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Länderfonds : Risiken für Ungarn-Fonds steigen

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Die Börse gibt Ferenc Gyurcsány einen Vertrauensvorschuß Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der „Magyar Budapest Fund“ von Berenberg ist einer der wenigen Fonds, die sich auf Ungarn konzentrieren. Der Fonds läuft gut - doch wie lange noch, wenn die Regierung die Wirtschaftprobleme nicht in den Griff bekommt?

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          Mit satten Kursgewinnen hat der „Berenberg Global Opportunity - Magyar Budapest Fund“ seine Anleger in den vergangenen Jahren beglückt. Der Fonds ist einer der wenigen, die sich auf Ungarn konzentrieren, und die Performance kann sich wirklich sehen lassen: In fünf Jahren legte der Fonds mehr als 150 Prozent an Wert zu, auf Sicht von einem Jahr beträgt das Plus knapp 63 Prozent. Allein in den vergangenen vier Wochen hat der Fonds fast sieben Prozent zugelegt (Isin LU0106280752).

          Die Entwicklung des Fonds hängt natürlich zusammen mit dem hervorragenden Lauf der ungarischen Börse. Seit den Parlamentswahlen im April geht es munter weiter bergauf. Die Anleger geben der neuen Regierung einen Vertrauensvorschuß.

          Doch die Wirklichkeit wird die Regierung und die Finanzmärkte wieder einholen, sagen die Experten der Raiffeisenbank in Wien voraus. Die Wirtschaftsschwierigkeiten Ungarns liegen in einem Leistungsbilanzdefizit und einem ausufernden Haushaltsdefizit. Die Probleme des Landes werden sich vor allem auf die Währung und die Staatsanleihen auswirken, dürften aber auch am Aktienmarkt nicht spurlos vorübergehen.

          Der Index eilt von Hoch zu Hoch

          Rating-Agenturen drohen mit Herabstufung der Bonität

          Die wiedergewählte Regierung des Postkommunisten und Millionärs Ferenc Gyurcsány steht vor großen Herausforderungen. Ungarn galt lange als Musterschüler, hatte das Land doch bereits in den achtziger Jahren zaghafte Reformen gewagt und insofern einen Vorsprung gegenüber seinen einstigen „sozialistischen Bruderländern“. Doch dieser verführte offenbar zu Leichtsinn. Inzwischen ist die Volkswirtschaft derart aus den Fugen geraten, daß Rating-Agenturen mit der Herabstufung der Bonität drohen. Damit wäre die wirtschaftliche Einbahnstraße Ungarns Richtung Westeuropa zunächst am Ende.

          Aus dem Musterschüler ist an den Finanzmärkten schon ein Sorgenkind geworden. Die für 2010 geplante Einführung des Euro ist zumindest gefährdet. „2010 ist für Ungarn derzeit nicht realistisch“, sagt Zsolt Papp, Analyst von ABN Amro in London. Alle anderen EU-Beitrittsländer, sogar das Nicht-EU-Mitgliedsland Rumänien, stünden derzeit wirtschaftlich besser da.

          Das ist auch für den Aktienmarkt gefährlich - schließlich war es in jüngster Vergangenheit zu einem guten Teil die Konvergenzphantasie vor der Euro-Einführung, die die Kurse nach oben trieb.

          Regierung kündigt Reformen an - doch werden sie auch umgesetzt?

          Als die Sozialisten vor vier Jahren die bürgerliche Regierung von Viktor Orban ablösten, erfüllte der damalige neue Ministerpräsident Peter Medgyessy ein Wahlversprechen: die Verdoppelung der Gehälter der Staatsbediensteten. Seither hat die sozialistisch-liberale Regierung das Haushaltsdefizit nicht mehr im Griff. 2005 soll es auf mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen sein.

          In diesem Jahr rechnen Experten mit einem Defizit von bis zu zehn Prozent des immerhin um rund vier Prozent wachsenden Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nach den Maastricht-Kriterien, die zwei Jahre vor der Euro-Einführung erfüllt sein müssen, sind nur drei Prozent erlaubt. Der negative Leistungsbilanzsaldo beträgt mehr als sieben Prozent des BIP.

          Der neue Ministerpräsident Gyurcsány erklärt, er nehme die Sorgen der Märkte ernst. Er kündigte unmittelbar nach den Wahlen die härtesten Reformen seit der politischen Wende an. Doch ABN-Analyst Zsolt Papp bleibt angesichts der vierjährigen Bilanz der Regierung skeptisch. „Worte von der Regierung gab es genug. Wir erwarten jetzt Taten.“ Doch Papp meldet Zweifel am politischen Willen an. Den Analysten der Raiffeisenzentralbank erscheint zudem die aus Budapest kolportierte Höhe der Einsparungen im Budget unzureichend.

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