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Londoner Banken : Kündigungswelle rollt über die City

  • -Aktualisiert am

Mit den Entlassungen bei Lehman fing alles an Bild: AFP

Der Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt bleibt hart für Londoner Banker, Jobangebote sind rar. Insgesamt werden 62.000 Stellen gestrichen - es gibt kaum eine Bank, die beim Personal nicht den Rotstift ansetzt. Wer kann, klammert sich an seine Stelle.

          In der Londoner City nehmen die Kündigungen kein Ende. In diesen Tagen haben zahlreiche Mitarbeiter von Dresdner Kleinwort einen Brief mit dem Hinweis auf eine mögliche Kündigung erhalten. Im Rahmen der Zusammenführung des Londoner Geschäfts von Dresdner Kleinwort und Commerzbank sollen 1.200 Stellen beider Institute gestrichen werden. Es wird vor allem das Aktiengeschäft von Dresdner Kleinwort, das britische Übernahmegeschäft und den Eigenhandel treffen.

          Mit dem Arbeitsplatzabbau wird ein Drittel der derzeit beschäftigten 3.300 Mitarbeiter von Dresdner Kleinwort und Commerzbank in London entfallen. Nach britischem Arbeitsrecht muss bei einer Kündigung von mehr als 100 Mitarbeitern eine dreimonatige Konsultationsfrist eingehalten werden. Während dieser Zeit werden von dem Arbeitgeber mit Arbeitnehmervertretern Abfindungsangebote verhandelt.

          Die meisten Kündigungen erfolgen ohne großes Aufsehen

          Diese Konsultationsprozesse laufen derzeit in zahlreichen Instituten der Londoner City. Es gibt kaum eine Bank in Europas größtem Finanzzentrum, die derzeit nicht den Rotstift bei den Personalkosten ansetzt. Nomura entlässt fast 1.000 Mitarbeiter, nachdem die japanische Bank im vergangenen Herbst die meisten Londoner Angestellten von Lehman Brothers übernommen hatte. Die amerikanischen und Schweizer Banken haben in London Personal entlassen.

          Allein die Bank of America und die von ihr übernommene Investmentbank Merrill Lynch kürzten die gemeinsame Mitarbeiterzahl in London um 1.900 Arbeitsplätze. Royal Bank of Scotland hat gerade verkündet, in den kommenden zwei Jahren 9.000 Arbeitsplätze zu streichen, davon die Hälfte in Großbritannien, also auch in London. Die Deutsche Bank will ihr Personal im Bereich Global Markets um 900 Stellen reduzieren.

          Welche Banken exakt wie viele Arbeitsplätze gestrichen haben, ist in der Londoner City notorisch schlecht zu erfassen, weil die Banken nur große Massenentlassungen bekanntgeben. Die meisten Institute bemühen sich hingegen, ihre Mitarbeiterzahl kontinuierlich, ohne öffentliches Aufsehen durch die systematische Auslese erfolgloser Mitarbeiter zurückzufahren.

          Viele Banken teilen nicht einmal mit, wie viele Mitarbeiter sie in London exakt beschäftigen, so die Deutsche Bank. Als größter Arbeitgeber in der Londoner City arbeiteten einmal mehr als 10.000 Angestellte für die Bank in London. Dies dürfte sich - wie bei allen großen Investmentbanken - geändert haben.

          Wer kann, klammert sich an seine Stelle

          Auf dem Höhepunkt der Bankenhausse vor der Finanzkrise im Sommer 2007 arbeiteten in der Londoner Finanzbranche rund 350.000 Menschen. Das Centre of Economic and Business Research (CEBR) schätzt, dass im vergangenen Jahr 28.000 Stellen fortgefallen sind und in diesem Jahr nochmals 34.000 Arbeitsplätze der Sparwelle zum Opfer fallen werden. Neben den Banken trifft die Kündigungswelle Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer, Finanzberater, Technologie-Anbieter, Catering und die Gastronomie.

          Für die Banker, die nach einem neuen Job Ausschau halten, sind schwere Zeiten angebrochen. Im Februar gab es in der Londoner City 62 Prozent weniger neue, vakante Stellen als noch vor einem Jahr. Arbeitslose Banker mussten im Durchschnitt zwei Monate suchen, bis sie wieder einen neuen Anstellungsvertrag unterschreiben konnten.

          Anfang vergangenen Jahres hatten sie ihren nächsten Arbeitgeber meist schon nach einem Monat gefunden, sagt die Personalberatungsgesellschaft Morgan McKinley. Wer kann, klammert sich daher an seine Stelle. Daher erkundigten sich im Februar 34 Prozent weniger Bankangestellte als im Vorjahr nach einem Jobwechsel.

          Mietindex um 18 Prozent gefallen

          Auch das Securities & Investment Institute (SII) bleibt von der Flaute in der Branche nicht verschont. Wollen Bankangestellte als Makler, Fondsmanager oder Investmentbanker eingesetzt werden, müssen sie sich vor dem SII qualifizieren. Die Ankündigungen für die Fachprüfungen beim SII liegen um 17 Prozent unter dem Vorjahreswert.

          Am deutlichsten ist die Bankenkrise auf dem Londoner Immobilienmarkt, vor allem in der Londoner City, zu spüren. Im vergangenen Jahr wurden in der Bankenmeile 18 Prozent weniger Bürofläche neu bezogen als 2007. Dennoch steigt das Angebot an Büroraum, weil Gebäude, mit deren Bau während des Kreditbooms begonnenen wurde, in diesem Jahr fertig gestellt werden.

          Die Quote leerstehender Flächen stieg im Jahr 2008 daher zeitweilig bis auf 7 Prozent. Nach Angaben der Corporation of London und der Immobilienagentur Richard Ellis ist der Mietindex in der City im vergangenen Jahr um fast 18 Prozent gefallen.

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