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Kapitalerhöhung : Jain vertraut Deutscher Bank

Anshu Jain beteiligt sich mit 3,8 Millionen Euro an der Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Bild: AP

Die Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen beteiligen sich an der milliardenschweren Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Mit der Kursentwicklung der Aktien können viele Anteilseigner aber nicht zufrieden sein.

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          Anshu Jain lässt 3,8 Millionen Euro springen und Jürgen Fitschen knapp 1,3 Millionen Euro. Die beiden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank erklärten am Freitag, dass sie sich an der Kapitalerhöhung über insgesamt 8,5 Milliarden Euro beteiligen werden. Auch die anderen Vorstandsmitglieder und Führungskräfte übten ihre Bezugsrechte zum größten Teil vollständig aus. Jains Besitz steigt um 170.000 auf 785.000 Deutsche-Bank-Aktien. Das entspricht einer Beteiligung von 0,06 Prozent. Deutlich dahinter liegt Fitschen, der künftig 262.000 Titel, davon 57.000 neue Aktien, halten wird.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit der Kursentwicklung werden sie zufrieden sein, denn am Freitag lag der Kurs mit 27,20 Euro deutlich über dem Emissionskurs von 22,50 Euro. Ein erster Test ist am Mittwoch zu erwarten, wenn die neuen Aktien voraussichtlich in den Handel aufgenommen werden. Vergleichen lässt sich der Kurs mit dem Niveau vor der Kapitalerhöhung, wenn der Preis für das Bezugsrecht von 1,15 Euro hinzugerechnet wird. Dann ergeben sich 28,35 Euro, was dem Kurs vor dem Start des Bezugsrechtshandels entspricht. Seit Bekanntgabe der Kapitalerhöhung, von der 1,75 Milliarden Euro an den qatarischen Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani gingen, hat der Kurs um 6 Prozent nachgegeben. In diesem Zeitraum hat der Stoxx-Banken-Index, in dem europäische Bankaktien abgebildet sind, um 2 Prozent zugelegt.

          Fondsgesellschaften fordern Schadensersatz

          Doch die meisten Aktionäre können mit der Kursentwicklung der Deutschen-Bank-Aktien nicht zufrieden sein, auch wenn der Kursabschlag der aktuellen Kapitalerhöhung mit 20 Prozent geringer ausfiel als bei Konkurrenten wie Barclays (ein Drittel) oder Unicredit (43 Prozent). Grund dafür sind die hohen Rechtsrisiken, die in den vergangenen beiden Jahren mehr als 5 Milliarden Euro gekostet haben. In dieser Woche geriet die Deutsche Bank wieder in den Blickpunkt. In New York reichten Fondsgesellschaften wie Blackrock oder Pimco, eine Tochtergesellschaft der Allianz, eine Klage ein. Sie wollen von der Deutschen Bank und fünf anderen Instituten Schadenersatz für Verluste aus amerikanischen Hypothekenanleihen, die sich auf insgesamt 250 Milliarden Dollar belaufen. Mit knapp 5 Prozent ist Blackrock nach dem Scheich von Qatar (5,8 Prozent) der größte Aktionär der Bank, was den Vermögensverwalter aber nicht davon abhält, zu klagen. Auch die Manipulationen beim Gold- und Silberpreis sind seit Herbst 2013 Gegenstand aufsichtsrechtlicher sowie interner Untersuchungen. Doch das größte Ungemach droht in den Vereinigten Staaten, wo der französischen Bank BNP Paribas wegen Embargoverstößen eine Strafe von 10 Milliarden Dollar droht. Auch gegen die Deutsche Bank wird deshalb ermittelt, aber die höchsten Strafen dürften wegen der Manipulationen von Referenzzinsen wie dem Libor oder Wechselkursen anfallen. Mehrere Händler mussten deshalb gehen. Es drohen abermals Milliardenkosten in diesem Jahr wegen Rechtsstreitigkeiten.

          In der Bank sorgt das Verfahren gegen BNP Paribas für Verunsicherung. Es wird befürchtet, dass ein großer Teil der Kapitalerhöhung für Vergleiche mit amerikanischen Behörden aufgewendet werden muss. Jain und Fitschen wollen mit dem neuen Kapital das Investmentbanking stärken, um dort in den kommenden Jahren zu den führenden Wettbewerbern zu zählen. Nicht nur die alten Sünden der Investmentbanker, die mit Abstand den größten Teil der Rechtsprobleme zu verantworten haben, zehren das Kapital auf, sondern auch die strengeren Aufsichtsregeln. Die Deutsche Bank muss sich in den Vereinigten Staaten aber nicht nur auf hohe Bußgelder einstellen. Justizminister Eric Holder will die großen Banken auch zu Schuldeingeständnissen zwingen. Das war schon bei der Credit Suisse wegen Steuervergehen der Fall. Ein solches Geständnis kann für die Bank schwere Folgen haben.

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