https://www.faz.net/-gv6-7860q

Klage nach Kündigung : Ehemaliger Mitarbeiter wirft Thomson Reuters Insider-Verstoß vor

  • Aktualisiert am

Ein ehemaliger Mitarbeiter wirft Thomson Reuters rechtswidrige Veröffentlichungspraktiken vor. Bild: REUTERS

Thomson Reuters ist des Handels mit Insiderinformationen beschuldigt worden. Ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet, ihm sei gekündigt worden, weil er sich mit einem Hinweis über angeblich rechtswidrige Veröffentlichungspraktiken des Nachrichtenanbieters an das FBI gewandt hat.

          Ein ehemaliger Angestellter hat Thomson Reuters wegen seiner Kündigung verklagt und wirft dem Nachrichten- und Informationsanbieter einen Verstoß gegen amerikanische Insidergesetze vor. In der Klage, die am Mittwoch bei einem New Yorker Gericht eingereicht wurde, teilte der Ex-Mitarbeiter mit, ihm sei gekündigt worden, weil er sich mit einem Hinweis über angeblich rechtswidrige Veröffentlichungspraktiken von Thomson Reuters an die amerikanische Bundespolizei FBI gewandt habe. Dieser habe er gesagt, der Datenanbieter veröffentliche die Ergebnisse einer Umfrage zur Verbraucherstimmung, die gemeinsam mit der Universität Michigan erhoben werden, zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedene Kundengruppen.

          „Wir glauben, dass die Anschuldigungen des Klägers gegen Thomson Reuters grundlos und unbegründet sind, und wir werden uns mit aller Kraft dagegen wehren“, teilte ein Sprecher von Thomson Reuters mit. Der Ex-Mitarbeiter behauptet in seiner Klage, Thomson Reuters übermittle die Umfrage-Ergebnisse zwei Sekunden früher an Kunden mit einem sogenannten „Ultra-low-Latency“-Netzwerk, während andere Kunden die Informationen erst um punkt 9:55 Uhr amerikanischer Ortszeit erhielten. Nicht-Kunden bekämen die Umfrage erst um 10.00 Uhr. In Netzwerken mit sehr niedriger Latenzzeit sind Daten besonders schnell unterwegs, deshalb werden sie bevorzugt von ultraschnellen Handelssystemen genutzt, um Vorteile bei Spekulationen an den Finanzmärkten zu erreichen.

          Kläger fordert Lohnausgleich und Bußgelder

          Der frühere Thomson-Reuters-Mann sagte, er habe am 29. Juni vergangenen Jahres einem FBI-Agenten gesagt, er sei der Auffassung, eine solche Veröffentlichungspraxis verstoße gegen amerikanisches Wertpapierrecht. Am gleichen Tag habe er Managern von Thomson Reuters gesagt, dass er sich an die Behörden gewandt habe. Seinen Angaben zufolge wurde ihm am 3. August gekündigt, obwohl die amerikanische Finanzmarktreform von 2010 (“Dodd-Frank-Act“) Informanten im eigenen Unternehmen - sogenannte Whistleblower - schütze. Eine Abfindung habe er nicht erhalten.

          In der Klage werden ein Lohnausgleich in ungenannter Höhe und Bußgelder gefordert. Der Anwalt des Klägers war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. FBI-Sprecher Jim Margolin wollte sich nicht äußern.

          Weitere Themen

          Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

          Der Dow Jones stapelt tief

          FAZ Plus Artikel: Börsenindizes : Der Dow Jones stapelt tief

          Das amerikanische Marktbarometer hat sich seit der Finanzkrise im Vergleich zum Dax viel besser geschlagen, als es auf den ersten Blick scheint. Das liegt an den unterschiedlichen Berechnungsmethoden.

          Topmeldungen

          Boris Johnson : Alles andere als irrwitzig

          Der neu gewählte Tory-Vorsitzende und künftige Premierminister Boris Johnson ist nicht „mad“. Verrückt ist nur die Lage des Landes – drei Jahre nach dem Brexit-Referendum. Ein Kommentar
          Der radikale Konzernumbau der Deutschen Bank führt zu Milliardenverlusten im zweiten Quartal 2019.

          In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.