr von Metzler, Herr Carmignac, Sie beide helfen erfolgreich Menschen dabei, ihr Vermögen über lange Zeiträume zu sichern. Was ist Ihr Trick?

          Carmignac: Da müssen Sie Herrn von Metzler fragen. Im Vergleich zu seinem Bankhaus ist meine Fondsgesellschaft ja noch ein Kind. Uns gibt es gerade mal seit 25 Jahren, Metzler seit mehr als 300 Jahren. Die haben schon ganz andere Krisen überstanden, die wissen, wie das geht!

          Metzler: Mit Tricks hat das wenig zu tun. Sondern eher mit der richtigen Perspektive. Aus der Geschichte unseres Bankhauses habe ich eine wichtige Lehre gezogen: Banker müssen in Generationen denken - also in langen Zeiträumen. Wer nur kurzfristig den schnellen Profit will, wird nicht erfolgreich sein.

          Carmignac: Da stimme ich zu.

          Herr von Metzler, Sie sind gerade 70 geworden, Herr Carmignac, Sie sind 65 Jahre alt. Wie findet man einen Nachfolger, der das kann - in langen Zeiträumen denken?

          Carmignac: Ganz einfach: Der Beste soll es machen. Und zwar rechtzeitig. Ich fände es furchtbar, wenn es am Ende hinter meinem Rücken hieße: Wann hört der Alte endlich auf? Das Unternehmen sollte aber im Familienbesitz bleiben. Ob es dann mein jüngster Sohn macht oder meine Tochter Maxime oder jemand ganz anderes, das werden wir dann sehen.

          Metzler: Bei uns ist der Generationswechsel im Grunde schon vor drei Jahren vollzogen worden. Mein Kollege Emmerich Müller hat zusammen mit unseren Partnern die operative Leitung übernommen. Unsere Kinder sollen sich völlig frei entscheiden können, ob sie auch einmal in die Bank eintreten wollen. Im Augenblick arbeitet unser Sohn bei HSBC in London, unsere Tochter bei Nestlé. Wir wollen sie nicht unter Druck setzen. Unser Neffe, Leonhard von Metzler, arbeitet schon im Bankhaus.

          Wie wichtig ist es, dass der Nachfolger auch den Namen Metzler oder Carmignac trägt?

          Carmignac: Natürlich ist der Name wichtig - als Marke.

          Metzler: Uns ist es über all die Jahrhunderte gelungen, immer einen Metzler zu finden. Im 18. Jahrhundert hat einmal eine Frau aus der Familie die Bank übernommen. Ihr älterer Bruder war jung gestorben. Und so hat sie für 16 Jahre die Bank sehr erfolgreich geleitet. Frauen in Führungspositionen sind für uns also nichts Neues. Wir diskutieren sehr offen in der Bank darüber, dass es nicht immer einen Metzler im Partnerkreis geben muss. Das hat auch mit unserem Selbstverständnis zu tun: Wir fühlen uns als große Familie.

          So schön das klingt: Niemand gibt gerne die Leitung eines Unternehmens ab.

          Carmignac: Das stimmt. Wenn man im Fondsmanagement-Geschäft ist wie ich, macht man das schließlich mit Leib und Seele. Allerdings räume ich auch ein: Oft muss man erbittert kämpfen. Die Märkte verzeihen keine Schwäche. Wer da nicht mehr zu den Besten zählt, geht am Ende unter. Wenn man also nicht mehr die Kraft oder die Lust hat, muss man aufhören. Je besser jedoch die eigene Anlagestrategie ist, desto länger wird es Spaß machen.

          Mit welcher Strategie schützen Sie denn das Geld Ihrer Kunden vor Krisen?

          Metzler: Wir wissen eines: Es wird in der Zukunft immer wieder Krisen geben. Wir wissen nur nicht, wie groß sie sein werden. Aber sie kommen. Deshalb hält unser Bankhaus viel mehr Eigenkapital, als wir brauchen. Wir haben große stille Reserven.

          Hat sich das in den großen Krisen der deutschen Geschichte bewährt?

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