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Kursrutsch an Wall Street : Ein Zeichen der Schwäche

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Den fünftgrößten Kursrutsch erlebten die Standardwerte an Wall Street am Mittwochabend - ohne dass es einen spektakulären Anlass gegeben hätte. Doch immer stärker wird die Stimmung durch Faktoren belastet, die die amerikanische Wirtschaft nachhaltig schwächen können.

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          Die Zinssenkung durch die amerikanische Notenbank Fed, auf die die Börsianer in der vergangenen Woche noch alle Hoffnung gesetzt hatten, dass sie die Wirtschaft beflügeln und die Kurse treiben möge und deren Wirkungen schon tags darauf verpufften, scheint sich endgültig als kurz wirkendes Rauschmittel erwiesen zu haben.

          Denn seitdem die Hoffnung erfüllt und der Zinsschnaps ausgetrunken ist, haben die Anleger festgestellt, dass die Sorgen dadurch nicht geringer geworden sind - vielleicht sogar im Gegenteil. Das zeigte sich am Mittwochabend in aller Deutlichkeit an der Kursentwicklung an Wall Street.

          Fünftstärkster Rückgang des Jahres

          Der 30 Werte enthaltende, renommierte Leitindex Dow Jones Industrial fiel um 2,6 Prozent oder 361 Punkte auf 13.300 Zähler. Dies war der fünftstärkste Rückgang an einem Tag in diesem Jahr. In der bis 1896 zurückreichenden Geschichte des Dow rangiert dieser Tag damit auf Platz 15. Allerdings muss man einschränkend hinzufügen, dass der prozentuale Rückgang keinerlei Rekordverdacht erregen kann.

          Der marktbreite S&P-500-Index fiel noch stärker um 2,9 Prozent oder 45 Punkte auf 1.476 Stellen. Das war der zweitgrößte Punktverlust des Jahres und mithin der zehngrößte seiner bis 1950 zurückreichenden Berechnung. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 2,7 Prozent oder 76 Punkte auf 2.749 Zähler.

          Es war eine Kombination von Hiobsbotschaften, die die Aktien bereits zum Start unter Druck brachte. Zum einen hatte der Dollar neue historische Tiefstände erreicht. Am Donnerstag hat er sich zwar etwas erholt, dennoch kostet ein Euro immer noch 1,4643 Dollar. Das verbilligt zwar amerikanische Exporte und wirkt somit tendenziell dem immensen Leistungsbilanzdefizit des Landes entgegen. Gleichzeitig aber begünstigt es Geldanlagen in Fremdwährung. Was Wunder also, wenn die Börsianer weltweit ihre Mittel derzeit weniger gern in den Vereinigten Staaten anlegen - ganz abgesehen einmal von dem Zeichen der Schwäche, das die größte Volkswirtschaft der Erde damit ausstrahlt.

          Starkes Öl und schwacher Dollar

          Diese Wirkungen wurden am Mittwoch dadurch verstärkt, dass Aussagen zu hören waren, wonach China seine Währungsreserven weiter diversifizieren will. Das würde angesichts des hohen Bestands des Landes weiter massiven Druck auf den Dollar ausüben.

          Zudem verzeichnete der Ölpreis ein neues Hoch. „Die Energiepreise scheinen außer Kontrolle zu sein“, sagte Cummins Catherwood von Rutherford, Brown & Catherwood. Mittlerweile glauben immer weniger Anleger, dass die Weltwirtschaft die steigenden Rohstoffpreise noch so einfach wegstecken kann. Überdies mehren sich die Inflationssorgen, allzumal die Fed mit ihren Zinssenkungen diese nunmehr begünstigt und nicht gegensteuert.

          Inwieweit in diesem Zusammenhang Kommentare aus den Reihen der Zentralbank nützen, dass sich das Wachstum in den Vereinigten Staaten nur kurzfristig verlangsamen werde und die Bank mit Blick auf die Rekordstände beim Öl nicht überreagieren solle, wie es Fed-Gouverneur Frederic Mishkin tat, ist fraglich. Vielmehr kann dies auch als Unterschätzung der Inflationsgefahr gewertet werden.

          Kreditkrise belastet

          Wenngleich es keine neuen Erkenntnisse zum Thema Hypothekenkredite gab, schwebt die Krise doch weiter latent über den Finanzmärkten, wie Händler sagten. Marktbeobachter halten weitere milliardenschwere Abschreibungen im Finanzsektor in den kommenden Wochen und Monaten für wahrscheinlich.

          Die Aktie von Morgan Stanley etwa verlor 6,1 Prozent auf 51,19 Dollar. Beobachter halten es für möglich, dass die Investmentbank im vierten Quartal 3 bis 6 Milliarden Dollar abschreiben könnte.

          Die Investmentbank Merrill Lynch, die bereits im dritten Quartal immens Abschreibungen getätigt hatte, revidierte ihre früheren Angaben zu ihrem Engagement in komplexe Schuldverschreibungen und zweitklassigen Hypothekenkrediten um 6,3 Milliarden Dollar nach oben. Insgesamt summierten sich die Geschäfte des Konzerns mit diesen Finanzinstrumenten nun auf 27,2 Milliarden Dollar.

          Zudem warnte die größte amerikanische Sparkasse Washington Mutual, die Probleme am Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten würden auch 2008 anhalten, die Kreditausfälle zunehmen und die Hypothekenvergabe auf ein Acht-Jahres-Tief fallen.

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