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Investor-Sentiment : Aufwärts trotz gegenteiliger Stimmung

  • -Aktualisiert am

Bild: AAII

Ein wichtiges Barometer der Anlegerstimmung zeigt nach unten, während der Markt nach oben läuft. S&P schließt hieraus auf mögliche weitere Aufwärtsbewegungen

          Der amerikanische Aktienmarktzug schnauft weiter munter voran und es scheint ausreichend Brennstoff für die Weiterfahrt vorhanden zu sein. Leider scheinen viele Anleger noch immer am Bahnhof zu stehen und zu warten.

          Als langjährige Marktbeobachter sind wir stets offen für anekdotische Evidenz, die uns mögliche Einblicke in die emotionale Einstellung der Marktteilnehmer gegenüber den Aktienmärkten gewähren könnte. Haben Freunde, Taxifahrer oder Analystenkollegen Kaufempfehlungen für uns? Nein, sie wollen wissen, wann die nächste Korrektur ins Haus steht. Sind die Zeitungen voll von Beiträgen optimistischer Marktgurus, die sich über die Tugenden der Aktienmärkte auslassen? Nein, stattdessen erzählen sie, dass der Markt erweitert sei und es nicht weiter aufwärts gehen könne, ohne dass eine Rückkehrbewegung eintrete, oder dass die Fundamentaldaten diese Rally nicht stützen würden.

          Man sollte mehr Eifer erwarten

          Wenn sich der Markt in eine bestimmte Richtung entwickelt und die Anlegerstimmung nicht konform geht, könnte der Kurstrend nach unserer Erfahrung noch einige Zeit anhalten, möglicherweise deutlich länger, als viele annehmen.

          Die in einigen Indikatoren zu Tage tretende fehlende optimistische Stimmung oder der weit verbreitete Pessimismus in einer Zeit positiver Marktentwicklung ist nach unserer Ansicht ziemlich grotesk und alles andere als üblich. Angesichts dieses Phänomens der Anlegerstimmung scheint die Bezeichnung „Herdenmentalität“ durchaus zutreffend. So ist recht häufig zu beobachten, dass sich Anleger bei heißgelaufenen Märkten in Scharen auf Aktien stürzen, um noch ein Stück vom begehrten Kuchen abzubekommen. Dies scheint beispielsweise in China der Fall gewesen zu sein, nachdem der Shanghai Index im vergangenen Jahr auf 250 Prozent angestiegen war und eine halbe Million chinesischer Investoren Anlagedepots eröffneten.

          Unsere Märkte sind natürlich nicht derart explodiert, doch wenn man sich die passable Marktentwicklung vor Augen hält, sollte man zumindest ein wenig mehr Optimismus oder Eifer von Seiten der amerikanischen Investoren erwarten können.

          AAII-Umfrage folgt meist den Märkten

          Dies führt uns zu einem der wunderlichen Stimmungsbilder der vorigen Woche - der Anlegerumfrage der Association of Individual Investors (AAII). Bei der AAII handelt es sich um eine gemeinnützige Gesellschaft, die sich der Aufgabe widmet, Kleinanlegern in Seminaren, Konferenzen und Publikationen die Welt der Aktien, Anleihen, Fonds und anderer Finanzinstrumente näher zu bringen. Die AAII befragt ihre Mitglieder regelmäßig zu ihrer Einschätzung der Entwicklung des Aktienmarktes in den zukünftigen sechs Monaten.

          Bevor wir uns dem Ergebnis dieser Umfrage zuwenden, werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Historie. Die erste AAII-Umfrage fand im Juli 1987 statt. Seit dieser Zeit folgte die Gesamtstimmung häufig, jedoch nicht immer, der Kursentwicklung des Marktes. Die historische Spanne der optimistischen Stimmung reicht von einem Tiefpunkt bei 12 Prozent im November 1990 (nahe dem Boden des Baisse-Marktes) bis zu einem Höchststand von 75 Prozent im Januar 2000 (unweit des Gipfels des Hausse-Marktes). Die pessimistische Stimmung schwankte historisch zwischen einem Tiefststand von sechs Prozent im August 1987 (eine Woche vor dem Börsencrash) und einem Höchststand von 67 Prozent im Oktober 1990 (genau am Boden des Baisse-Marktes 1990).

          Historische Ausnahmen

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