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Investoren gesucht : Neue Milliardenfonds für Übernahmen

  • -Aktualisiert am

Die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake will Computerbauer Dell und dessen Gründer Michael Dell (Foto) übernehmen Bild: AFP

Erfolgreiche Beteiligungsgesellschaften bekommen wieder viel Geld in kurzer Zeit von ihren Investoren. Alle anderen Fondsmanager müssen lange werben - derzeit im Durchschnitt 18 Monate.

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          An Kapital für neue Übernahmefonds herrscht kein Mangel - vorausgesetzt, die Geld suchenden Private-Equity-Häuser können ihre Investoren mit guten Renditen aus der Vergangenheit überzeugen. Schon zum Jahresauftakt hatte es auf dem großen Branchenkongress Super Return in Berlin geheißen, dass sich im „fundraising“, also im Auflegen neuer Fonds, die Spreu vom Weizen trennen werde. Erfolgreiche Finanzinvestoren werden insbesondere in Amerika mit Kapital wieder überschüttet, weil viele Investoren - neben Versicherern oder Pensionsfonds zunehmend auch private Vermögensverwalter - sich von dieser Anlageklasse in den nächsten Jahren deutlich höhere Renditen bei akzeptablen Risiken erwarten, als von Aktien oder Staatsanleihen.

          Private-Equity-Häuser, welche die Erwartungen ihrer Geldgeber zuletzt nicht erfüllt haben, müssen nun dagegen deutlich kleinere Brötchen backen. In dieser Woche überraschten gleich mehrere Finanzinvestoren mit neuen Fonds, die deutlich größer ausfallen, als das offiziell verkündete, selbst gesteckte Ziel. Ganz oben auf der Liste rangiert die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Silver Lake, die ihren vierten Fonds nun mit einem Volumen von 10,3 Milliarden Dollar geschlossen hat. Ursprünglich waren 7,5 Milliarden Dollar angestrebt. Silver Lake ist auf Technologieunternehmen fokussiert und versucht derzeit, den Computerbauer Dell gemeinsam mit dessen Gründer Michael Dell zu übernehmen und von der Börse zu nehmen.

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          Den größten Erfolg feierte das Beteiligungsunternehmen mit dem Internet-Telefonanbieter Skype, der 2009 für 1,9 Milliarden Dollar erworben und schon zwei Jahre später für 8,5 Milliarden Dollar an Microsoft verkauft wurde. Das habe Silver Lake einen enormen Zulauf von Investoren beschert, heißt es in der Branche. Aber auch andere Häuser haben ihre Ziele übertroffen. Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft KPS, spezialisiert auf die Übernahme von Unternehmen in Restrukturierung, sammelte 3,5 Milliarden Dollar ein, anvisiert waren 3 Milliarden Dollar. Und Branchengerüchten zufolge hätte KPS sogar fast drei Mal so viel Kapital erhalten können. Die europäischen Rivalen von Hg Capital schlossen ihren neuesten Fonds mit gut 2,3 Milliarden Euro, auch dieses Vehikel sei „signifikant überzeichnet“ gewesen, heißt es.

          Die beiden britischen Gesellschaften Step Stone Group (450 Millionen Dollar) und North Edge Capital (225 Millionen Pfund) waren ebenfalls überzeichnet. Und mit Blick nur auf Übernahmen im deutschsprachigen Raum verkündete der Finanzinvestor Deutsche Private Equity (DPE) vor kurzem den Abschluss seines zweiten Fonds, der mit einem Volumen von 350 Millionen Euro das Ziel um 50 Millionen Euro übertraf. Mit einer gewissen Süffisanz wird in der Private-Equity-Welt zugleich über andere namhafte Marktspieler geredet, die sich seit Monaten im „fundraising“ schwer tun. So rechnet kaum noch jemand damit, dass Apax Partners für den nächsten Fonds die anvisierten 9 Milliarden Euro zusammenbekommt, nachdem die Gesellschaft sich schon seit Monaten um neue Erfolgsmeldungen bemüht.

          Apax habe viel Reputation mit der teuren Pleite des britischen Arzneiversenders Marken eingebüßt, heißt es am Markt. Der direkte Wettbewerber Permira kann zwar auf die gute Unternehmensentwicklung von Investments wie Hugo Boss und Pro Sieben Sat 1 verweisen, musste aber in Italien eine Großpleite mit dem Branchenverzeichnishersteller Seat PG einstecken und war auch in England zuletzt wenig erfolgreich mit seinen Übernahmen. Daher hat Permira das Ziel für den neuen Fonds schon von 6,5 auf 4 bis 5 Milliarden Euro reduziert - und selbst das gilt unter Fachleuten inzwischen als ambitionierte Größe.

          Denn Fonds, die wie Permira schon seit anderthalb Jahren auf Investorensuche sind, werden auch in diesem Punkt an der Konkurrenz gemessen. Zwar brauchen Private-Equity-Gesellschaften nach Angaben des Datendienstes Preqin derzeit im Durchschnitt 18 Monate, um einen neuen Fonds aufzulegen. Die erfolgreichen Häuser schaffen es aber deutlich schneller; Silver Lake war lediglich ein Jahr unterwegs, KPS benötigte für den jüngsten Fonds sogar lediglich drei Monate. Das seien allerdings die Ausnahmen, sagt Kelly DePonte, Partner der Beratungsgesellschaft Probitas Partners. „Für die meisten bleibt es eine lange, harte Schufterei.“

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