https://www.faz.net/-gv6-p4w7
 

Kommentar : Geiz ist bei Fonds nicht immer geil

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ

Ob nur Fonds mit niedrigen Gebühren gute Fonds sind, läßt sich schwer beantworten. Ein geeigneter Rat könnte es aber sein, bei Massenware auf den Preis zu achten und bei exklusiveren Produkten auf die Qualität.

          4 Min.

          Längst leben viele Deutsche nach dem Motto: Geiz ist geil. Wo immer es ein Schnäppchen zu machen gilt, wo immer es etwas preiswert gibt, da zieht es die Leute hin. Kein Wunder, daß zum Leidwesen der Fondsbranche auch bei ihren Produkten die Kostendebatte immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt wird.

          Billige Fonds? Das muß doch eigentlich gut sein, oder? Oder gilt in der Fondsbranche, was auch im täglichen Leben gelten soll: Qualität hat ihren Preis? Der gemeine Fondsinvestor, der sich eingehend mit der Frage beschäftigt, wird rasch mit seinem Latein am Ende sein. Das einzige, was ihn trösten kann: Auch den Profis geht es so.

          Die Ergebnisse einer Studie von Standard & Poor´s ...

          Der beste Beleg sind zwei Studien, die sich mit dem Thema teure versus billige Fonds auseinandergesetzt haben. Da wären zum einen die Fondsspezialisten des Finanzdienstleisters Standard & Poor's (S&P). Sie haben in ihrer Studie eindeutig herausgefunden, daß teure Fonds ihr Geld nicht wert sind. Billigere Fonds, so hat S&P festgestellt, schlagen ihre Kollegen zumeist, was die Wertentwicklung angeht: „Hohe Gebühren können einen wichtigen Teil der Wertentwicklung zunichte machen - deswegen sollten Vermögensverwalter und Anleger bei der Zusammenstellung ihrer Portfolios vor allem auf die Kosten der von ihnen bevorzugten Produkte achten."

          Um dieses zu beweisen, teilte S&P die untersuchten Fonds in ihren entsprechenden Segmenten in zwei Kategorien ein - und zwar in überdurchschnittlich teure und überdurchschnittlich billige Fonds. In einem nächsten Schritt stellten sie dann fest, wie sich die Fonds der beiden Kategorien über die Zeit hinweg entwickelten. Das Ergebnis: Lediglich bei Aktienfonds, die in Werte mit mittlerer Marktkapitalisierung investieren und dabei eine Mischung aus wertorientierter und wachstumsorientierter Anlagestrategie verfolgen, waren die teureren Fonds besser in der Wertentwicklung als ihre billigeren Konkurrenten.

          ... und von Lipper widersprechen sich

          Damit scheint die Frage doch beantwortet, oder? Nicht ganz, denn eine Studie des Finanzdienstleisters Lipper kommt zu einem etwas anderen Ergebnis: Wer Fonds mit geringeren Gebühren wähle, erhöhe damit nicht seine Chancen, einen Fonds zu finden, der den Index schlage. Im Gegenteil seien in manchen Fällen die kostspieligsten Fonds auch jene gewesen, die am ehesten den Index schlagen.

          Allerdings lesen sich die Ergebnisse der Studie im Kleingedruckten etwas differenzierter, da Lipper nach Anteilsklassen unterscheidet: So habe man festgestellt, daß bei Fonds ohne Ausgabeaufschlag in der Tat die billigeren Fonds auch zumeist die besseren seien. Allerdings habe man nur bei drei von acht verschiedenen Anteilsklassen bei Aktienfonds, die es in den Vereinigten Staaten gibt, festgestellt, daß man seine Chancen auf einen guten Fonds erhöht, wenn man zur Billigware greift.

          Bei den Rentenfonds waren es ebenfalls nur drei von neun Anteilsklassen, in denen billiger auch besser bedeutet. Behält man im Hinterkopf, daß Fonds ohne Ausgabeaufschlag zumeist Indexprodukte oder indexnahe Produkte sind, so kommt Lipper zu einem eindeutigen Resultat: Gute Fondsmanager, die den Index schlagen, verlangen eben auch höhere Vergütungen - die sie aber auch wert sind.

          Weitere Themen

          Der Benzinpreis fällt

          Erstmals seit langem : Der Benzinpreis fällt

          Neue Sorgen um Corona zeigen Auswirkungen auf die Rohstoffpreise: Mit dem Ölpreis sinkt erstmals seit langem auch der Benzinpreis wieder. Ob das so bleibt, weiß kein Mensch. Falls ja, könnte das aber sogar die Inflationsrate im Dezember sinken lassen.

          Topmeldungen