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Lebensversicherungen : Besser verkaufen als stornieren

  • -Aktualisiert am

Jede zweite Kapitallebensversicherung wird gekündigt. Das ist allerdings keine gute Idee. Wer Geld braucht, sollte sie verkaufen. Denn das bringt zumindest in der Regel deutlich mehr.

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          Wolfgang Meyer ist ein richtiger Pechvogel. Zuerst ist seine Frau davongelaufen. Dann hat ihn sein Chef entlassen. Und nun wachsen dem 47jährigen auch noch die Schulden über den Kopf. Meyer braucht dringend Geld. Doch woher? Am besten eigne sich wohl die Lebensversicherung, denkt er. Vor acht Jahren hatte er sie als Altersvorsorge abgeschlossen und bisher immer brav die Prämien gezahlt.

          Ein typischer Fall: Rund 30 Millionen Deutsche besitzen Lebensversicherungen, insgesamt 91 Millionen Verträge. Doch weniger als die Hälfte davon erfüllen die Versicherten bis zum Ende, meist wegen Arbeitslosigkeit und Scheidung. Jedes Jahr geht daher das Stornovolumen in die Milliarden. Besonders stark in die Höhe schießt es in wirtschaftlich schlechten Zeiten. So wuchs es 2003 auf 12,3 Milliarden Euro an.

          Die meisten Versicherten machen mit einer Kündigung ein schlechtes Geschäft

          Daß die meisten Versicherten mit einer Kündigung ein schlechtes Geschäft machen, beachten sie am Ende nicht mehr. Sie wären im nachhinein in vielen Fällen besser dran gewesen, wenn sie ihr Geld auf ein Sparbuch gelegt hätten, als es einer Versicherung anzuvertrauen. Denn die bezahlt in den ersten Jahren zunächst einmal ihre Vertreter, die den Vertrag hereingeholt haben. Dann berechnet sie im Zweifel großzügig ihre eigenen Verwaltungskosten. Und auch bei der Kündigung langt die Assekuranz noch mal zu, indem sie den Rückkaufwert niedrig rechnet.

          Meyers Versicherung sagt ihm, sein Vertrag sei 100.000 Euro wert. Doch tatsächlich würde er nur 93000 Euro erhalten. Der Grund: Er müßte noch 7.000 Euro Kapitalertragsteuer auf den Zinsanteil zahlen, weil sein Police noch keine zwölf Jahre läuft.

          Verkauf eines Versicherungsvertrages bringt deutlich mehr

          Wolfgang Meyer will schon akzeptieren, als er im Internet die Offerte von Exchange-Plus entdeckt. Die Gesellschaft kauft Lebensversicherungen auf und würde ihm 104.000 Euro auszahlen. Das wären 11.000 Euro oder 11,8 Prozent mehr als bei seiner Versicherung. Er müßte keine Steuern zahlen, und sogar sein Todesfallschutz bliebe erhalten.

          Daß er die Alternative überhaupt entdeckt, ist schon ungewöhnlich. Denn den meisten Kunden ist überhaupt nicht bekannt, daß es diese Möglichkeit gibt. Deshalb verlangen Zweitmarktanbieter wie Marktführer Cashlife aus München, daß Versicherungsvertreter künftig jeden Kunden über den etwaigen Verkauf einer Police aufklären müssen. Das solle im neuen Gesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) festgeschrieben werden.

          Gute Erfahrungen seien seit dem Jahr 2002 mit solch einer Regel in Großbritannien gemacht worden, argumentiert die kleine Branche, die sich im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e.V. zusammengeschlossen hat. Auf der Insel sind die Gesellschaften selbst verpflichtet, stornowillige Kunden auf den Zweitmarkt aufmerksam zu machen. Die Folge: In Großbritannien geht der Handel mit Lebensversicherungen in die Milliarden. "Der britische Zweitmarkt zeigt, daß letztlich alle Beteiligten profitieren", argumentieren die deutschen Aufkäufer. "Der Versicherer verringert seine Stornoquote, der Versicherte kann seine Police zu einem deutlich höheren Preis veräußern als durch Stornierung, und der Investor profitiert vom Wert einer weitergeführten Police."

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