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Streit um Anlage-Beratung : Jutta Speidel zieht vor Gericht - wegen eines Riesenrads

Jutta Speidel Bild: Fricke, Helmut

Es war das größte Riesenrad der Welt. Doch die Touristen wollten nicht einsteigen. Eingestiegen sind dagegen deutsche Anleger, auch die Schauspielerin Jutta Speidel. Was ist da los?

          Um Himmels Willen“. Ausgerechnet. So heißt die Serie, mit der die Schauspielern Jutta Speidel bekannt geworden ist. Und genau sie zieht jetzt wegen eines Riesenrads vor Gericht, wie die „Bild“-Zeitung berichtet, und zwar gegen die Hypo-Vereinsbank. Wegen Falschberatung. Was ist da los?

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Im Jahr 2005 investierte Speidel rund 20.000 Euro in das damals größte Riesenrad der Welt, den sogenannten „Singapore Flyer“. Laut eigener Aussage habe ihre Anlageberaterin ihr damals geraten, in Asien zu investieren. Ihr seien Renditen in zweistelliger Höhe versprochen worden. Im Nachhinein habe sie sich von ihrer Bank falsch beraten gefühlt, sagte die 60 Jahre alte Schauspielerin vor Gericht in München. Ihre Anwältin fügte hinzu, die HBV hätte die Anleger auf die Risiken hinweisen müssen und die Beteiligung nicht als sichere Anlage verkaufen dürfen.

          Die Bank weist die Vorwürfe zurück und argumentiert, die Klägerin habe sogar einen zusätzlichen Risiko-Hinweis unterschrieben. Sie sei auf einen möglichen Totalverlust hingewiesen worden. Neben Speidel sind 300 weitere Anleger betroffen, die über die Hypo-Vereinsbank, eine Tochter der Unicredit Bank, ihr Geld im „Singapore Flyer“ angelegt haben.

          Der „Singapore Flyer“

          Spätestens im Dezember 2008 hätten die Anleger allerdings darauf kommen können, dass die Investition in das Riesenrad keine so gute Idee war. Damals fiel der Strom aus, und es kam fast zu einer Katastrophe. 173 Menschen saßen über Stunden in den Gondeln in maximal 165 Metern Höhe über Singapur fest. Nach diesem Debakel bestiegen noch weniger Menschen den „Singapore Flyer“. Dabei hatte sich schon zu diesem Zeitpunkt herausgestellt, dass die Betreiber mit weit höheren Besucherzahlen gerechnet hatten als sich schließlich einstellten. Am Ende reichten die Einnahmen nicht aus, um die hohen, im Fondsprospekt versprochenen Renditen auszuzahlen.

          Erbaut wurde der Singapore Flyer von der Projektgesellschaft Great Wheel, die im Mai 2013 Insolvenz anmelden musste. Doch das Exemplar in Singapore war bei weitem nicht das einzige Pleiteprojekt von Greet Wheel. Der Bau eines Riesenrads in Peking kam erst gar nicht zustande, weil das Projekt nicht zu finanzieren war. Bis dahin wurden aber massig Gelder versenkt. Hinzu kamen weitere nicht realisierte Vorhaben in Orlando und Berlin.

          Neben der Hypo-Vereinsbank hatte auch die Frankfurter Bank Bethmann, eine Tochter der niederländischen ABN Amro, gut 1000 Privatanleger mit hohen Renditeversprechen in das Riesenrad-Investment in Singapur gelockt. Auf diesem Weg kamen 53 Millionen Euro zusammen, gut ein Drittel der 135 Millionen Euro hohen Gesamtinvestition. Der Rest des Geldes stammte eben aus einem Kredit der Hypo-Vereinsbank, den die Bank über das Geld von Jutta Speidel und ihren Leidensgenossen finanzierte. 

          Vielleicht bekommt die Schauspielerin aber tatsächlich ihr Geld zurück. Denn mittlerweile konnten Anwälte vor dem Landgericht Frankfurt am Main gegen die Bethmann Bank zahlreiche Urteile erstreiten, in denen die Bank wegen fehlerhafter Anlageberatung dazu verurteilt wurde, die Beteiligungssumme zuzüglich Ausgabeaufschlag an die Riesenrad-Anleger zurückzuzahlen.

          Nach Ansicht des hessischen Landgerichts hatte die Singapore Flyer GmbH in ihrem Prospekt falsche Angaben über die Größe der Gewerbefläche gemacht und das Risiko späterer Größenabweichungen verschwiegen. Auch die zu Werbezwecken veröffentlichte „Vorabinformation“ der Bethmann Bank habe das Projekt falsch dargestellt, weil darin die Laufzeit des Fonds und das Andienungsrecht falsch dargestellt wurden. Ob das allerdings bei der Hypo-Vereinsbank auch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Das Urteil wird voraussichtlich im Januar 2015 fallen.

          Auch das Riesenrad hat inzwischen seinen Rekord verloren. Im April begann sich in Las Vegas eines zu drehen, das noch zwei Meter höher ist.

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