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Starinvestor und Abenteurer : Das unglaubliche Leben des Mark Mobius

Joseph Mark Mobius, geboren 1936, ist 250 Tage im Jahr unterwegs. Von Botswana bis Brasilien sucht er neue Investmentchancen. Bild: Frank Röth

Der Investor Mark Mobius geht dahin, wo es weh tut. Bürgerkriege und Börsencrashs schrecken ihn nicht. Mit 80 Jahren jettet er noch immer um die Welt. Das Porträt eines Abenteurers.

          Um einen Einblick in das aufregende Leben des Mark Mobius zu erhalten, muss man sich nur seinen Reiseplan der vergangenen Woche ansehen. Sonntag: Abflug aus Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Montag: Termine in London. Dienstag: ein Kurztrip nach Rumänien. Mittwoch und Donnerstag: Aufenthalt in Frankfurt. Freitag und Samstag: ein privater Abstecher ins sächsische Erlbach (dazu später mehr). Heute: Aufbruch ins chinesische Macau.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schon jüngere Menschen würde so ein Programm an ihre Grenzen bringen, doch Mark Mobius, 80 Jahre alt und Herr über Anlagegelder in Höhe von rund 30 Milliarden Dollar, sieht man die Strapazen nicht an. Fester Händedruck, konzentrierter Blick - der Mann ist topfit.

          Eine Beeindruckende Erscheinung

          Er ist ohnehin eine beeindruckende Erscheinung. Nur 1,60 Meter groß zwar, dafür aber breitschultrig wie ein Bodybuilder, außerdem hellblonde Augenbrauen und ein kahlrasierter Kopf. An diesem Nachmittag trägt Mobius einen beigen Anzug mit orangefarbener Krawatte und gelbgestreiftem Hemd, dazu Einstecktuch.

          Es ist für seine Verhältnisse ein fast schon dezenter Auftritt: Gerne zeigt er sich ganz im Stile des Schriftstellers Tom Wolfe in weißem Jackett und weißer Krawatte. „Auch wenn es meinen Anzügen nicht guttut: Ich liebe das Reisen“, sagt er mit erstaunlich leiser Stimme. „Ohne zu reisen, lässt sich mein Beruf nicht ausüben.“

          Seit 30 Jahren in der Welt unterwegs

          In seinem Beruf hat es der 80-Jährige zu weltweiter Bekanntheit gebracht. Mobius ist seit mehr als 30 Jahren Fondsmanager der amerikanischen Anlagegesellschaft Franklin Templeton, was zugegebenermaßen nicht gerade spektakulär klingt. Doch eine solch nüchterne Beschreibung seiner Tätigkeit ist zwar formal richtig, übersieht aber das Wesentliche: Der Mann war, nach allem, was man weiß, der Erste, der in großem Stil Geld in jenen Ländern angelegt hat, die bis heute in der Welt der Finanzen für verlockende Renditen und gleichzeitig für schwer kalkulierbare Risiken bekannt sind - die Schwellenländer, in der Finanzszene gerne auch Emerging Markets genannt.

          Heute zählen dazu so unterschiedliche Länder wie China, Brasilien und Nigeria, doch als Mobius in den 1980er Jahren loslegte, war die Sache noch ziemlich übersichtlich. Nur wenige Entwicklungsländer, wie man damals noch sagte, hatten ihre Finanzmärkte auch für Ausländer geöffnet. Indonesien gehörte beispielsweise dazu, auch Thailand und Malaysia. „Wir wussten nie, was genau uns vor Ort erwartet“, erzählt Mobius, was stark untertrieben ist. Er hätte auch sagen können: Es war ein einziges Abenteuer.

          Darin liegt wohl der eigentliche Grund dafür, dass Mobius in der Szene Kult ist (es gibt sogar ein 200-seitiges Comic über sein Leben) und dass ihn Fachmagazine mit schöner Regelmäßigkeit zu den wichtigsten Investoren aller Zeiten zählen. Bei ihm ist Geldanlegen keine langweilige Zahlenauswertung am heimischen Computer, sondern eine Kette von außergewöhnlichen, nicht selten gefährlichen Ereignissen.

          Der Zeichner Kaoru Kurotani hat unter dem Titel „Mark Mobius“ einen Comic über das Leben des Investors verfasst.

          Mobius selbst hat solche Anekdoten geschickt zu seinem Markenzeichen gemacht, immer wieder gibt er beispielsweise folgende Geschichte zum Besten, die sich 1986 zugetragen hat. Mobius war damals mit Kollegen in Manila unterwegs, man wollte einige vielversprechende Firmen besuchen.

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