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Krankenversicherung : Gesetzlich oder privat?

Bild: F.A.Z.

Im Januar wird der Weg in die private Krankenversicherung leichter. Dort gibt es zwar in der Regel die besseren Leistungen, aber bald wird es dort auch richtig teuer.

          3 Min.

          Manche Entscheidungen haben Folgen für das ganze Leben: Welcher Beruf? Kinder? Ein eigenes Haus? Die Antworten spürt man noch Jahrzehnte später. Von einer anderen Frage erwartet man das nicht auf den ersten Blick: der Frage nach der richtigen Krankenversicherung.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch auch sie ist eine Lebensentscheidung, zumindest die Grundsatzwahl: privat oder gesetzlich? Denn die Kunden einer privaten Krankenversicherung (PKV) können nur sehr schwer wieder in das System der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zurückkehren.

          Von Januar an kommt die Entscheidung schneller als bisher auf die Interessenten zu. Dann dürfen sie in die PKV wechseln, wenn sie ein Jahr lang ein Bruttoeinkommen von mehr als 49.500 Euro erzielt haben. Bisher mussten sie das drei Jahre lang schaffen. So können nun auch Berufsanfänger zu den Privaten gehen. Für die Grundsatzentscheidung zwischen privat und gesetzlich sind vor allem drei Kriterien zu vergleichen: die Leistungen, die Kosten und die Möglichkeit, die Versicherung zu wechseln.

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          Leistungen

          Hier ist die private Krankenversicherung deutlich im Vorteil. Die Wartezeit beim Arzt ist kürzer, Termine gibt es schneller. Und der Kunde bekommt die Leistungen, die er bestellt und bezahlt. Chefarztbehandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus, weitreichende Erstattung von Zahnbehandlungen, keine Zuzahlungen bei Medikamenten, neue Behandlungsverfahren oder Heilpraktikerbesuche: Vieles, was die gesetzlichen Kassen gar nicht oder nur eingeschränkt anbieten, kann der Versicherte einkaufen. Je mehr, desto teurer natürlich.

          Alles zahlt die Privatversicherung aber auch nicht. Sie erstattet, was „medizinisch notwendig“ ist. Darüber gibt es häufig Streit. Denn nicht jede Untersuchung, nicht jedes neue Behandlungsverfahren ist notwendig, um den Versicherten zu heilen. Der ist aber nur medizinischer Laie und kann schwer einschätzen, ob der Arzt nur das Nötigste vorschlägt.

          „Die Diskussion um die medizinische Notwendigkeit ist die häufigste Beschwerde bei uns“, sagt PKV-Ombudsmann Helmut Müller, der zwischen Versicherungen und Kunden schlichtet. „Die Versicherungen schauen genauer auf die Rechnungen als früher, und die Kunden haben immer höhere Ansprüche.“ Müller rät bei nicht akuten Behandlungen, die teuer sind, erst die Versicherung zu fragen, was sie erstattet.

          Bei den Kassenpatienten gibt es diesen Streit nicht. Der Arzt rechnet direkt mit der Kasse über die Versichertenkarte ab. Gesetzliche Anbieter haben zudem einige Leistungen, mit denen sie gegenüber der privaten Konkurrenz punkten. So zahlen sie Krankengeld, wenn das Kind krank ist, sie zahlen Mutterschaftsgeld und eine Haushaltshilfe bei Krankheit. Zudem erstatten sie mehr für Psychotherapie und Hilfsmittel wie Krücken.

          Kosten

          In der privaten Krankenversicherung sparen junge Leute zunächst viel Geld (siehe Infografik). Für Privatversicherungen durchschnittliche private Leistungen gibt es mit Pflegeversicherung für einen Mann für rund 250 Euro - weniger als die Hälfte der 658 Euro, die Gutverdiener von Januar an für die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen zahlen müssen. Für die gesetzliche Kasse steigt der Beitrag auf 15,5 Prozent des Bruttolohns. Er ist für alle Kassen gleich, manche verlangen einen Zusatzbeitrag von derzeit maximal 37,50 Euro im Monat.

          Bei den privaten Anbietern hängt die Prämienhöhe hingegen nicht vom Einkommen ab, sondern vom Gesundheitszustand. Wer sehr gesund ist, zahlt wenig. Daher lohnt sich ein Einstieg in die PKV vor allem in jungen Jahren, wenn noch keine Malaisen bestehen. Wer hingegen Vorerkrankungen hat, zahlt mehr oder muss Behandlungen selbst zahlen.

          Selbst für gesunde Kunden ist es auf Sicht eines ganzen Lebens nicht ausgemacht, dass sie finanziell von den Privaten profitieren. Bekommen sie Kinder und bleibt die Ehefrau dann zu Hause, wird es teuer. Die PKV will für jedes Familienmitglied Geld (für das Kind allerdings weniger), die gesetzlichen Kassen belasten nur den Arbeitenden. Die Privaten kassieren zudem bei Arbeitslosigkeit, während die Kassen weniger verlangen. Zudem steigt der Beitrag bei den Privaten meist schneller an (siehe Grafik).

          Im Ruhestand sinkt er etwas durch die angesparten Altersrückstellungen, bleibt aber oft über dem Niveau der Kassen. Wer die in jungen Jahren gesparten Beiträge anlegt, kann jedoch mit den Ersparnissen die Mehrkosten im Ruhestand mindern. Zudem müssen Kassenversicherte berücksichtigen, dass die Beiträge zwar weniger steigen, dafür die Leistungen aber immer wieder ausgedünnt werden.

          Wechselmöglichkeit

          Hier siegen die gesetzlichen Kassen. Alle 18 Monate oder nach jeder Beitragserhöhung dürfen die Kunden wechseln und erleiden dabei keine finanziellen Verluste. Privatversicherte verlieren hingegen bis zu 40 Prozent ihrer Altersrückstellungen. Daher lohnt sich ein Wechsel mit zunehmendem Alter nicht, und Kunden sind an ihre private Versicherung gebunden - auch wenn die Leistung noch so schlecht ist.

          Gewusst wie: Die richtige Krankenversicherung finden

          1. Lebenspläne klären . Für die Frage, ob eine private Krankenversicherung auch finanziell attraktiver als die gesetzliche Kasse ist, sind die Lebenspläne entscheidend. Wer weiß, dass er auf jeden Fall eine große Familie aufbauen möchte, sollte im Kassensystem bleiben. Ohne Kinder kann die Private interessanter sein. Aber nur, wenn der Versicherte noch unter 40 ist, sonst sind die Prämien zu hoch.

          2. Leistungen definieren . Wer sich für die Privaten entschieden hat, muss klären, wie umfangreich die Leistungen sein sollen. Erst dann beginnt die Suche nach dem besten Versicherer. Denn kein Anbieter ist bei jedem Leistungsumfang führend. Man sollte auch als junger Mensch nicht zu wenige Leistungen bestellen, auch wenn man noch gesund ist. Denn eine spätere Ausweitung der Leistungen scheitert oft an zwischenzeitlich aufgetretenen Erkrankungen.

          3. Nicht der Preis entscheidet . Ein niedriger Preis sollte nicht das Hauptkriterium sein. Denn oft verteuern sich Billigtarife schneller. Beitragsstabilität ist daher wichtig. Und eine gute Bilanz des Versicherers. Dazu gehört eine möglichst hohe Verzinsung der Beiträge und Altersrückstellungen, ein großer finanzieller Sicherheitspuffer für Krisen und eine Kostenquote, die zum Umfang des Service passt.

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