https://www.faz.net/-gv6-wgs8

Kreditkartengeschäft : Banken dürfen Karten nicht ohne weiteres einziehen

  • Aktualisiert am

In Deutschland sind die gesetzlichen Regeln für Banken strenger als in Großbritannien Bild: AP

In Deutschland gibt es klare Gesetzesregeln, die festlegen, wie Banken mir ihren Kunden umgehen dürfen. Ein Vorgehen wie das der Egg-Bank in Großbritannien, die 161.000 Kreditkarteninhaber kündigte, wird es in Deutschland nicht geben.

          3 Min.

          Auch in Deutschland können Banken Kreditkartenverträge prinzipiell kündigen. Allerdings ist dies an Bedingungen geknüpft. „Die Kündigungsfrist für eine Kreditkarte liegt auch in Deutschland bei etwa sechs Wochen“, sagt Tanja Beller, Sprecherin des Bundesverbands der deutschen Banken in Berlin. Bankvertreter und Verbraucherschützer schließen jedoch eine Kündigungswelle wie bei der britischen Internetbank Egg aus. Diese hatte in den vergangenen Tagen 161.000 Kunden ihren Kreditkartenvertrag gekündigt.

          Getreu ihrem Motto „Bei uns weiß man, woran man ist“ hatte die Online-Bank den betroffenen Kunden per Post mitgeteilt, dass sie aufgrund einer einmaligen Neubewertung ein „nicht hinnehmbares Risikopotential“ für die Internetbank darstellten. Von den Kündigungen sind etwa 7 Prozent der insgesamt rund 2,2 Millionen Kunden betroffen. 35 Tage haben diese Kunden nun Zeit, ihre ausstehenden Schulden zu begleichen.

          Der kleine Unterschied

          Zu der Neubewertung war es gekommen, nachdem der amerikanische Finanzkonzern Citigroup im Mai 2007 die britische Bank zum Preis von 575 Millionen britischen Pfund (763 Millionen Euro) übernommen hatte und nun durch die Hypotheken-Krise in den Vereinigten Staaten arg gebeutelt wurde. Die Entscheidung der Egg-Bank hat in Großbritannien zu erheblichen Protesten geführt. Viele Kunden beschwerten sich, sie seien zu Unrecht aufgefordert worden, ihre Kreditkarte bei der Internetbank abzugeben. Dass auch finanziell unbescholtene Kunden betroffen sind, wundert Helga Springeneer, Finanzexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin, keineswegs: „Es trifft durchaus auch Kunden, deren Kreditrating exzellent ist.“

          Während in Deutschland per Kreditkarte bezahlte Beträge nach einem Monat meist automatisch vom Girokonto abgebucht werden, schließen Bankkunden in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien bei ihrer Bank spezielle Kreditkartenkonten ab. Diese Konten funktionieren wie eine Art Dauerkredit. Statt wie in Deutschland regelmäßig den vollen Monatsbetrag zu begleichen, genügt es dort, monatlich einen geringen Teil der Schuld zu tilgen. Der Vorteil für die Banken: Sie verdienen kräftig an den Zinsen.

          „Das hat zur Folge, dass gute Kunden auch schlechte Kunden sein können“, sagt Springeneer. „Kunden, die ihre Umsätze sofort begleichen, sind für die Banken in Großbritannien und den Vereinigten Staaten nicht interessant, da sie nur sehr geringe Einnahmen bringen“, erklärt die Verbraucherschützerin.

          Deutsche Kunden müssen sich keine Sorgen machen

          In Deutschland sieht es anders aus: Hier gibt es eine klare Rechtsprechung, wonach die Banken Kreditkarteninhabern, die nicht in Zahlungsverzug geraten sind, auch nicht kündigen dürfen. Hierzulande haben Geldhäuser ein großes Interesse an pünktlich zahlenden Kunden und prüfen in der Regel schon im Voraus, ob ihre Kunden kreditwürdig sind und wie stark sie aufgrund ihrer persönlichen Lage finanziell belastbar sind.

          „Durch die Kreditvergaberichtlinie in Deutschland werden potentielle Kunden genauer geprüft, bevor sie eine Kreditkarte erhalten“, sagt Christoph Schupp, Sprecher der Citibank Deutschland, die wie die Egg-Bank der Citigroup gehört. „Deshalb müssen sich die Kunden der Citibank in Deutschland keine Sorgen machen.“ Tanja Beller vom Bankenverband ist kein Fall bekannt, in dem eine Bank „in diesem Umfang ihren Kunden gekündigt hat“. Ähnlich schätzen die Verbraucherzentralen das Risiko für die Bankkunden ein: Zwar könne es immer zu einzelnen Kündigungen kommen, aber mit einer Welle wie bei Egg sei nicht zu rechnen, sagt Springeneer.

          Kunden können vorbeugen

          Um einer Kündigung des Kreditkartenvertrages vorzubeugen, sollte man am besten nicht ausschließlich bei einer Bank Kunde sein, sondern mehrere Konten gleichzeitig unterhalten und mehrere Karten beantragen - sofern dafür keine Gebühren anfallen. Wer seine Ausstände immer pünktlich begleicht, gibt seiner Bank ohnehin wenig Gründe, dass diese das Vertragsverhältnis aufkündigen will. Sollte es dennoch dazu kommen, ist das kein Grund zur Panik: „Es ist zwar ärgerlich, wenn einem die Kreditkarte gekündigt wird, problematisch wird es aber nur, wenn man die Schulden nicht sofort bezahlen kann und es dann zu Pfändungen kommt“, warnt Axel Drückler, Fachberater für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.

          Bedingt durch die negative Presse in Großbritannien könnte die Konkurrenz von ähnlichen Aktionen Abstand nehmen: „Der Imageschaden, den Egg durch diese Aktion genommen hat, könnte mittelfristig sogar größer sein als der finanzielle Vorteil durch das Abstoßen der 161.000 Kunden“, glaubt Verbraucherschützerin Springeneer.

          Weitere Themen

          Bafin warnt vor unwirksamen Zinsklauseln

          Prämiensparverträge : Bafin warnt vor unwirksamen Zinsklauseln

          Die Finanzaufsicht will, dass Banken eine Lösung für die häufig unwirksamen Konditionen von variabel verzinsten Sparverträgen finden. Demnächst ist ein wichtiges Gerichtsurteil zu dem zwischen Verbrauchern und Banken umstrittenen Thema zu erwarten.

          Topmeldungen

          CDU-Kandidat Röttgen : Ein Redner ohne eigene Truppen

          Geschätzt als Außenpolitiker, gescheitert als Landeschef – Norbert Röttgens Bewerbung für den CDU-Bundesvorsitz kommt unerwartet. Im Wahlkampf setzt er vor allem auf einen: sich selbst.
          Glänzt gern für Putin: Jelena Issinbajewa

          Jelena Issinbajewa : Die Allzweckwaffe des Kremls

          Sotschi, Syrien, IOC: Wenn Wladimir Putin ruft, ist Jelena Issinbajewa sofort zur Stelle. Jetzt schreibt die ehemalige Stabhochspringerin an Russlands neuer Verfassung mit – und sorgt für Spott und Häme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.