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Märkte : Die Schwellenmärkte sind zurück

  • -Aktualisiert am

Wachstumsmarkt: Produktion bei Bosch in Bangalore Bild: dpa

Die Schwellenmärkte inszenieren ein Comeback, gestärkt durch steigendes Vertrauen der Investoren, meint Aktienstratege Alec Young von Standard & Poor's.

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          Der MSCI Emerging Markets-Index, der durch einen Exchange Traded Fund (EEM) nachgebildet wird, hat sich von seinen Tiefständen im Juni erholt und einen Kurswechsel eingeschlagen, wobei er zwischen dem 13. Juni und dem 20. Oktober auf Dollarbasis um 24 Prozent gestiegen ist. Er verzeichnet einen deutlichen Jahresgewinn von 14,2 Prozent und in den vergangenen fünf Jahren von mehr als 200 Prozent.

          Der Index setzt sich aus 850 Aktien mit einer mittleren Marktkapitalisierung von 1,7 Milliarden Dollar aus 25 Schwellenländern in drei ausgedehnten geographischen Regionen zusammen: Lateinamerika, Asien, Europa und dem Mittleren Osten. S&P empfiehlt derzeit einen Aktienanteil von fünf Prozent für die Anlagen in Schwellenmärkten.

          Investoren vertrauen auf Schwellenländer-Wachstum

          Da die Wirtschaft eines Schwellenlandes bei einem relativ niedrigen Pro-Kopf-Inlandseinkommen stark vom Export abhängt, geht S&P davon aus, daß ein gestärktes Vertrauen in die Fähigkeit der amerikanischen, europäischen und japanischen Wirtschaft eine Rezession im Jahr 2007 vermeiden zu können, in hohem Maße für die verbesserte Wertentwicklung von Aktien aus Schwellenmärkten verantwortlich ist.

          Bild: Bloomberg

          Das Prognoseunternehmen Global Insight rechnet für 2007 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2007 weltweit um 3,2 Prozent, deutlich weniger als die für 2006 prognostizierten 3,9 Prozent. Auch in Schwellenländern wie China, Indien, Taiwan, Südkorea, Rußland und Brasilien wird mit Wachstum gerechnet.

          Das Vertrauen der Investoren, daß sich dieses Wachstum, wenn auch in etwas geringerem Tempo als in den vergangenen Jahren fortsetzen wird, reduziert die Risikoaversion und ist der Treibstoff der verbesserten Wertentwicklung. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds entfallen auf die Wirtschaften der Schwellenländer derzeit 27 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes.

          Rohstoffpreise sind nicht alles

          Zudem hat das langsamere Tempo des weltweiten Wirtschaftswachstums die Rohstoffpreise zurechtgestutzt. Unserer Meinung nach hat das wiederum die Inflationserwartungen gemildert und die Wahrscheinlichkeit künftiger aggressiver Zinssatzerhöhungen durch die Zentralbanken verringert. S&P geht davon aus, daß die amerikanische Notenbank den Leitzins nicht weiter erhöhen wird und daß die Terminmärkte niedrigere Erwartungen widerspiegeln, was den restriktiven Kurs der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan im kommenden Jahr angeht.

          Niedrigere Rohstoffpreise haben den Rohstoff- und Energiesektor getroffen, die zusammen 30,2 Prozent des MSCI Emerging Markets-Index ausmachen. Diese Schwäche wurde jedoch vom höheren Vertrauen in zukünftige Exporte und durch die Wachstumsaussichten für die Binnenwirtschaft in konjunkturabhängigen Sektoren wie Industriegütern, Informationstechnologie, dauerhaften Konsumgütern und Finanzdienstleistern ausgeglichen. Zusammen machen diese 50,9 Prozent des Index aus. Deshalb scheint uns die oftmals gebetsmühlenartig wiederholte Bären-Aussage übertrieben, daß Aktien aus Schwellenmärkten ohne starke Rohstoffpreise keine überdurchschnittliche Wertentwicklung verzeichnen können.

          KGV hat noch Luft

          Die Volatilität der Schwellenmärkte wird durch die Inflation indes verstärkt. Jedoch, auch wenn die Inflationsraten immer noch hoch sind, so sind sie jedoch in den vergangenen Jahren in den Schwellenländern gesunken. So fiel die Inflation zum Beispiel in Rußland im vergangenen Jahr von 27,7 Prozent im Jahr 1998 auf 12,7 Prozent und in Indonesien im selben Zeitraum von 58,5 auf 10,5 Prozent.

          Im kommenden Jahr wird der MSCI Emerging Markets-Index trotz der durchschnittlichen Erwartung eines starken Anstiegs der Unternehmensgewinne um zwölf Prozent in den Schwellenländern mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,8 gehandelt werden. Der Mittelwert des historischen Bewertungsbereichs des Index beträgt das11,5fache des erwarteten Gewinns je Aktie. Geht man davon aus, daß künftige Daten auf ein abnehmendes, aber nicht zusammenbrechendes weltweites Wachstum hindeuten, so kann das KGV der Schwellenmärkte auf 11,5 steigen.

          Bei einer Steigerung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses und einer Dividendenrendite von 2,5 Prozent können diese Märkte unserer Meinung nach eine Gesamtrendite über zwölf Monate von zehn bis 15 Prozent abwerfen und damit wahrscheinlich die meisten entwickelten Märkte überflügeln.

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