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Privatbank : Metzler mag durchaus Derivate

Metzler-Partner Emmerich Müller Bild: Helmut Fricke

Nach Formeln das Geld verteilen – dieser Stil ist in Privatbanken auf dem Vormarsch. Wie Wertsicherungs- und Long-Short-Strategien bei der Anlage von Firmenvermögen eingesetzt werden.

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          Das Bankhaus Metzler pflegt ein Image, das nur teilweise der Realität entspricht. „Im Private Banking gibt es bei uns nur Aktien, Renten und Cash“, sagt der hervorgehobene Partner Emmerich Müller gerne. Mit diesem Credo will er verdeutlichen, dass Metzler keinen Moden folgt und etwa Zertifikate ablehnt. Die Betonung muss indes auf „Private Banking“ liegen. Denn anders als für reiche Privatkunden setzt Metzler bei der Betreuung von Firmenvermögen sehr wohl und sogar in großem Stil Derivate wie Terminkontrakte auf Bundesanleihen ein.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer nun glaubt, „institutionelles Asset Management“ sei ein Randgeschäft Metzlers, geht fehl. Im Gegenteil, die Anlage von Firmenvermögen ist ein Schwerpunkt. 250 der rund 800 Mitarbeiter managen Fonds für Pensionskassen, Industrieunternehmen, Versicherer, Kirchen, Stiftungen, Versorgungswerke, Gewerkschaften und Verbände. 71 Milliarden Euro werden hier verwaltet; das meiste Geld, gut 60 Milliarden Euro, steckt in Fonds, für die Fondsmanager aus Fleisch und Blut anhand von Renditeprognosen die Wertpapiere auswählen. Ein anderer Anlagestil basiert auf Algorithmen und wird mit Terminkontrakten und Optionen umgesetzt. Immerhin 10 Milliarden Euro an Firmenvermögen werden von Metzler so nach quantitativen, also festgelegten mathematischen Regeln gesteuert - und intuitiven menschlichen Entscheidungen entzogen. „Risiken lassen sich nicht ausschalten, wohl aber managen“, sagt Rainer Matthes, der Chefanlagestratege bei Metzler Asset Management.

          Diversifikation senkt das Gesamtanlagerisiko

          Wer sein Vermögen in verschiedenen Wertpapieren und Regionen zu unterschiedlichen Einstiegszeitpunkten anlege, senke durch diese Diversifikation sein Gesamtanlagerisiko. „Und wer darüber hinaus, wie im quantitativen Fondsmanagement der Fall, Wertsicherungskonzepte mit Hilfe von Derivaten umsetzt oder mit Long-Short-Strategien sich von negativen Kapitalmarkttrends absetzt, erhält eine bessere Planbarkeit, Risikokontrolle und damit eine höhere Sicherheit in seiner Anlagestrategie, ohne sich seiner Chancen zu berauben“, sagt Matthes.

          Risikokontrolle werde für viele Anleger wichtiger. Wenn sie wie etwa die Dax-Unternehmen Henkel und Merck Pensionsansprüche in Treuhandgesellschaften auslagern, wollen sie die Pensionsgelder so gemanagt wissen, dass zum Zeitpunkt des Ruhestandes jedem Mitarbeiter die zugesagte Betriebsrente auch bezahlt werden kann. Diese Garantie kostet natürlich Rendite, wenn die Kapitalmärkte klaren Trends folgen und man mit einer Kaufen-Halten-Strategie lange gut fährt. Doch ihr Risiko ist vielen, etwa auch Stiftungen und kirchennahen Anlegern, meist zu hoch. Denn niemand rechtfertigt sich gerne vor einem Kontrollgremium für hohe Verluste.

          Seit 1998 feilt Metzler an Wertsicherungskonzepten. Die Nachfrage schwoll nach 2008 an, weil das Jahr für viele Anleger einschneidend war: Aktien und viele andere Anlagen, etwa Rohstoffe, verloren parallel und für viele zuvor unvorstellbar heftig an Wert. Damals verwaltete Metzler erst 6 Milliarden Euro in quantitativ gemanagten Fonds. „In der Finanzkrise 2008 haben sich unsere Wertsicherungs- und Absolute-Return-Konzepte als robust erwiesen“, sagt Matthes. Mit zeitweise 0 Prozent Aktien und in der Spitze 90 Prozent Anleihen habe man auch in diesem Krisenjahr eine positive Rendite erwirtschaftet, ohne die von den Kunden festgelegte Wertuntergrenze zu unterschreiten. Das sprach sich herum. „Quantitatives Fondsmanagement ist der Bereich im institutionellen Asset Management, der bei Metzler seit Jahren am stärksten wächst“, sagt Matthes.

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