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Deutsche Börse : Kengeter soll Regierung schon früh über Fusionspläne informiert haben

Sitz der Deutschen Börse AG in Eschborn bei Frankfurt am Main Bild: dpa

In der Affäre um möglichen Insiderhandel gerät der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, weiter unter Druck. Er soll die Bundesregierung schon im November 2015 über Fusionspläne mit der Londoner Börse in Kenntnis gesetzt haben.

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          Carsten Kengeter soll die Bundesregierung schon deutlich vor dem Kauf eigener Aktien über sehr konkrete Fusionspläne seiner Deutschen Börse mit der Londoner Börse informiert haben. Dies berichtet der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. Demnach habe der Vorstandsvorsitzende im November 2015 dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Merkel, Lars-Hendrik Röller, erklärt, man sei sich mit der Londoner Börse im Grundsatz einig. Kengeter habe zudem damals schon von der Bedingung der britischen Regierung berichtet, dass sie der Fusion nur bei einem Sitz der fusionierten Börse in London zustimme.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der gebürtige Frankfurter Röller soll Wohlwollen der Fusion gegenüber signalisiert haben, wenn das Finanzministerium mit dem Sitz in London leben könne. Wenige Wochen später, am 14. Dezember 2015, kaufte Kengeter dann für 4,5 Millionen Euro Aktien der Deutschen Börse und erhielt dafür vom Unternehmen im gleichen Umfang Anteile an einem Vorstandsvergütungsprogramm.

          Widerstände am Finanzplatz Frankfurt

          Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Insiderhandel gegen Kengeter. Offiziell wurde die Fusionsabsicht erst am 23. Februar 2016 öffentlich gemacht. Kengeter und der Aufsichtsratsvorsitzende Faber bestreiten, dass es im Dezember schon Fusionsverhandlungen gab. Faber bezeichnete die Vorwürfe als haltlos. Erst in der zweiten Januarhälfte 2016 habe man sich darauf verständigt, Verhandlungen beginnen zu wollen. Die Staatsanwaltschaft will von Gesprächen auf Führungsebene schon im Sommer 2015 wissen. Sie hat ihre Ermittlungen in der Börse abgeschlossen und sichtet nun das Material. Wann und ob es zur Anklage kommt, ist noch unklar.

          Derzeit befasst sich die EU-Kommission mit der Fusion und prüft, ob der Zusammenschluss der beiden größten europäischen Börsen den Wettbewerb behindern könnte. Bis zum 3. April will sie ihre Entscheidung bekanntgeben. Danach will sich das Land Hessen dazu äußern. Dem hessischen Wirtschaftsministerium obliegt die Börsenaufsicht und es könnte die Fusion untersagen, wenn es die Fortentwicklung des Finanzplatzes Frankfurt nicht sichergestellt sieht.

          Hier muss Kengeter noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Widerstände am Finanzplatz, aber auch in der hessischen Politik, unter Mitarbeitern der Börse, aber auch in der Finanzaufsicht Bafin, sind groß. Insofern kommen die Ermittlungen gegen Kengeter zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt.

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