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Mehr Risiko genommen : Großer Verlust für Japans Pensionsfonds

Japans Ministerpräsident Abe muss einen Rückschlag hinnehmen. Bild: AFP

Japan drückt die Last einer alternden Bevölkerung. Deswegen sollte der Pensionsfonds mehr Risiko aufnehmen. Nun ist der Wert im dritten Quartal gefallen.

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          Japans Pensionsfonds, der als größter staatlicher Anlagefonds der Welt gilt, hat im Zeitraum von Juli bis September einen Verlust von 7,9 Billionen Yen (61 Milliarden Euro) oder von 5,6 Prozents seines Werts gebucht. Das teilte der japanische Government Pension Investment Fund am Montag in Tokio mit.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Verlust war Folge der durch China ausgelösten Finanzmarktturbulenzen, die die Aktienkurse in Japan und anderswo sinken ließen. Auch wenn der Fonds den Buchverlust seither mit der Erholung der Aktienkurse wohl wieder aufgeholt hat, ist das Quartalsminus für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe mehr als eine Unannehmlichkeit.

          Mehr Risiko gewollt

          Aus dem Anlagefonds speist sich ein Teil der Rentenzahlungen fast aller Japaner. Auf Druck der Regierung hatte der 135 Billionen Yen (1040 Milliarden Euro) schwere Pensionsfonds erst im Herbst 2014 seine Anlagerichtlinien hin zu höherer Rendite und mehr Risiko geändert. Der Fonds strebt unter Aufsicht des Sozialministeriums seither an, rund die Hälfte der Anlagesumme in nationalen und internationalen Aktien zu halten. Diese Verteilung ist mittlerweile größtenteils erreicht.

          Mit der riskanteren Anlagestrategie will die Regierung die absehbare demographische Last steigender Rentenausgaben erleichtern. Als Nebeneffekt erhielt der japanische Aktienmarkt als Teil der Abenomics bis zum Sommer einen kräftigen Schub durch die Aktienkäufe des Fonds. Abe war deshalb vorgeworfen worden, mit der neuen Anlagestrategie des Fonds seinen kurzfristigen politischen Vorteil zu verfolgen.

          Japan deckt als Besonderheit einen Teil der Zahlungen des öffentlichen Rentensystems durch angelegtes Kapital. In solch kapitalgedeckten Pensionssystemen sind Wertschwankungen an der Tagesordnung. Der staatliche Pensionsfonds in Japan etwa schloss 2007, 2008 und 2010 mit Verlust. Im vorigen Geschäftsjahr erzielte er dagegen mit dem schwachen Yen und steigenden Aktienkursen eine ungewöhnlich hohe Rendite von mehr als 12 Prozent. „Die Schwankungen der Gewinne mögen auf kurze Sicht gestiegen sein, aber längerfristig gesehen, ist das Risiko einer Deckungslücke gesunken“, sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga.

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