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Kursrutsch an Wall Street : Ein Zeichen der Schwäche

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Nicht helfen konnten in diesem Spannungsfeld überraschend positive Konjunkturdaten. Sowohl die Produktivität als auch die Lohnstückkosten haben sich im dritten Quartal besser als erwartet entwickelt. Auch die Daten zu den Lagerbeständen im Großhandel für September
spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Schlechte Unternehmensnachrichten

Aus dem Unternehmenssektor gab es obendrein schlechte Nachrichten. Der angeschlagene Autobauer General Motors hat ungeachtet eines Rekordumsatzes von 43,1 Milliarden Dollar im dritten Quartal einen Nettoverlust von 39 Milliarden Dollar verbucht. Dieser wirkt sich zwar nicht auf die Liquidität aus, weil die Ursache in 38,6 Milliarden Dollar schweren Abschreibungen auf latente Steuern zu suchen ist. Nichtsdestoweniger war dies ein schwerer Rückschlag auf dem Sanierungskurs. Für die Aktie ging es daher um 6,1 Prozent auf 33,95 Dollar nach unten.

Auch nach Börsenschluss beruhigte sich die Lage nicht. Enttäuschend fielen die Ergebnisse des Netzwerkausrüsters Cisco Systems aus. Mit Äußerungen über Probleme auf dem amerikanischen Markt angesichts „dramatischer Rückgänge“ der Aufträge von amerikanischen Finanz- und Autofirmen schockierte der Konzern die gebeutelten Anleger. Im nachbörslichen Handel brach der Aktienkurs von Cisco um neun Prozent ein.

Nachhaltige Schwäche

Da die wahren Ursachen des Kursrutsches tiefer liegen und kein einmaliger Anlass der Auslöser war, könnten die Kursverluste vom Mittwoch nicht nur ein vorübergehender Einbruch bleiben. Dazu müsste erst der Dollar eine Kehrtwende machen. Doch aufgrund seines mittlerweile eingetreten Bedeutungsverlusts als Weltleitwährung ist hier keine nachhaltige Wende in Sicht, allzumal die europäische Wirtschaft keine nennenswerte Schwäche zeigt.

Auch die Ängste aus der Hypothekenkrise werden sich frühesten im kommenden Jahr verflüchtigen, wenn die Abschreibungen im vierten Quartal geringer als erwartet ausfallen sollten. Denn leider haben die Banken die Krise zulange herunter gespielt und dann oft erheblich mehr Kredite abgeschrieben als sie ursprünglich behauptet hatten tun zu müssen. Das hat das Vertrauen in die ausgewiesenen Geschäftszahlen nachhaltig beschädigt.

Am ehesten könnte noch der Ölpreisanstieg enden, der vor allem von politischen Unsicherheiten und dem fallenden Dollar getrieben wird, seine Ursachen aber auch in Spekulationen auf Knappheiten hat, die nach dem Dafürhalten zahlreicher Beobachter so gar nicht existieren. Ob das indes für eine Wende ausreichen würde, ist offen. „Es wird ein paar fiese Tage in den Vereinigten Staaten geben“, sagt auch Paul Xiradis von Ausbil Dexia.

Ansteckung in Asien

Die Schwäche der amerikanischen Börsen wirkt sich auch auf die Aktienmärkte in anderen Teilen der Welt aus. So riss sie zunächst die asiatischen Börsen klar ins Minus, an denen vor allem Finanzwerte zu den Verlierern zählten und Exporttitel unter dem infolge der Dollarschwäche starken Yen litten.

In Tokio rutschte der Nikkei-Index mit einem Minus von 2,02 Prozent auf 15.771 Zähler und damit den niedrigsten Stand seit zwei Monaten. Der breiter gefasste Topix-Index gab 2,55 Prozent auf 1.516 Punkte nach. Auch die Märkte in Seoul, Singapur, Schanghai, Taiwan und Hongkong erlitten größtenteils deutliche Verluste.

Besonders hohe Abschläge mussten Unternehmen wie Honda hinnehmen, deren Geschäftsentwicklung auch vom Markt in Übersee abhängt. Die Aktie des Autobauers gab 2,91 Prozent nach. Die Titel des Konkurrenten Toyota verbilligten sich gar um knapp 4,2 Prozent - trotz des am Dienstag vorgelegten Rekordergebnisses. Auch andere Schwergewichte wie Sony büßten an Wert ein.

Gute Zahlen könnten dem Dax nicht helfen

Auch die europäischen Aktienmärkte werden schwächer erwartet. Zur Eröffnung sagen Banken und Broker einen Abschlag im Dax von etwa 1,2 Prozent auf 7710 Punkte voraus. Helfen könnten indes die am Morgen vorgelegten Quartalszahlen einer ganzen Reihe von Unternehmen, die Händlern zufolge alles in allem relativ gut ausfielen.

Andererseits aber überwiegt die schlechte Stimmung und angesichts der starken Zahlen könnte sich sogar die Sorge vergrößern, das eine starke europäische Wirtschaft den Dollar weiter schwächt und dies über den Wechselkurs zu ihren eigenen Lasten geht. „An normalen Tagen würde das den Markt stützen, aber heute könnten sie Opfer einer echt miesen Stimmung werden“, warnt ein Börsianer mit Blick auf die Zahlen.

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