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Krankenversicherungen : Die Privaten schlagen zu

  • -Aktualisiert am

Auch Pillen sorgen für hohe Krankenkassenprämien Bild: ddp

Die private Krankenversicherung wird teurer. Schuld sind die Politiker. Viel tun können Versicherte nicht. Wir verraten die besten Kniffe.

          4 Min.

          Milch, Butter und Quark werden immer teurer. Aber das ist ja noch harmlos, verglichen mit der Beitragserhöhung der privaten Krankenversicherung. Alle Jahre wieder um diese Zeit bekommen die Versicherten Post von ihrer Assekuranz - und es beschleicht sie ein mulmiges Gefühl: Wie viel wird es diesmal sein? Diesmal hat die LVM, ein kleiner Versicherungsverein, den Beitrag für eine 38-Jährige zum 1. Januar um fünf Prozent erhöht. Das sind 24 Euro mehr.

          Sollte es nicht günstiger werden für Frauen? Zum Jahresende müssen die Versicherungen die Kosten für Schwangerschaft und Geburten gleichmäßig auf beide Geschlechter verteilen. Bisher schlugen die Kosten dafür nur bei den weiblichen Versicherten zu Buche, jetzt müssen auch die Männer zahlen. Deshalb steigen die Prämien für Männer um rund drei Prozent, im Gegenzug wird es für Frauen ein wenig günstiger. Das rechnet zumindest der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) vor.

          Für Männer wird es bis zu 11,7 Prozent teurer

          Aber das sind Durchschnittszahlen. Wie teuer es im Einzelfall wirklich wird, das hängt davon ab, wie viel die Krankenversicherung für Schwangere ausgibt - im Vergleich zu den übrigen Kosten - und davon, wie das Verhältnis von Männern zu Frauen ist. Besonders kostspielig wird der neue Unisextarif für Männer, wenn er gleichzeitig für viele junge Frauen gilt, die noch Kinder bekommen können.

          Bild: F.A.Z.

          Das zeigen die Zahlen des Marktführers Debeka. In der Spitze müssen Männer 11,7 Prozent mehr für ihre Krankenversicherung ausgeben. "Das trifft nur einen kleinen Teil der Kunden", beschwichtigt ein Debeka-Sprecher. "In absoluten Zahlen macht das 7,96 Euro im Monat aus." Der Grund für den großen Sprung: Es handelt sich um einen Tarif für Beamte, in dem besonders viele Frauen versichert sind.

          Für gewöhnlich ist der Anteil der privat versicherten Frauen recht gering, vor allem unter den Angestellten und Selbständigen. Deshalb schlagen hier die Kosten für Schwangere nicht so zu Buche. Im Durchschnitt klettern die Beiträge für männliche Debeka-Kunden deshalb nur um 1,5 Prozent, für weibliche sinken sie um ein Prozent. Und während sich ein paar Männer über die kräftige Preiserhöhung ärgern, dürften sich einige Kundinnen über den Brief von ihrer Versicherung sogar freuen: Denn im besten Fall sinkt die Prämie um 12,1 Prozent oder knapp 20 Euro - ebenfalls ein Ausreißer.

          8,5 Millionen sind in Deutschland privat versichert

          Achteinhalb Millionen Menschen in Deutschland sind privat krankenversichert. Die meisten müssen künftig tiefer in die Tasche greifen, um den Versicherungsschutz zu sichern. Gründe dafür gibt es viele, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und der dadurch erzwungene Unisextarif sind nur ein Preistreiber. Hinzu kommen die steigenden Gesundheitskosten, die wachsende Lebenserwartung der Versicherten und die oft zu niedrig kalkulierten Einstiegsprämien, die neue Kunden locken sollen. "Erhöhungen von rund zehn Prozent sind deshalb keine Seltenheit", sagt Lilo Blunck vom Bund der Versicherten.

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