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Kreditkrise : Erstes Aufräumen in den Bank-Bilanzen

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Nach der Schreckenswoche für die Finanzmärkte beginnen die Aufräumarbeiten. So beziffert die Commerzbank nun den Schaden. Und die EZB versorgt die Banken weiter mit Liquidität. Neue Schockwellen will aber niemand ausschließen.

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          Der große Sturm, der in der vergangenen Woche über die Banken hinweg fegte, scheint sich in dieser Woche gelegt zu haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) unterstützte die Erholung auch am Montag und schleuste zum dritten Mal in Folge zusätzliche Liquidität in das Bankensystem. 47,66 Milliarden Euro gab sie zu einem Zins von durchschnittlich 4,07 Prozent in den Markt. Damit folgte sie der Bank of Japan, die den Banken des Landes außerplanmäßig 600 Milliarden Yen (3,6 Milliarden Euro) zukommen ließ. Auch die amerikanische Notenbank hat dem Geldmarkt am Montag weitere zwei Milliarden Dollar Liquidität zukommen lassen.

          Die Finanzmärkte starteten entspannter in die neue Woche. Der Deutsche Aktienindex Dax lag im Handelsverlauf 0,8 Prozent im Plus bei knapp 7400 Punkten. Andere europäische Marktplätze wie London oder Paris verzeichneten sogar eine noch freundlichere Stimmung. Auch Finanztitel profitierten von der Aufwärtsbewegung. „Wenn die wichtigsten Notenbanken der Welt Liquidität zur Verfügung stellen, dann beruhigt das schon“, sagte der Aktienhändler einer Münchner Bank. „Allerdings ist die Höhe der Finanzspritze schon beachtlich. Daran kann man sehen, wie ernst die Notenbanken die Lage einstufen.“

          Verlustreiche Engagements der Commerzbank

          Die Commerzbank versucht nun, die Höhe ihrer Engagements genauer zu beziffern. Direkt getroffen wurde sie von der Pleite des amerikanischen Hypothekenfinanzierers Home Banc. Denn die Commerzbank habe dem Unternehmen Kredite in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe gewährt, sagte Bernd Knobloch, Vorstandsmitglied der Commerzbank, bei der Präsentation der Halbjahreszahlen der Tochtergesellschaft Eurohypo am Montag in Frankfurt. Zuvor hatte schon die WestLB ihr Engagement auf dem amerikanischen Markt für bonitätsschwache Immobilienkredite auf 1,25 Milliarden Euro beziffert (siehe auch: Gerüchte um die WestLB). Die Postbank ist nach eigenen Angaben mit 600 Millionen Euro betroffen.

          Schadensbeseitigung nach dem Sturm: Die Banken beziffern allmählich ihre Verluste

          Die Kredite der Commerzbank an Home Banc seien komplett abgesichert, hieß es. „Wir gehen davon aus, dass wir unsere Kredite über die Besicherung wieder zurückbekommen werden“, sagte Knobloch. Die Home Banc hatte Ende vergangener Woche Gläubigerschutz in den Vereinigten Staaten beantragt. Ihre Schulden beliefen sich auf 4,9 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro).

          Eurohypo will Verluste wettmachen

          Auch indirekt ist die Commerzbank getroffen über die Verluste, die ihr Immobilienfinanzierer Eurohypo infolge der amerikanischen Hypothekenkrise erlitt. Die Eurohypo hofft allerdings, ihre Verluste im dritten Quartal wieder wettmachen zu können. Die Bank werde aus dem Verkauf von Immobilien einen außerordentlichen Ertrag realisieren, der die entstandenen Wertverluste aus amerikanischen Investments von 30 bis 40 Millionen Euro ausgleichen werde, sagte Knobloch am Montag weiter.

          Im krisengeschüttelten amerikanischen Markt für zweitklassige Hypothekenkredite (Subprime) sei die Tochtergesellschaft der Commerzbank mit 850 Millionen Euro engagiert. „Bis heute gibt es daraus aber keine Rückstände“, sagte Knobloch.

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