https://www.faz.net/-gv6-we3v

Konjunkturprognosen : Die Crash-Propheten übertreiben die Krise in Amerika

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Die Krise in Amerika wird das Wachstum auch noch 2009 schädigen. Doch einen Einbruch wie in den schwersten Krisen hält die Commerzbank für unwahrscheinlich. Sie hat gleich vier Argumente gefunden, warum Anleger ruhiger schlafen dürfen.

          3 Min.

          Die Vergangenheit lehrt: Eine Krise dauert meistens länger als wir alle denken. Das dürfte auch für die Subprime-Krise gelten. Sie wird wohl das amerikanische Wachstum auch noch 2009 belasten. Denn die Banken werden wahrscheinlich insbesondere bei Krediten an Privatpersonen wesentlich vorsichtiger sein.

          Amerikaner müssen sparen

          Das wiederum zwingt die privaten Haushalte indirekt dazu, mehr zu sparen. „Trotz der massiven Zinssenkungen der Fed wird das Wirtschaftswachstum auch 2009 deutlich unter dem mittelfristigen Wachstumspfad der amerikanischen Wirtschaft von 2,75 Prozent liegen“, glauben daher die Analysten der Commerzbank.

          Wenn sie richtig liegen, dann würde die Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes pro Kopf exakt demjenigen im Durchschnitt aller Krisen entsprechen. Das waren etwa zwei Prozent in den beiden Jahren vor Beginn der Krise (2005 und 2006) und knapp ein Prozent in den beiden Jahren danach (2008 und 2009).

          Es könnte so kommen wie Anfang der neunziger Jahre

          „Damit erwarten wir eine ähnliche Entwicklung der Konjunktur wie Anfang der neunziger Jahre, als trotz einer deutlichen Senkung der Geldpolitik der Aufschwung nur langsam in Gang kam“, urteilen Peter Dixon und Ralph Solveen.

          Auch damals lag eine der Ursachen in massiven Problemen des Bankensektors. Die Banken litten noch unter den Nachwehen der Krisen der achtziger Jahre. Das waren insbesondere die Probleme im amerikanischen Sparkassensektor Mitte der achtziger Jahre und massive Verluste im Rahmen des „Petro-Dollar Recyclings“ Anfang der achtziger Jahre. Die Folge war, dass die Belastungen durch die Rezession 1990/91 und Crashs an einigen regionalen Immobilienmärkten eine starke Kreditverknappung zur Folge hatten.

          In der Folge belebte sich die Wirtschaft zwar, die Wachstumsraten lagen aber trotz rekordniedriger Leitzinsen kaum über dem mittelfristigen Wachstumstrend. „Auch wenn wir in der aktuellen Situation gerade bei den Unternehmenskrediten keinen „Crunch“ erwarten, wird eine insbesondere gegenüber den privaten Haushalten wesentlich vorsichtigere Kreditvergabe der Banken das Wachstum über eine längere Zeit bremsen“, glauben Dixon und Solveen.

          Vier Gründe, nicht in Depression zu verfallen

          Es könnte demnach also schlimm werden bis in das nächste Jahr hinein, aber nicht richtig übel - wie etwa in Japan in den neunziger Jahren. Ein Wachstumseinbruch wie im Durchschnitt der fünf schwereren Finanzkrisen, sei unwahrscheinlich. Die vier Gründe dafür:

          1. Trotz ihres großen Ausmaßes stellt die aktuelle Krise gemessen an der Größe der betroffenen Volkswirtschaft keinesfalls etwas nie Dagewesenes dar. Die aktuelle Krise werde den Bankensektor wohl weniger kosten als die S&L Krise der 1980er den amerikanischen Staat

          2. Ein wichtiger Unterschied der aktuellen Situation zu vergangenen Krisen ist die globale Natur des Problems. So fielen fast 40 Prozent der bisher vorgenommenen Abschreibungen bei Banken mit Sitz außerhalb der Vereinigten Staaten an. In der Vergangenheit waren Finanzmarktkrisen dagegen auf die heimische Volkswirtschaft beschränkt. Sogar die S&L-Krise und die japanische Bankenkrise in den neunziger Jahren hatten kaum Auswirkungen auf Finanzinstitute außerhalb des heimischen Marktes. Für die Weltwirtschaft ist dies zwar eher eine schlechte Nachricht, da weltweit Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger vorgehen werden. Die negativen Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft werden allerdings geringer ausfallen als bei einer im Ausmaß vergleichbaren, aber rein nationalen Krise.

          Konjunkturprogramm greift dem Finanzsektor unter die Arme

          3. Die schwereren Krisen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Geldpolitik in ihnen nur sehr zögerlich reagierte. Hiervon kann im aktuellen Fall nicht die Rede sein. Die Fed hat auf die Krise im Finanzsektor schnell reagiert und die Geldpolitik massiv gelockert. Hinzu kommt das inzwischen verabschiedete Konjunkturprogramm der amerikanischen Regierung, das dem Finanzsektor - wenn auch nur indirekt über eine zeitweilig lebhaftere Konjunktur - unter die Arme greifen wird.

          4. Die Finanzinstitute sind die Probleme in der aktuellen Krise wesentlich offensiver angegangen als dies Anfang der neunziger Jahre in Japan der Fall war. Damals hielten die Banken lange an ihren schlechten Krediten fest und warteten auf eine Erholung von Aktien- und Grundstückspreisen anstatt aktiv ihre Bilanzen zu sanieren. Positiv sei in diesem Zusammenhang auch zu werten, dass die großen amerikanischen Banken sehr schnell Schritte unternommen haben, um durch Kapitalerhöhungen ihre Kapitalausstattung zu verbessern und damit wieder an Handlungsfähigkeit zu gewinnen. In Japan dauerte es immer noch zwei bis drei Jahre, nachdem japanische Banken das volle Ausmass des Problems dargelegt hatten, bevor die Behörden mit einer Rekapitalisierung des Bankensystems begannen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.