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Strategie : Kreditkrisen weiteten sich bisher immer auf die Realwirtschaft aus

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Bild: Wellenreiter-invest.de

An den Finanzmärkten geht es seit Tagen richtig zur Sache, vor allem auch am Desisenmarkt. Der Blick auf die Vergangenheit zeigt, dass Kreditkrisen bisher immer auch auf die Gesamtwirtschaft übergesprangen und nie schnell vorbei waren.

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          An den Finanzmärkten geht es schon seit Tagen richtig zur Sache. Das gilt nicht nur für die schwächelnden Börsen, die ihren „natürlichen Gegenpol“ - die Rentenmärkte - nach oben treiben, sondern auch für den Devisenmarkt. Dort kommt es nun offensichtlich zu einer deutlichen Korrektur der Fehlbewertungen, die in den vergangenen Jahren aufgrund der so genannten Carry Trades entstanden waren.

          Der völlig überbewertete Euro hat gegen den Yen innerhalb von 14 Tagen inzwischen mehr als acht Prozent verloren (siehe auchEuro-Yen bricht durch die 200-Tagelinie) , ausgeprägtere Verluste gab es bei Hochzins- und Commoditywährungen wie dem Neuseeland-Dollar und dem australischen Dollar gegen das amerikanische Pendant. Der Dax hat inzwischen ausgehend vom noch am 13. Juli markierten Allzeithoch von 8.151 Zählern mehr als zehn Prozent verloren.

          SMI und Stoxx 50 haben Aufwärtstrends schon gebrochen

          Noch hält er sich über dem mittelfristigen Aufwärtstrend. Andere europäische Indizes haben diesen inzwischen schon nach unten durchbrochen. Das gilt beispielsweise für den Schweizer SMI-Index oder auch für den Dow Jones Stoxx 50 Preis-Index. Das ist kein sonderlichgutes Zeichen, selbst wenn viele Anleger noch relativ optimistisch sind und Anlagestrategen bisher immer noch zum Einstieg in die Märkte blasen.

          Grundsätzlich sei die Weltwirtschaft robust, die Aktien vieler Unternehmen seien angesichts der Umsatz- und Gewinnentwicklung noch sehr günstig bewertet - und aus diesem Grund seien Aktien allemal attraktiver als Anleihen. Solche Argumente haben allerdings einen Haken: Sie orientieren sich vor allem an der Vergangenheit und der tendenziell positiven Interpretation von hereinkommenden Konjunktur- und Unternehmensdaten. Die jüngsten Ereignisse an den Kreditmärkten - ausgelöst von der schweren Krise am amerikanischen Häusermarkt - dagegen werden offensichtlich in ihrer Tragweite völlig unterschätzt.

          Denn wirkt die Häusermarktkrise über den Multiplikatoreffekt - alle damit auch nur im Entferntesten verbundenen Unternehmen werden ausgebremst ( die sich häufenden Pleiten von Hypothekarunternehmen spricht längst für sich )- alleine schon stark negativ auf die amerikanische Wirtschaft, so wird dieser Effekt nun noch dadurch verschärft, dass auch die Liquiditätsversorgung über „normalisierte“ Spreads und vor allem auch über striktere Kreditstandards eingedämmt wird. Auf diese Weise werden die amerikanischen Konsumenten gleich von zwei Seiten in die Zange genommen. Dabei lebten sie in den vergangenen Jahren doch stark auf Pump.

          Kreditkrisen waren nie schnell vorbei

          Nicht nur die in den Vereinigten Staaten wird es schwieriger als bisher, an Gelder heranzukommen. Denn da sich die amerikanische Krise über die Verbriefung und den Verkauf „des Giftmülls“ in Form amerikanischer Hypotheken schwacher Qualität inzwischen weltweit durch zunehmendes Mistrauen bemerkbar macht, werden sich auch hier die Folgen in der Realwirtschaft eher früher als später bemerkbar machen. Immerhin hängt bisher vieles direkt oder indirekt am amerikanischen Konsumenten - und der hat nicht nur hohe Schulden, sondern inzwischen schwinden auch die Jobs und die Einkommen.

          Nicht umsonst befindet sich das Vertrauen amerikanischer Hausbauer auf dem tiefsten Stand seit Jahrzehnten, geht die Anzahl verkaufter Automobile in Amerika dramatisch zurück und geben selbst Discounter wie Wal-Mart einen sehr skeptischen Ausblick. Und wo bezieht Wal-Mart einen großen Teil seiner Produkte her? Aus Asien. Aus diesem Grund lässt sich an Argumenten zweifeln, nach welchen sich die Weltwirtschaft von einer konjunkturellen Schwäche in den Vereinigten Staaten wird abkoppeln können.

          Der Blick auf die Vergangenheit zeigt, dass Kreditkrisen immer wieder nach längeren Phasen mit erhöhter Geldschöpfung auftreten. Genau die war in den vergangenen Jahren zu beobachten, da die Geldmengen beinahe weltweit schneller wuchsen, als das relevante Wachstum. Erste Warnzeichen zeigen sich dort, wo der Kreditboom besonders ausgeprägt war. In diesem Fall dürfte es sich um die Immobilienmärkte in den angelsächsischen Staaten, in den süd- und osteuropäischen Regionen und in weiten Teilen Asiens handeln. Drittens sind Kreditkrisen bisher immer auch auf die Gesamtwirtschaft übergesprungen und waren nie schnell vorbei. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, optimistische Argumente kritisch zu betrachten. Anleger sollten sich weiterhin defensiv positionieren.

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