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Kreditkarten : Unter Beschuss

Nicht so sicher wie gewünscht Bild: dpa

Zuletzt haben es Kunden der Karstadt-Quelle-Bank zu spüren bekommen: Auch Betrüger lieben Kreditkarten. Gleichwohl wird das Bezahlen mit Karte immer sicherer.

          Kreditkartenbetrug gehört nicht zu den Lieblingsthemen der Banken und Kartenunternehmen. Viel lieber preisen sie die Sicherheit ihrer Produkte. Wenn doch mal ein Verdacht aufkommt, spricht man mit Blick auf Gegenmaßnahmen gerne von reiner Routine. So wie jetzt die Karstadt-Quelle-Bank, mit 900.000 Mastercards größter Herausgeber dieser Kartenmarke in Deutschland.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Institut hatte Mitte Oktober einen „eingegrenzten Kundenkreis“ über einen möglichen Missbrauch informiert. Eventuell könnten Daten während der Bezahlvorgänge in Spanien illegal von Magnetstreifen kopiert worden sein. Dabei handelt es sich unter anderem um Kreditkartennummern, die für Kriminelle viel wert sein können. Schätzungen zufolge werden für solche Informationen bis zu 30 Dollar je Karte bezahlt.

          El Dorado für Kunden und Betrüger

          „Diese Art von Kreditkartenbetrug hat in den letzten Jahren weltweit zugenommen“, sagt Karstadt-Quelle-Bank-Vorstand Samuel Peter. Mit den Kundensystemen seiner Bank habe sie aber nichts zu tun. Und zu keinem Zeitpunkt habe es illegale Zugriffe auf Kundendaten in den Datenbanken der Bank gegeben. Peter sprach mit Blick auf das Warnschreiben für die Kunden von einer „reinen Präventivmaßnahme“. Nicht angeschriebene Kunden seien nicht betroffen, bei ihnen bestehe „keinerlei Handlungsbedarf“.

          Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten des bargeldlosen Zahlens. Die Karte ist bequem, weit verbreitet - und nicht nur Kunden sehen sie gern, sondern auch Betrüger. Schließlich können die Gauner in einem riesigen Reservoir fischen: Alleine in Deutschland sind rund 112 Millionen Debit- und Kreditkarten ausgegeben. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2008 unter dem Stichwort „Betrug mit unbaren Zahlungsmitteln“ knapp 67.000 Fälle aus mit einem Schaden von 47 Millionen Euro.

          Stärkere Kontrollen des Handels und ein Sperrsystem namens Kuno (“Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen“) haben diese Zahlen in den vergangenen Jahren kräftig nach unten gedrückt: 2005 registrierte die Polizei noch gut 100.000 Fälle und einen Schaden von 62 Millionen Euro.

          Weniger Betrug

          Eine ähnlich rückläufige Entwicklung konstatieren auch die Kartenunternehmen. Ian Barber, Sicherheitsexperte des Anbieters Visa, nennt die Betrugssumme für sein Unternehmen: Fünf Cent pro 100-Euro-Transaktion im Bereich von Visa Europa entfallen demnach auf die Machenschaften von Gaunern. Dank wachsender Sicherheitsmaßnahmen - darunter die Einführung von Chip und PIN-Nummern - ist diese Quote gesunken. Vor drei Jahren lag der Betrugsanteil noch bei acht Cent je 100-Euro-Transaktion.

          Allerdings wäre es verfrüht, Entwarnung zu geben. Denn die Täter agieren internationaler und technisch versierter. Natürlich setzen Betrüger noch immer auf die Methode, vor Ort im Geschäft illegal Magnetstreifen auszulesen - wie offenbar unter anderem im jüngsten Fall der Karstadt-Quelle-Bank. Doch die Gauner - Visa-Fachmann Barber zufolge sind sie „sehr gut organisiert und international arbeitend“ - starten inzwischen die Hightech-Attacke. Sie versuchen, über das Internet Zugriff auf die Verarbeitungssysteme der Zahlungsfirmen zu bekommen.

          Tröstlich: Auch diese Profis fliegen auf. Der Computerhacker Albert Gonzalez, der für den größten Kreditkarten-Datenraub verantwortlich sein soll, wurde gefasst. Ihm wird zur Last gelegt, seit 2007 Daten von 130 Millionen Karten erbeutet zu haben.

          Das Bezahlen mit EC- oder Kreditkarte ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Der Anteil der Kartenzahlungen am Einzelhandelsumsatz stieg in den vergangenen elf Jahren von 23,5 (1997) auf 39,6 Prozent im vergangenen Jahr. Dies entsprach 2008 einem Umsatz mit Bank- und Zahlungskarten im Einzelhandel von 130 Milliarden Euro. Das Plastikgeld ist bequem und meistens auch sicher - wenn man sich an einige Ratschläge der Polizei hält:

          - Zahlungskarten niemals in Büro- und Arbeitsräumen, in Schwimmbädern, Krankenhäusern, Hotelzimmern und Autos liegenlassen, weder offen noch versteckt

          - Beobachten Sie bereits vor dem Geldabheben Ihr Umfeld. Achten Sie auf die äußere Beschaffenheit des Geldautomaten, melden Sie auffällige Veränderungen sofort der Polizei.

          - Beachten Sie alle Auflagen, die Ihr Geld- oder Kreditinstitut vertraglich mit Ihnen vereinbart hat. Lesen Sie vor allem die Abschnitte über die Haftung. Sie legen fest, welche Sorgfaltspflichten Sie im Umgang mit Ihrer Karte zu erfüllen haben.

          - Kreditkarten-/Bankkartenbelege sorgfältig aufbewahren und Kontoauszug regelmäßig kontrollieren.

          - Karte bei Verlust sofort für den weiteren Gebrauch sperren lassen. Debitkarten können bundesweit über die einheitliche zentrale Telefonnummer 01805-021021 oder 116 116 (Sperr-Notruf) gesperrt werden. Der Sperr-Notruf gilt für Kunden mit Medien, deren Herausgeber sich dem System angeschlossen haben. Das sind mittlerweile 90 Prozent aller Bankkarten

          - Sperrnummern der Kreditkartenfirmen

          MasterCard: 0800 819 1040

          Visa: 0800 811 8440

          American Express: 069 97 97 1000

          Diners Club: 01805 07 07 04

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