https://www.faz.net/-gv6-qe60

Markttechnik : Haben deutsche Anleger Angst vor der eigenen Courage?

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Der Dax scheint es nicht über das Allzeithoch zu schaffen. Je näher der Index der 8.136-Punkte-Marke gekommen ist, desto mehr ist der Schwung der Vormonate erlahmt. “Es fehlt an Momentum und das Volumen ist eher mäßig“, heißt es.

          Wäre der Dax ein menschliches Wesen, so müsste man ihm wohl eine Psychotherapie anraten. Die Hemmungen, die ihn bei der Annäherung an das Allzeithoch bei 8.136 Punkten befallen, sind so offenkundig, dass hier von einer manifesten Neurose gesprochen werden muss.

          Ein Psychologe würde wohl ein ängstlich-selbstunsicheres Vermeidungsverhalten als Reaktion auf ein schweres Trauma diagnostizieren. Die Art des Traumas bedarf freilich keiner aufwendigen psychoanalytischen Aufarbeitung. Es handelt sich hier ohne Zweifel um den Zusammenbruch, den der Dax nach Erreichen des Allzeithochs im Jahr 2000 erlitten hatte, und dessen Folgen offenbar immer noch nicht bewältigt sind.

          „Es fehlt an Momentum und das Volumen ist eher mäßig“

          Je näher der Dax der 8.136 gekommen ist, desto mehr ist der Schwung der Vormonate erlahmt. „Es fehlt an Momentum und das Volumen ist eher mäßig“, stellt denn auch der technische Analyst Christian Schmidt von Helaba Trust fest. Zwar sei das übergeordnete Bild weiterhin positiv, doch je häufiger die Anlaufversuche an das Hoch scheiterten, um so größer werde die Gefahr einer Korrektur. Als Eckpunkte der weiteren Entwicklung nennt Schmidt Marke von 8.136, die Platz bis 8.280 Punkte eröffnen würde, sowie als Unterstützungen die 7.995 und 7.860.

          „Angst vor der eigenen Courage“ attestiert Armin Kremser von der DZ Bank dem Aktienmarkt. Ein neues Allzeithoch bleibe zwar auf der Agenda, doch gemäß den Trendintensitätsindikatoren fehle es dem mittel- und längerfristigen Aufwärtstrend an Dynamik. Somit ergebe sich derzeit das Szenario einer Konsolidierung auf „hohem Niveau“. Belastend wirkten sich die Ölpreissteigerungen und der Zinsanstieg aus, wobei Kremser beim Bund-Future mittelfristig mit neuen Tiefs rechnet, auch wenn sich dort zunächst eine Erholung abzeichne. So lange allerdings das Dax-Tief aus dem Juni bei 7.750 Punkten nicht unterschritten werde, ergebe sich keine Gefahr.

          Zurückhaltung vor der anlaufenden Berichtssaison

          Keinen Handlungsbedarf sieht Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. In der verhaltenen Entwicklung des deutschen Aktienmarktes spiegelt sich seiner Ansicht nach die Zurückhaltung vor der anlaufenden Berichtssaison wider. Dieses Phänomen betreffe auch andere bedeutende Indizes wie den S&P-500 oder den Euro-Stoxx. Die Indikatoren lieferten im Moment kaum Anhaltspunkte für die weitere Entwicklung. Aufgrund des komfortablen Abstands zu den entscheidenden Unterstützungen bei 7.772 und dann 7.500 gebe es keinen Grund, „ein negatives Szenario aufzubauen“.

          „Weiter im Aufwärtstrend“ lautet indes die Prognose von Martin Siegert von der Landesbank Baden-Württemberg. So lange die Unterstützungszone bei 7.945 nicht unterschritten werde, bestehe Potential für eine Extension der Aufwärtsbewegung bis in den Bereich von 8.275/93. Erst hier gewinne eine Korrekturbewegung dann an Wahrscheinlichkeit.

          Weitere Themen

          Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.

          Topmeldungen

          Finanzminister Scholz will den Soli zurückschrauben. Aber nicht für Sparer.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.