https://www.faz.net/-gv6-quov

Kreditkrise : Der lange Arm der Verbriefungen

  • Aktualisiert am

Dürfen Inhaber verbriefter Anleihen überhaupt Zwangsversteigerungen einleiten? Bild: AP

Die Kreditkrise hält die Börsen in Atem: mal gibt es Hoffnung, mal Verzweiflung. Das liegt daran, dass sie eigentlich erst begonnen hat. Die Hebeleffekte und deren Ausmaß sind noch gar nicht absehbar.

          3 Min.

          Trotz so mancher Zwischenerholung laufen die Aktienkurse derzeit im wesentlichen rückwärts. Grund ist nach wie vor die Krise auf dem amerikanischen Immobilien- und vor allem Finanzierungsmarkt, dessen Auswirkungen, vor allem hinsichtlich von Sekundäreffekten, immer noch ungewiss sind.

          Bisweilen beruhigen sich die Gemüter und es folgt der Griff zu Aktien, dann wieder ziehen Schatten auf und verdunkelt sich der Himmel, vor allem dann wenn schlechte Nachrichten aus der Konsumgüterbranche an stehen wie am Donnerstag von J.C. Penney, die über einen dramatischen Umsatzrückgang berichteten oder Starbucks, deren Geschäft derzeit nicht allzu rund zu laufen scheint.

          Wer ist wichtiger als wie viel

          Die Unsicherheit resultiert aus der tiefen Integration volkswirtschaftlicher Systeme, in denen eine Datenveränderung an einer Stelle auch an weit entfernten Orten noch Wellen schlagen kann.

          Jan Hatzius, Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs für die Vereinigten Staaten, macht dies am Freitag in einer Kurzanalyse nur allzu deutlich. Nicht so dramatisch sei dabei, dass die Schätzungen für das Volumen der „Erstrundeneffekte“, also der Verluste vorwiegend aus Subprime- und Alt-A-Krediten, deutlich gestiegen seien und derzeit von rund 400 Milliarden Dollar auszugehen sei.

          Viel brisanter sei der Verortung der Kredite bei gehebelten Unternehmen wie Banken, Sparkassen, Wertpapierhändlern. Denn während diese Institutionen schätzungsweise weniger als 10 Prozent des inländischen Aktienvermögens hielten, befänden sich deutlich mehr als die Hälfte aller Hypothekenkredite in ihren Büchern.

          Und plötzlich ist es viel

          Im Unterschied zu Aktienanlegern pflegten diese aber ihre Vermögenspositionen an der Hebelung auszurichten. das bedeutet, dass sie bei einem Absinken ihres Vermögensbestandes auch ihre Kreditvergabe verringerten, und zwar üblicherweise proportional zu ihrer Eigenkapitalquote.

          Damit würden rund 200 Milliarden Verlust bei Hypothekenkrediten brutto eine Verringerung der Kreditvergabe von zwei Billionen Dollar nach sich ziehen, was zu entsprechenden Wachstumsverlusten führen könnte, die sich in einer scharfen kurzlebigen Rezession oder einer länger anhaltenden Wachstumsschwäche äußern dürfte.

          Änderungen in der Kreditvergabepraxis zeigen sich mittlerweile immer mehr. Mittlerweile müssen amerikanische Banken am Anleihenmarkt höhere Renditen bieten als Industrieunternehmen - zum ersten mal seit wenigstens einem Jahrzehnt. Ihr Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen belief sich zuletzt auf 149 Basispunkte gegenüber 134 für Industrieanleihen.

          Die Rache der Verbriefungswut

          Indes gibt es Hoffnungen. So werde ein Gutteil der Verringerung der Kreditvergabe von rund 500 Milliarden Dollar jährlich bereits durch den Einbruch der Immobilien- und Verbraucherkreditnachfrage aufgefangen, so Hatzius. Auch auf Anreize der Regulierungsbehörden setzt der Volkswirt, hält dies aber eher langfristig für wahrscheinlich. Kapitalmaßnahmen will er nicht ausschließen, es sei aber zu früh, um darüber zu spekulieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die neuen Vorsitzenden der SPD Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Umfrage : SPD gewinnt, AfD verliert

          Zum Abschluss ihres Parteitags gibt es für die SPD gute Nachrichten von den Meinungsforschern. Unter den neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans kann die Partei in der Wählergunst zulegen.

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.