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Länderanalyse : Alarmstufe rot in Spanien?

  • -Aktualisiert am

Bild: DB Global Markets Research

Die Schulden spanischer Haushalte und Unternehmen steigen und steigen. Dazu droht die Immobilienblase zu platzen. Nach großen Erfolgen muss der Aktienmarkt auf der iberischen Halbinsel kritisch betrachtet werden.

          3 Min.

          In Spanien konnten Anleger in den vergangenen Monaten viel Geld verdienen. Der wichtigste Index des spanischen Aktienmarktes, der Ibex 35, legte im vergangenen Jahr mehr als 30 Prozent zu. Spanienfonds gehörten zu den großen Gewinnern, bei den Länderfonds schnitten nur noch Schwellenländer wie China, Indonesien oder Russland besser ab.

          Dass Spanien bei den Anlegern so beliebt ist, ist durchaus gerechtfertigt - das Land gehört wirtschaftlich schließlich inzwischen zu Europas Musterschülern. Arbeitsmarktreformen, eine liberale Einwanderungspolitik und eine umsichtige Fiskalpolitik haben dem Land geholfen, auf die Beine zu kommen. Dazu kommt, dass sich die Infrastrukturinvestitionen, zum großen Teil finanziert mit EU-Geldern, auszuzahlen beginnen.

          Die Haushalte verschulden sich immer mehr

          „Spanien ist unter den großen Volkswirtschaften der Eurozone die Boomregion“, schreiben die Volkswirte der Dekabank in ihrer jüngsten Länderanalyse vom November. „In den letzten drei Jahren nahm das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) jeweils mit Raten von über drei Prozent zu.“ Die Arbeitslosigkeit sinkt seit etwa vier Jahren, die Zahl der Beschäftigten steigt fast linear.

          Was will man mehr? Nun, die Schulden der Unternehmen und Haushalte wachsen und wachsen, und das Ausland pumpt eifrig Geld auf die iberische Halbinsel. Bei steigenden Zinsen hätten viele zu kämpfen - und das könnte unangenehm für Spaniens Finanzmärkte werden, so das Fazit der Deutschen Bank in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Studie (siehe Grafiken).

          Enorme Zinsrisiken

          Die Verschuldung der spanischen Haushalte hat sich nach OECD-Daten von 1995 bis 2004 fast verdoppelt auf 103 Prozent des Haushaltseinkommens - und ist seither weiter gestiegen. Sehr viel dieses Geldes steckt in Immobilien. Ein möglicher Einbruch des Immobilienmarktes ist deshalb auch das größte Risiko für Spaniens Wirtschaft, das Experten derzeit sehen.

          Etwa 86 Prozent des Vermögens spanischer Haushalte steckt in Immobilien. Dazu kommt, dass 97 Prozent der Hypotheken an die Entwicklung des einjährigen Zinses gekoppelt sind - die Haushalte sind also extremen Zinsrisiken ausgesetzt. Der Schuldendienst für das eigene Haus macht inzwischen fast 30 Prozent des frei verfügbaren Einkommens aus.

          Skepsis ist angebracht

          Auch die Unternehmen verschulden sich kräftig: Im Euroraum sind die Schulden der Unternehmen, Banken ausgenommen, von 2003 bis 2006 von 48 Prozent des BIP auf 53 Prozent gestiegen. In Spanien stieg diese Quote in der gleichen Zeit von etwa 50 Prozent auf 77 Prozent, schreibt Susana Garcia-Cervero vom „Global Markets Research“-Teams der Deutschen Bank. Den Großteil dieses Kreditwachstums verursachten Unternehmen, die mit dem Bauboom ihr Geld verdienen.

          Die Deutsche Bank will Spaniens Erfolge nicht klein reden, die Risiken aber auch nicht verschweigen. Besonders skeptisch sei man bei Anlageklassen, die eng mit dem spanischen Immobilienmarkt verbunden sind. Das gilt nicht nur für Aktien der Branche, sondern auch für Anleihen von staatlichen Emittenten, die mit entsprechenden Steuern zurückgezahlt werden müssen.

          Für einen Einstieg ist es zu spät

          Ein Blick auf die größten Gewinner am spanischen Aktienmarkt zeigt, dass es tatsächlich vor allem der Immobilienboom war, der die Kurse getrieben hat: Größter Gewinner im Ibex 35 war im vergangenen Jahr Metrovacesa mit einem Kursplus von mehr als 150 Prozent - ein Immobilienunternehmen. Auf Platz zwei mit einem Plus von knapp 127 Prozent folgt Sacyr Vallehermoso - ein Bau- und Immobilienkonzern. Beide Titel notieren nahe ihrer kürzlich erreichten Rekordhochs.

          Für Anleger stellt sich die Frage, wie sie sich am spanischen Aktienmarkt positionieren sollten. Klar ist, dass die Risiken enorm sind: Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter erhöht - derzeit spricht wenig dagegen -, bekommen die spanischen Haushalte immer größere Probleme, ihre Schulden zu bezahlen. Wenn gleichzeitig noch ihre Immobilie an Wert verliert, wird es wirklich kritisch. Das könnte die spanische Wirtschaft nicht spurlos verkraften.

          Wer noch nicht investiert ist, sollte darum seine Finger vom spanischen Aktienmarkt lassen. Für einen Einstieg scheint es definitiv zu spät zu sein. Anleger, die bereits spanische Aktien oder Fonds im Depot haben, müssen sich überlegen, ob sie Gewinne mitnehmen wollen. Sie können ihre Wertpapiere auch noch halten - bisher ist schließlich alles gut gegangen, und warum sollten die Kurse ausgerechnet in den kommenden Tagen einbrechen? Selbst wenn der Markt zehn Prozent verliert, können sich viele mit einem ordentlichen Plus aus Spanien verabschieden.

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